Dunkle Wolken ziehen über den Geflügelzuchtverein 1911 Hassenberg auf. "Nach über einem Jahrhundert Auf und Ab in der Vereinsgeschichte sind wir vom historischen (Erfolgs-) Weg abgebogen. Wir sind am Existenzminimum angekommen." Diese unerfreuliche Perspektive eröffnete der seit mehr als zwei Jahrzehnten als Vorsitzender wirkende Ulrich Rampel den Mitgliedern im Vereinsheim "Täubchenhof".

Versammlung schlecht besucht

Den "schwächsten Besuch einer Hauptversammlung seit Vereinsgründung" wertete Rampel mit erhobenem Zeigefinger als weiteres Indiz für mangelndes Interesse am Vereinsgeschehen. Unter den Mitgliedern - ihre Zahl ist auf 54 geschrumpft - sind nur noch vier aktive Züchter zu finden. Die Taubenzucht ist vollkommen eingeschlafen. Von neun Jugendlichen war bislang nur einer unter Anleitung von Vater und Opa fürs aktive Vereinsgeschehen zu begeistern.


Projekt unsicher

Wegen noch ungesicherter Betreuung steht auch der Wunschtraum Jugendzuchtanlage trotz vorhandener Möglichkeiten immer noch in den Sternen. Als mögliche Gründe für die besondere Situation der Kleintierzucht könnten nach Ausführungen des Vorsitzenden die dörfliche Entwicklung (nicht nur fürs Züchterwesen), ungezügelt steigende Auflagen und Futterkosten, anders gelagerte Freizeitinteressen der Kinder und Jugendlichen, Rückgang der Erwerbslandwirtschaft und damit Hand in Hand eingeschränkte Tierhaltung in Frage kommen.
Mit Aufnahme der Rassegeflügelzucht als Weltkulturerbe wäre nach Rampels Überlegungen ein möglicher Wandel herbeizuführen. "Dann wäre auch in den Köpfen der Verbraucher eine Trennung von industrieller Wirtschafts- und Rassegeflügelzucht als erstrebenswertes Hobby zu erreichen", meint Rampel.

Taubenzucht aufgegeben

"Meine Enkel zeigten kein Interesse, die Arbeit im Schlag auch bei tatkräftiger Unterstützung fortzuführen", stellte Karl Heinz Langbein fest. Aus gesundheitlichen Gründen musste er seine Taubenzucht aufgeben.
Als unverzichtbar für das Vereinsleben hat sich der wöchentliche Treff im Täubchenhof etabliert. Dank zollte Rampel der Bedienergemeinschaft unter Führung von Anton Sommer für ihren Einsatz. Das Schlachtfest trug zum Vereinsleben bei.

Mit der österlichen Kükenausstellung mit Verkaufsschau in der ehemaligen Schule habe sich der Geflügelzuchtverein weit über die Gemeinde- und Landkreisgrenze hinaus ein Alleinstellungsmerkmal erarbeitet. Mit Blick auf die ganztägige Schau laufen die vereinseigenen Brutmaschinen auf Hochtouren. "Die ersten Jungtiere sind rechtzeitig geschlüpft", stellte Zuchtwart Anton Sommer fest.
Ausgestellt wurde bei den Gruppenschauen Hassenberg und Mupperg.

Dennoch erfolgreich

Bei größeren Ausstellungen wie Hannover oder Leipzig holten sich die Vereinsmitglieder Anregungen. Vereinsmeistertitel Großgeflügel und damit Pokale sicherten sich Gerhard Oberender (Senioren) und Hanna Kalter (Jugend).

Dass die Freude an der Kleintierzucht trotz aller Rückschläge noch existiere, freute Zweiten Bürgermeister Claus Höcherich (GUB). Trotz gestiegener Hemmnisse forderte er die Mitglieder auf, zusammenzustehen und möglichen Nachwuchszüchtern ein Vorbild zu sein.

Bei den Ehrungen fehlten die meisten Jubilare. Arndt Hunger, Melanie Bauer, Susanne Pelz und Thomas Pelz wurden für zehnjährige Vereinszugehörigkeit geehrt, Ralf Fischer, Kurt Probst und Anton Sommer für 30 Jahre Treue zum Verein.