"Er wird seine Chance bekommen", sagte HSC-Trainer Alois Mraz über Christoph Neuhold. Der Österreicher war bei der Niederlage in Essen (27:29) mit Florian Billek stärkster Feldspieler, leistete sich keinen Fehlwurf und war einer der Garanten für die Aufholjagd, die beinahe noch zu einem Unentschieden gereicht hätte. Aber Neuhold spielt zu wenig, sagen zumindest Teile der Coburger Fans.

"Warum lässt man Neuhold nicht mal früher spielen und setzt im Angriff lieber auf Nenadic - für mich unverständlich", schrieb etwa ein Anhänger auf Facebook. Ein weiterer meinte kurz und knackig: "Mehr Christoph Neuhold!" Dass Neuhold meist von der Bank und in vielen Spielen erst zur zweiten Halbzeit kam, stößt bei den HSC-Fans auf Unverständnis. Am Dienstagabend gegen die Eulen Ludwigshafen (23:23) war das anders.

Der 26-Jährige stand in der Startformation und kam auf deutlich mehr Spielzeit als sonst. Auch in der Abwehr, in der Neuhold eher selten spielt, wurde der Österreicher zeitweise eingesetzt. Meist kam Neuhold aber im Angriff für Drasko Nenadic, der den Mittelblock mit Stepan Zeman und Justin Kurch bildete. "Er ist spielerisch stark, setzt sich gut durch und hat den Blick für die Mitspieler", weiß Mraz um Neuholds Qualitäten. Trotzdem musste sich Coburgs Nummer 94 meist hinter den Neuzugängen Nenadic und Pouya Norouzi Nezhad, der auf der Mitte und auf Halblinks spielen kann, anstellen. Mit Kapitän und Abwehrchef Andreas Schröder, der seit einigen Wochen verletzt fehlt, gibt es weitere Konkurrenz im linken Rückraum.

Durchwachsene Bilanz

Gegen die Eulen Ludwigshafen stand Neuhold mal wieder in der Startformation. Seine Bilanz? Durchwachsen. Drei Würfe wurden von der Gäste-Abwehr geblockt, zwei entschärfte Torwart-Oldie Gorazd Skof und nur zwei Versuche landeten ins Ziel. Zudem leistete er sich vor der Pause einen technischen Fehler. Aber: Neuholds zwei Treffer zum 4:3 und 19:19 waren wichtige. Zudem holte er nach 35 Minuten einen Siebenmeter, den Milos Grozdanic aber verwarf, und eine Zeitstrafe für Ludwigshafens Hendrik Wagner heraus. Nach dem Spiel sagte Neuhold beim Bezahlsender Sky: "Wir haben eine Phase gehabt, in der wir 20 Minuten lange nur zwei Tore werfen. Das darf nicht passieren." Der Halblinke sprach von einem aufgrund des engen Spielverlaufs gerechten Unentschieden. "Wir wollten mutig bleiben und haben zum Glück noch einen Punkt geholt."

Ob Neuhold beim nächsten Spiel am Sonntag, 27. Dezember, bei den Rhein-Neckar Löwen wieder starten darf? Offen. "Es ist immer davon abhängig, wie wir das Spiel taktisch angehen", sagt Trainer Mraz. Blickt man auf die Zahlen, hätte sich Neuhold weiterhin mehr Einsatzzeiten verdient. In 13 Spielen kommt der 26-Jährige auf nur 18 Fehlwürfe - kein HSC-Rückraumspieler leistet sich weniger "Fahrkarten". Auch die Wurfquote passt, Neuhold trifft 50 Prozent seiner Versuche. Von den derzeit einsatzfähigen Rückraumspielern halten nur Norouzi Nezhad (ebenfalls 50 Prozent) und der derzeit überragend aufgelegte Tobias Varvne (56 Prozent) bei Neuholds Quote mit.

Gute Zahlen hat er auch bei den Vorlagen. In 13 Spielen gab er zwölf Assists, nur Nenadic (13 Vorlagen in elf Spielen) und Pontus Zetterman (41 in 13 Spielen) setzen ihren Mitspieler öfters in Szene. Weil die Defensive nicht zu seinem Spezialgebiet gehört, haben Nenadic und Norouzi Nezhad - beide können in Abwehr und Angriff spielen - die Nase aber ein Stückchen vorne. "In der Abwehr hat er noch Steigerungspotential", weiß auch Mraz, in welchem Bereich sich Neuhold noch verbessern muss. Trotzdem steht sein Spieler vor der bislang größten Erfahrung seiner Karriere.

Neuhold im WM-Kader

Ales Pajovic, Trainer der österreichischen Nationalmannschaft, nominierte Neuhold für die Weltmeisterschaft in Ägypten (13. bis 31. Januar). Der 26-Jährige schaffte das, was ihm bei der Europameisterschaft 2020, die auch in seiner Heimat stattfand, nicht gelang: den Sprung aus dem vorläufigen ins endgültige Aufgebot. Die Nominierung ist die Belohnung für seine Leistungen im Trikot des Aufsteigers. Auch wenn die HSC-Fans Neuhold noch öfters spielen lassen würden.