Christoph Böger

Der HSC 2000 Coburg präsentierte sich am Sonntag wie ein Abstiegskandidat. Deutlich mit 21:30 (9:15) unterlag der Tabellenletzte der 1. Handball-Bundesliga bei GWD Minden. Während der klare Sieg für die Gastgeber ein Befreiungsschlag im Kampf um den Klassenerhalt bedeutet, kommt in der Vestestadt langsam aber sicher "Schalke-04-Stimmung" auf.

Pouya kehrt wieder zurück

Dabei waren die "gelb-schwarzen" Hoffnungen groß, eventuell etwas Zählbares zu entführen. Schließlich kehrte mit Pouya Norouzi Nezhad überraschend der Spielmacher auf die Platte zurück. Seine zu Beginn des Jahres diagnostizierte Schulterverletzung am Wurfarm scheint also doch nicht so gravierend zu sein. Jedenfalls deutete der Iraner im ersten Durchgang an, dass er wieder wichtige Impulse geben kann.

Und diese hat der HSC auch dringend notwendig, denn die nächsten beiden Spiele sind wohl schon so etwas wie die letzte Chance im bisher verzweifelt geführten Existenzkampf: Am Donnerstag kommt Wetzlar in die HUK-Arena und dann muss der HSC zu den "Eulen" nach Ludwigshafen. In Minden hatte Coburg vor allem mit sich selbst zu kämpfen. Aber auch drei Probleme namens Rambo, Knorr und Pehlivan! Dieses Trio drückte dem Kellerduell eindrucksvoll den Stempel auf. Egal ob es der lange Norweger Christopher Rambo war oder seine beiden Rückraum-Kollegen - alle düpierten die löchrige "gelbe Wand" nahezu nach Belieben. Gegen die "Schießbude der Liga" warfen sich die Mindner ihren Frust von der Handball-Seele.

1. Handball-Bundesliga

GWD Minden -

HSC Coburg 30:21 (15:9)

Nach Zettermans Führungstreffer zum 1:0 (2.) unterliefen den Coburgern viele technische Fehler. Auffallend: In Überzahl klappte kaum etwas beim HSC. Ganz im Gegenteil: Zwei Tempogegenstöße führten sogar zum Zwei-Tore-Rückstand. Minden ließ drei weitere Konter liegen und Kuhlanek verhinderte nicht nur ein Tor nach einem Kempa-Trick, sondern parierte auch zwei freie Würfe von Außen. Deshalb blieb Coburg trotz magerer Torausbeute - nur drei Tore in den ersten zwölf Minuten - noch einigermaßen dran. Ein völlig frustrierter Florian Billek brachte es nach dem Spiel auf den Punkt: "Auch wenn wir das ganze Spiel in Überzahl gewesen wären, hätten wir wahrscheinlich heute nicht gewonnen".

Bereits vier Zeitstrafen kassierte Minden in den ersten 17 Minuten, weitere folgten - sicher ein Indiz für die aggressive Spielweise der "Grünen". Aber der Tabellenletzte machte aus den Überzahl-Situationen viel zu wenig. Die Bilanz war ernüchternd und Trainer Alois Mraz sauer. Der Tscheche redete in der ersten Auszeit dann auch Tacheles:

"Wir brauchen mehr Mut und Schwung"

"Wir müssen mutiger zum Tor. Wir brauchen mehr Schwung in unseren Aktionen." Doch auf Elan warteten er und der HSC-Anhang auch danach vergeblich. Die Aktionen vorne waren halbherzig, hinten verteidigte der HSC mangelhaft. Deshalb setzte sich der Favorit, ohne dabei glänzen zu müssen, sukzessive ab (12:8/26.). Als der HSC in den letzten fünf Minuten vor der Pause den Überblick verlor, drohte bereits da eine Art Vorentscheidung, doch Florian Billek gelang kurz vor der Sirene nach einem Zuspiel von Konstantin Poltrum noch einmal Schadensbegrenzung: Nur 9:15! "Das geht alles zu schnell" - stellte Alois Mraz nur neun Minuten nach Wiederbeginn treffend fest.

Für Coburg geht's zu schnell

Da hatte er gerade seine Jungs schon wieder zum Rapport an die Außenlinie zitiert. Es stand schon 12:21. Coburg fand einfach keine Lösungen, probierte es viel zu oft durch die Mitte, ließ seine beiden Außen "verhungern" und scheiterte immer wieder am starken Mindner Keeper Semisch. Ein 9:3-Lauf beseitigte vorzeitig alle Zweifel und Coburgs vage Hoffnungen auf ein Erfolgserlebnis verflogen.

Trotz aussichtslosem Rückstand ließen sich die Coburger danach aber nicht so hängen wie beim letzten Auswärtsspiel. Sie versuchten in den letzten zehn Minuten mit einer Umstellung am eigenen Kreis von der 6:0-Abwehr auf eine 3:2:1-Variante die Mindner noch einmal aus dem Konzept zu bringen, doch an den Kräfteverhältnissen änderte das nichts mehr. Zumindest blieb dem HSC - dank drei späten Billek-Toren - eine ähnliche "Klatsche" wie in Magdeburg erspart. Am Donnerstag soll gegen Wetzlar alles wieder besser werden.