Punktlos ziert der HSC 2000 Coburg nach sechs Spielen das Ende der Bundesliga-Tabelle. Doch gegen den SC Magdeburg war ein klarer Aufwärtstrend erkennbar. Der Aufsteiger zeigte seine bislang beste Saisonleistung und verpasste die ersten Punkte nur knapp (26:28). Doch das ist nicht die einzige erfreuliche Nachricht, denn Trainer Alois Mraz kann in der nächsten Woche mit nahezu vollständigem Kader trainieren und die Länderspielpause intensiv nutzen. Zwar waren Stepan Zeman (Tschechien) und Drasko Nenadic (Serbien) für ihre Nationalmannschaften nominiert, doch die Spiele in der EM-Qualifikation wurden abgesagt.

Die Tschechen hätten auswärts und zu Hause jeweils gegen die Färöer Inseln und die Serben zu Hause gegen Griechenland und in Belgien gespielt. Dass das HSC-Duo in der Vestestadt bleibt, kommt den Coburger Verantwortlichen gelegen. "Grundsätzlich wollen wir unseren Spielern nicht im Weg stehen, wenn sie die Möglichkeit haben, für ihr Land zu spielen", sagt HSC-Geschäftsführer Jan Gorr und schränkt ein: "In diesen Zeiten müssen aber Voraussetzungen erfüllt sein." Gorr spricht sich für einheitliche Standards aus, dann spreche nichts dagegen, Spieler für Länderspielreisen quer durch Europa abzustellen. "Sonst würde man alles, was wir hier machen, ad absurdum führen." Das fange bei der Einreise in ein Land an, gehe bei der Einhaltung der Hygienekonzepte weiter und höre bei der Rückreise nach Deutschland auf. Vor allem die Frage, ob ihre Profis nach der Rückkehr von der Nationalmannschaft in Quarantäne müssen, trieb die Vereine um. Zuletzt hatte die Handball-Bundesliga (HBL) mit ihren Vereinen ein Musterschreiben an die Nationalverbände erarbeitet, in dem die Klubs ihre Bedenken deutlich zum Ausdruck bringen.

Von einem Streit zwischen HBL und DHB, wie verschiedene Medien berichteten, spricht Gorr aber nicht. Die Liga wolle "keinen Konflikt", sondern mache sich für ein einheitliches Vorgehen der Ligen und Verbände stark. Ist das gegeben, würde der HSC Coburg seine Nationalspieler auch in Pandemie-Zeiten abstellen. Für Stepan Zeman ist es ein zwiegespaltenes Gefühl, dass die Länderspiele abgesagt wurden. "Ich bin ein bisschen traurig, weil ich immer gerne für mein Heimatland spiele. Aber ich kann es gut verstehen, dass in dieser Situation die Spiele nicht stattfinden."

Training statt Länderspiele

An einen freiwilligen Verzicht wenn gespielt worden wäre, habe der HSC-Kreisläufer nicht gedacht. "Wenn das Maximum an Sicherheit für uns Spieler gewährleistet ist, dann fahre ich zu den Spielen mit." Statt Länderspielreise heißt es aber nun: Trainingswoche mit dem HSC. Dessen Trainer Mraz hat bis auf den Langzeitverletzten Jakob Knauer (Schulter) wohl alle Spieler zur Verfügung, da Torwart Jan Kulhanek nach einer Wadenverletzung vor einer Rückkehr ins Mannschaftstraining steht - und möglicherweise kann Mraz sogar neues Personal begrüßen. Glaubt man Gerüchten, bemüht sich der HSC um Linkshänder Rene Drechsler vom Zweitligisten Wilhelmshavener HV. "Er ist grundsätzlich ein interessanter Spieler, aber wir haben mit ihm keine Gespräche geführt", sagt Geschäftsführer Gorr.

Beim WHV herrscht seit geraumer Zeit Unruhe, nachdem gegen Hauptsponsor und Co-Geschäftsführer Maik Menninga wegen Anlagebetrugs ermittelt wird. Anfang Oktober stellte der ehemalige Bundesligist einen Insolvenzantrag, nimmt aber weiter am Spielbetrieb teil. Der 30-jährige Drechsler kam in allen fünf Spielen zum Einsatz und erzielte zehn Tore. Beim HSC könnte er für Entlastung im rechten Rückraum sorgen.