Die Bühne des Landestheaters wird an diesem Abend zum Konzertsaal, in dem getanzt und gesungen wird. Sie ist so bunt wie die Musik, die erklingen wird.
"Petruschka" steht in riesigen kyrillischen Buchstaben auf einem großen Plakat an der orangefarben leuchtenden Rückwand. Dann füllt sich die Bühne - mit Musikern des Philharmonischen Orchesters und mit vielen, vielen Schülern. Denn für einen ungewöhnlichen Konzertabend werden zwei dritte Klassen der Emil-Fischer-Grundschule Dörfles-Esbach ebenfalls zu Musikern. Auf Xylofonen und Glockenspielen, aber auch auf bunt dekorierten blauen Plastiktonnen und ausrangierten durchsichtigen Wasserkanistern werden sie ihre Version von Igor Strawinskys Ballettpartitur "Petruschka" musizieren.

Raffinierte Partitur


Im Original ist "Petruschka" eine raffiniert gearbeitete Partitur, die manchmal vermeintlich kinderleicht und manchmal schillernd virtuos klingt. Und genau wegen dieser Mischung eignet sich "Petruschka" perfekt als Vorlage für dieses ehrgeizige Konzertprojekt mit Schülern.
Carmen Schmidt und Sören Schrader haben in ihrer musikpädagogischen Konzeption daraus ein szenisches Konzert gemacht, in einer knapp zweiwöchigen Projektphase erarbeitet und gemeinsam mit Musikern des Philharmonischen Orchesters und ihrem Generalmusikdirektor Roland Kluttig einstudiert.

Geschichte um verschmähte Liebe und Eifersucht


Auf der Bühne das Landestheaters wird daraus ein ebenso konzentriertes wie lebendiges Zusammenspiel zwischen den Schülern und den Profimusikern. "Petruschka" erzählt von den Marionetten eines Puppenspielers auf einem Jahrmarkt in St. Petersburg, die durch die magischen Klänge einer Flötenmelodie zum Leben erweckt werden: ein trauriger Harlekin namens Petruschka, eine Ballerina und ein Mohr. Daraus entwickelt sich eine Geschichte um verschmähte Liebe, Eifersucht und einen tödlich endenden Zweikampf. Diese Geschichte bringen die Schüler in ausgewählten kurzen Szenen singend, spielend, tanzend und musizierend sehr lebendig und aufmerksam auf die Bühne.

Reichlich Beifall


Am Dirigentenpult gelingt es Roland Kluttig, das Spielen und Musizieren der Schüler bruchlos mit dem Musizieren des Orchesters zu verbinden. Die Basis liefern geschickt ausgewählte Abschnitte aus Strawinskys Partitur, die zum Teil wiederholt und neu aneinander gefügt werden. Für diese Coburger "Petruschka"-Version gibt es verdientermaßen reichlich Beifall.

Pulsierende Klangsinnlichkeit


Im zweiten Teil nach der Pause steht dann "Petruschka" in Strawinskys 1947 revidierter Version auf dem Programm. Diese "burleske Szene in vier Teilen" verbindet einprägsame Melodien in effektvollem Orchestergewand mit pulsierender Rhythmik und klangmalerisch frappierend anschaulichen Passagen. Die Szenerie eines russischen Jahrmarktes wird darin regelrecht zum zauberhaften Klanggemälde. Unter Kluttigs jederzeit souveräner Leitung musiziert das Philharmonische Orchester in tadelloser Mischung zwischen rhythmischer Präzision und schillernder, pulsierender Klangsinnlichkeit.

Neue Fans gewonnen


Am Schluss gibt es dann aus dem dritten Rang besonders lauten Beifall für das Orchester und seinen Generalmusikdirektor - von dort haben die Schüler den zweiten Teil des Konzertes als Zuhörer verfolgt. Roland Kluttig, so scheint es, hat an diesem Abend neue Fans gefunden.