LKR Coburg
Start

Stress im Gesundheitsausschuss

Seit 100 Tagen ist Johannes Wagner nun Bundestagsabgteordneter. Im Interview erzählt er, was ihn bewegte und wie es läuft für ihn.
Johannes Wagner.
Johannes Wagner.

Was war für Sie der bislang eindrucksvollste/bewegendste Moment im Bundestag?

Der bewegendste Moment war mit Sicherheit die Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus letzte Woche. Er hat mir noch mal vor Augen geführt, was die wichtigste Aufgabe von uns Parlamentarier:innen ist: Rechtsextremismus mit aller Macht bekämpfen. Besonders eindrucksvoll ist wiederum die Arbeit im Gesundheitsausschuss mit all den vielen Expert:innen, um den besten Weg aus dieser Pandemie zu finden.

Wie schaut ein "ganz normaler Tag" in Berlin für Sie aus?

Einen ganz normalen Tag gibt es in meinem Berufsalltag (noch) nicht. Als Abgeordneter ist man ja nur jede zweite Woche in Berlin, den Rest der Zeit bin ich in Coburg und viel im Wahlkreis unterwegs. In den Sitzungswochen ist auch jeder Tag anders, nur der Start gleicht sich: schon seit meiner Schulzeit bin ich eher ein Nachtmensch. Deswegen starte ich meist erst zwischen 7 und 8 Uhr in den Tag, frühstücke für gewöhnlich nur einen Kaffee (das ist ebenfalls seit der Schulzeit so) und mache mich dann auf den Weg in den Bundestag, wo auch mein Büro liegt. Mal ab 8, mal ab 9 Uhr starten dann die verschiedenen Telefonkonferenzen: Teambesprechungen, Austausch mit Fachreferent:innen, Austausch mit Expert:innen aus Wissenschaft oder von Verbänden und natürlich innerhalb der Fraktion. An den Plenartagen (Mittwoch bis Freitags) sitze ich wiederum den größten Teil des Tages im großen Plenarsaal im Plenum, wo aktuelle Gesetzesentwürfe oder Geschehnisse diskutiert werden. Abends folgt die die Nachbesprechung und Vorbereitung für den nächsten Tag. Aktuell bin ich neben der inhaltlichen Arbeit noch auf Wohnungssuche und hatte auch eine Stelle für eine wissenschaftliche Mitarbeiter:in ausgeschrieben. Deswegen waren die Tage bisher immer sehr voll, vor 23 Uhr war ich bisher während einer Sitzungswoche noch nie zu Hause.

Haben Sie als Neuling den Eindruck, dass Ihnen noch eine gewisse Schonfrist eingeräumt wird, oder haben Sie das Gefühl, es ging von null auf hundert?

Für die Mitglieder des Gesundheitsausschusses gab es definitiv keine Schonfrist, schon vor dem Regierungswechsel waren wir sehr eingespannt. Aber auch die anderen Fachbereiche sind sehr beschäftigt. Man kann es nicht anders sagen, aber die Vorgängerregierung hat uns leider in vielen Bereichen ein absolutes Desaster hinterlassen. Egal ob bei der Beschaffung von Impfstoff, der KfW-Förderung für Gebäude oder der Energieversorgung, überall mussten wir sofort aktiv werden.

Was macht die Ampel besser oder schlechter also die vorherige Regierung?

Wir als Ampelkoalition denken den Dreiklang Umwelt, Wirtschaft und Soziales immer mit. Das ist aufwendig aber uns sehr wichtig, um die aktuellen Herausforderungen wie soziale Ungleichheit und Klimakrise zu bewältigen. Besser werden müssen wir noch bei der Kommunikation.

Gibt es ein konkretes Projekt oder Ziel, an dem Sie gerade arbeiten, und was ist das?

Ich bin sehr eng in die Erarbeitung der Anträge für eine allgemeine Impfpflicht eingebunden und werde alles dafür tun, eine erneute Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern.

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn Sie am Ende einer Parlamentswoche zurück nach Coburg kommen?

Auf meine WG mit meinem gemütlichen Zimmer inklusive eigenes Bett. In Berlin bin ich gerade noch in einem Gästezimmer untergebracht, wirklich heimisch fühle ich mich dort nicht. Außerdem bin ich nicht wirklich ein Großstadtmensch. Die kurzen Wege und die Nähe zur Natur genieße ich sehr.