Die "Störungskaskade" - wie diese Stadtwerke gestern mitgeteilt haben - begann kurz nach 2 Uhr morgens mit einem Erdschluss im Mittelspannungsnetz. Hintergrund: Bei einem Erdschluss werden die Kunden weiterhin mit Strom versorgt, ohne dass diese den Erdschluss bemerken (eine von drei Phasen hat den Kontakt). Die Mitarbeiter der Stadtwerke Neustadt waren gerade dabei, den Ort des Erdschlusses durch umfangreiche Schalthandlungen im Netz zu lokalisieren, als es eine Stunde später auf einem anderen Mittelspannungskabel zu einem Kurzschluss kam.

Damit hatten die Bereiche rund um das Rathaus sowie den Arnoldplatz keinen Strom mehr. Im weiteren Verlauf konnten nacheinander einzelne Bereiche zugeschaltet und wieder mit Strom versorgt werden.
SWN-Geschäftsführer Armin Münzenberger teilte danach mit: "Gegen 6 Uhr waren alle Bereiche bis auf einen kleinen Außenbereich wieder mit Strom versorgt." Doch schon um 6.38 Uhr traten kurz hintereinander weitere Kurzschlüsse im Mittelspannungsnetz auf unterschiedlichen Kabelstrecken auf. Damit waren dann die Bereiche Bahnhofstraße und Arnold-Gymnasium, Künßbergstraße und Röntgenstraße ohne Strom. Ein weiter Kurzschuss ereignete sich noch im Bereich von Meilschnitz. Die Störung musste wieder durch umfangreiche Schalthandlungen die Schadensgrenze eingegrenzt und sukzessive über die einzelnen Trafostationen die Bereiche wieder mit Strom versorgt werden. Anschließend widmeten sich die Stadtwerke Neustadt dem Bereich Tilsiter Straße, bei dem sich die Schadenslokalisierung als besonders schwierig erwies, da sowohl auf dem Kabel ein Erdschluss als auch noch zusätzlich ein Kurzschluss in einem anderen Streckenabschnitt aufgetreten war.

Acht Jahre ohne Probleme

Ein Schalter einer Ortnetzstation hat bei den Kurzschlüssen einen Schaden erlitten, sodass der letzte Ortsteil erst gegen 10.45 Uhr wieder versorgt werden konnte. Münzenberger erläuterte: "Das Mittelspannungsnetz der Stadtwerke war seit über acht Jahren von größeren Störungen verschont geblieben." Daher war es für die Fachleute nicht ungewöhnlich, dass bei einer Störung mit hohen Kurzschlussströmen auch Schwachstellen in anderen Kabeln zu Folgestörungen führten. So seien letztlich all die unbemerkten Beschädigungen bei Tiefbauarbeiten und ähnlichen Arbeiten zutage gekommen. Die Anzahl in so kurzer Zeit war aber schon eine besondere Herausforderung bei den Störungsbeseitigungen. Nicht nur der sich hieraus ergebende immense Zeitdruck bei der Suche nach der Schadensstelle, auch die sich mit jeder weiteren Störung ergebende Reduzierung der Schaltmöglichkeiten habe ein hohes Maß an Konzentration bei den SWN-Mitarbeitern erfordert.

Unbeschadet des heutigen haben die Stadtwerke nunmehr unverzüglich damit begonnen, die Fehler zentimetergenau einzumessen und durch ein Tiefbauunternehmen aufgraben zu lassen, um die beschädigten Kabel schnellstmöglich zu reparieren und den betriebsüblichen Netzzustand wieder herzustellen.