Grundsätzlich ist das Vorgehen von Coburgs Sozialreferent Thomas Nowak (SPD) vernünftig: An der "Coburger Jugendeinrichtung", kurz Coje, soll ein neuer Skate- und Pumptrackpark entstehen. Ein moderner Spielplatz für alle möglichen rollenden Vehikel, ergänzt um ein Parkour-Feld, wo das Überwinden von Hindernissen trainiert werden kann. Dort, so ist es zu erwarten, werden sich ab Sommer 2022 viele Kinder und Jugendliche treffen. Thomas Nowak überlegt jetzt schon beziehungsweise lässt überlegen, wie diese Kinder, Jugendlichen und Familien betreut werden können.

Das sei durchaus sinnvoll, sagen alle, mit denen das Tageblatt gesprochen hat. So Alexander Müller, der Vorsitzende des Stadtjugendrings. Oder Johanna Schilling, die Geschäftsführerin des Vereins Domino, der in Coburg ein Kinder- und ein Jugendzentrum betreibt. Oder Thomas Apfel, noch amtierender Kinderbeauftragter und Stadtratsmitglied (WPC).

Doch das Ergebnis der Überlegungen hat die genannten Personen überrascht bis verstört. Denn damit die Coje ein städtisches Kinder- und Jugendzentrum werden kann, müsste der Vertrag mit dem Stadtjugendring gekündigt werden. Der ist nämlich derzeit Hausherr in der Rosenauer Straße 45. Der Verein Domino müsste Stellen abgeben, die dann in der Coje neu geschaffen werden. Denn Nowak will, dass das Budget für "Einrichtungen der Jugendhilfe" stabil bleibt. 1,4 Millionen Euro gibt die Stadt heuer dafür aus.

Es habe mit dem Stadtjugendring (SJR) und dem Verein Domino im Vorfeld Gespräche gegeben, sagt Nowak. Das bestätigt Alexander Müller, Vorsitzender des Stadtjugendrings. Doch da sei es lange Zeit nur um den Bau der Trendsportanlage gegangen. Welche Umstrukturierungen in der Jugendarbeit da angedacht seien, habe sich erst gezeigt, als das "Rahmenkonzept Jugendarbeit 2030" auf dem Tisch lag, sagt Müller. Das Rahmenkonzept trägt das Datum 20. Mai.

Vorstand von Stadtjugendring und Domino waren alarmiert. Thomas Apfel, selbst im Jugendhilfesenat, organisierte ein Gespräch mit den Senatsmitgliedern. Denn der Senat sollte der Verwaltung erlauben, mit Stadtjugendring und Domino "auf Basis des Konzepts" zu verhandeln. Ergebnis: Etwas anders solle die Sache schon laufen.

"Grundsätzlich hat die Stadt das Recht zu lenken und neue Konzepte zu entwickeln. Problem ist, dass SJR und Domino sagen, sie seien nicht eingebunden gewesen ", sagt zum Beispiel Florian von Deimling (Grüne). "Ein partnerschaftlicher Austausch hat nach meinem Empfinden da nicht stattgefunden." Diesen "partnerschaftlichen Austausch" soll es nun geben: Nowak selbst schlug vor, das Rahmenkonzept als "Arbeitspapier" zu betrachten.

Stadt will Flexibilität

"Jetzt liegt der Ball bei den Verbänden - dem Stadtjugendring - und dem Domino", sagt er. Er sei durchaus offen für ein gemeinsames Konzept von SJR und Domino für den künftigen Betrieb der Coje. Auch über eine Änderung der bestehenden Verträge könne man reden. Es müsse auch nicht sein, dass die Stadt einen offenen Jugendtreff in der Coje betreibt, sagt Nowak. Aber die Stadt wolle eine gewisse Flexibilität, so wie mit dem Domino: Dessen Sozialpädagogen kümmerten sich im vergangenen Jahr im Auftrag der Stadt um den Spielplatz in Neuses, der sich zu einem Treffpunkt vieler Jugendlicher entwickelt hatte.

Thomas Apfel hofft, dass die anstehenden Gespräche nun Konzepte bringen, die alle zufriedenstellen. "Sonst sind die Kinder- und Jugendlichen in der Stadt die Leidtragenden", sagt er. Ähnlich sagt es SPD-Stadträtin Ramona Brehm, ebenfalls Mitglied im Jugendhilfesenat: An dem Konzept für die Jugendarbeit müssten die Verbände und das Domino beteiligt werden, findet sie. "Es geht um das Wohl der Kinder und Jugendlichen. Gerade nach der Pandemie brauchen sie Anlaufstellen. Die sind wichtiger als zuvor."

Alles Argumente, die auch Alexander Müller und Johanna Schilling vom Domino nennen. Der Stadtjugendring macht seine Position seit Freitag auch am Coje-Gelände deutlich: "Träger-Vielfalt ist Angebots-Vielfalt", steht da auf einem Transparent, und: "Träger-Vielfalt statt öffentliches Monopol."