Auch nach 100 Jahren Ehe ist die Gunst der Braut eine kostspielige, merkte Bayerns Ministerpräsident in seiner Rede am Freitagabend im Kongresshaus an. Doch so "teuer" die liebe Coburger Braut dem Freistaat auch kommt: Bei zukunftsweisenden Projekten, wie sie in den vergangenen Jahren in der alten Goebel-Fabrik in Rödental entstanden sind, kann der wohlwollende Bräutigam fast schon gar nicht anders, als das Scheckbuch einmal mehr zu zücken. Auch das betonte Markus Söder noch wenige Stunden zuvor in Rödental.

Mit einem Zuschuss in Höhe von 4,3 Millionen Euro ermöglichte der Freistaat die Transformation der geschichtsträchtigen, doch zuletzt größtenteils leerstehenden Goebel-Fabrik hin zu einem Technologie-Zentrum für innovative Start-Ups. "Digitalisierung ist die Zukunft", bekräftigte Markus Söder in der einstigen Kantine der Goebel-Produktionsstätte, die nun zum Treffpunkt für Jungunternehmer aus der Region geworden ist. Wo früher Porzellanfiguren standen und die Arbeitskräfte aus der Produktion Pause machten, stehen heute Kickertische und Spielekonsolen auf Couchtischen.

Die Digitale Manufaktur Coburg ist seit einem Jahr der Dreh- und Angelpunkt für die Gründerszene im Coburger Raum. Der Freistaat fördert die digitale Fakultät der Hochschule Coburg mit 24 Professorenstellen. Mit der Digitalen Manufaktur haben Absolventen einen Ort, an dem sie anschließend ihre Ideen in die Tat umsetzen können.

Aufgrund der Pandemie fand die offizielle Eröffnung erst jetzt statt, getüftelt wird in den Büros und Produktionsboxen aber schon seit zwölf Monaten. 15 Stück in Größen zwischen 28 und 100 Quadratmetern stehen Jungunternehmern und Start-Ups in den alten Gemäuern, die innen komplett saniert und modernisiert wurden, zur Verfügung. Die Räume inklusive Ausstattung und technischem Equipment können für mehrere Wochen oder Monate gemietet werden - und jeder Einzelne war von Tag 1 an besetzt.

So zog mit den jungen Unternehmern wieder Leben in die Goebel-Hallen ein. 1871 gegründet und die Produktion von Porzellankunst perfektioniert, verpasste das Traditionsunternehmen den Anschluss. Vor 15 Jahren kam es zur Insolvenz und Massenentlassungen. Fast 15000 Quadratmeter standen plötzlich leer.

Es gab Gerüchte, von Zerschlagung bis Abriss schien alles möglich. Das konnte Wolfgang Schulze von der gleichnamigen Möbelstadt gegenüber nicht mehr mit ansehen. "Meine Söhne und ich, wir können Stillstand und Leerstand nur schwer ertragen." So durfte die altehrwürdige Porzellanfabrik nicht bleiben.

Klare Wünsche von Coburgs OB zur "Himmelshochzeit"

Der Unternehmer kaufte das Gelände und entwickelte gemeinsam mit Stadt und Landkreis sowie dem Team von Zukunft.Coburg:Digital die Digitale Manufaktur (siehe Info-Kasten), die - auch in Anlehnung an Nachhaltigkeit als zentrales Element modernen Gründergeists - das "Green Valley" für die Region werden soll. "Ausschlaggebend für diesen Ort war, dass hier ein einzigartiges Projekt auf den Weg gebracht wurde", macht auch Coburgs Landrat Sebastian Straubel deutlich. Für Coburgs OB sind die beiden Standorte von Zukunft-Coburg-Digital, die Manufaktur in Rödental und die ehemalige Schlachthofvilla in Coburg, wie zwei starke Kammern für ein kräftig schlagendes Herz.

Alte Handwerkstradition mit moderner Technik zu verbinden - das passt für Markus Söder perfekt zur Marschroute des Freistaats, sich vom Agrarstaat in ein "Super-Industrieland" zu mausern. "Man muss nicht nach München gehen, um das beste wissenschaftliches Level zu haben", bekräftige der Bayerische Vize Hubert Aiwanger. Bayern brauche technische Innovationen in der Fläche, weshalb der Freistaat 3,5 Milliarden Euro in den Fördertopf für Wissenschaft und Forschung gepackt hat. "Hier wird nicht nur Zukunft geschrieben. Sie hat bereits begonnen."

Der Ministerpräsident lobte Coburgs starke Wirtschaftskraft, vor allem in der Automobilindustrie. Wandel wahre den Wohlstand, "und es ist nicht verwerflich, mit guten Ideen auch gutes Geld zu machen und Arbeitsplätze zu schaffen."

Zukunft.Coburg.Digital ist das dritte Digitale Gründerzentrum in Oberfranken nach Bamberg und Hof.

In der Kühlhalle des ehemaligen Coburger Schlachthofs können Existenzgründer ab dem kommendem Jahr 30 Coworking Arbeitsplätze und Kreativräume nutzen.

Start-ups, die bereits gewachsen sind, finden in der Digitalen Manufaktur auf dem ehemaligen Goebel-Gelände Büro- und Workshopräume sowie Produktionsboxen. An beiden Standorten profitieren die Start-ups vom Gründernetzwerk und dem Austausch mit dem Coburger Mittelstand.