Der Bundesliga-Aufsteiger aus der Vestestadt begann wie erwartet: Im Tor Jan Kulhanek, den Rückraum bildeten Kapitän Andreas Schröder, Tobias Varvne und Pontus Zettermann und auf den Außen sollten Florian Billek und Felix Sproß für Wirbel sorgen. Am Kreis aber eine Überraschung: Neuzugang Justin Kurch, der in der Vorbereitung überzeugte, behielt den Vorzug vor Stepan Zeman. In der Abwehr begann Trainer Alois Mraz mit einer 6:0-Formation.

Die gleiche Deckung stellte TBV-Trainer Florian Kehrmann, der auf den Ex-Coburger Marcel Timm kurzfristig verzichten musste, entgegen. Das hatte der HSC so erwartet - und trotzdem Probleme in den ersten Minuten. Lemgos Gedeon Guardiola besorgte auf Vorlage seines Zwillingsbruders Isaias - sie feierten am Donnerstag ihren 36. Geburtstag, den ersten Treffer des Tages. Tim Suton, nach einem Kreuzbandriss wieder genese, und Bobby Shagen stellten nach nicht einmal fünf Minuten auf 3:0 - und HSC-Trainer Mraz nahm schon seine erste Auszeit.

Zwar erzielte Tobias Varvne kurz darauf den ersten Coburger Bundesliga-Treffer nach drei Jahren, ins Spiel fanden die Gäste aber noch nicht und machten das, was sie eigentlich nicht machen wollten: überhastet abschließen und einfache Fehler produzieren. Coburg half Lemgo, sein bekannt schnelles Umschaltspiel aufzuziehen. Shagen erhöhte per Gegenstoß und von der Rechtsaußenposition auf 6:2 (8.). Der HSC aber fing sich.

Mraz brachte Drasko Nenadic für Andreas Schröder, der im Angriff für Varvne Platz machte, und Jakob Knauer für Zetterman. Und im Tor kam Konstantin Poltrum für Kulhanek. Diese Änderungen machten sich bezahlt. Coburg spielte im Angriff druckvoller und geduldiger. Mit einem 3:0-Lauf verkürzten die Gäste auf 6:7 und waren wieder in Schlagdistanz. Ärgerlich: In Überzahl verpasste der HSC den Ausgleich, stattdessen stellten die Hausherren durch Isaias Guardiola wieder auf einen Drei-Tore-Vorsprung (10:7, 16.).

Fünf Minuten später besorgte Knauer mit einem Doppelschlag den 10:10-Ausgleich. Der Aufsteiger war wieder im Spiel, auch wenn längst nicht alles rund lief: Mal produzierte Nenadic in Überzahl ein unnötiges Stürmerfoul, mal verlor der HSC den Ball zu schnell und wurde prompt per Gegenstoß bestraft - wie bei dem 12:11 durch Bjarki Mar Elisson. Lemgos Nummer 4 wurde vor dem Anwurf als Torschützenkönig der abgebrochenen "Corona-Saison" geehrt und bekam den Applaus der 1000 zugelassenen Zuschauern in der Lipperlandhalle.

Die Freude, dass die Handball-lose Zeit vorbei ist, war den Lemgoern Fans anzumerken. Weit vor Anwurf nahmen die Trommler hinter dem Tor ihren Platz ein und machten sich bemerkbar. Und auf der Haupttribüne freute sich ein Ehepaar über den Saisonstart. "Ist das schön", sagte die Frau und erntete ein zustimmendes Lächeln ihres Mannes.

Die Laune der beiden dürfte sich aber mit zunehmender Spieldauer verschlechtert haben. Lemgo spielte fahriger, scheiterte immer wieder am starken Poltrum und brachte kein Polster zwischen sich und den Aufsteiger. Mit seiner ersten gelungenen Aktion - einem "Wackler" und sehenswerten Dreher - besorgte Nenadic den 12:12-Ausgleich (28.). Trotzdem ging Lemgo mit einer 14:13-Führung in die Kabine - und durfte sich über eine gelungene erste Hälfte freuen.

Und das ging nach dem Seitenwechsel weiter. Mraz brachte Kreisläufer Stepan Zeman, den Halblinken Christoph Neuhold und Linksaußen Max Preller. Vor allem das Duo Neuhold/Zeman tat dem HSC-Spiel gut. Erst traf Zeman zum Ausgleich, dann besorgte Neuhold die erste HSC-Führung des Spiels (15:14, 33.). Und in der Abwehr? Dort brachte die beweglic und offensive 6:0-Deckung und Poltrum den TBV zum Verzweifeln.

"Das ist der siebte Ball, den er hält", stöhnte das TBV-Publikum über eine weitere Parade Poltrums. Der HSC witterte seine Chance, gegen ein schlagbares Lemgo einen Auftakt nach Maß zu landen. Nach dem 18:17 durch Zeman, sein dritter Treffer in zehn Minuten, nahm Kehrmann seine zweite Auszeit - und die zeigte Wirkung. Mit drei Treffern in Folge drehte der TBV das Spiel zum 20:18. Wirklich Sicherheit bekam Lemgo aber zunächst nicht. Neuhold und Knauer per Konter - nach Sensations-Pass im Fallen von Billek - trafen zum 20:20 (45.). Erst danach drehte sich das Spiel in Richtung der Hausherren, die binnen weniger Minuten auf 24:21 stellten (50.) - und bis Minute 54 entscheidend enteilten.

In den acht Minuten nach dem Ausgleich gelangen dem HSC Coburg nur zwei Treffer, Lemgo traf acht Mal und sorgte beim 28:22 (54.) dafür, dass der TBV einen hektischen Schlussphase entkam. Mit 33:26 siegten die Lemgoer, die lange Zeit Mühe mit dem HSC hatten, und in der Schlussphase Coburg zu leichten Fehlern zwang.

Die Statistik zum Spiel

TBV Lemgo Lippe: Van der Beucken, Johannesson - Elisson (8 Tore/1 Siebenmeter), I. Guardiola (5), Schagen (4), Suton (4), Baijens (3), Zerbe (3/1), G. Guardiola (2), Carlsbogard (1), Reitemann (1), Cederholm (1), Geis, Reimann, Hangstein, Lemke

HSC 2000 Coburg: Kulhanek, Poltrum - Norouzi Nezhad (5), Billek (4/2), Knauer (4), Varvne (4), Zeman (3), Nenadic (2), Schröder (1), Neuhold (1), Sproß (1), Kurch (1), Zetterman, Preller, Schikora

Schiedsrichter: Christian vom Dorff/Fabian vom Dorff (Kaarst)

Spielfilm: 3:0 (5.), 6:2 (8.), 7:6 (13.), 10:7 (16.), 10:10 (20.), 13:12 (28.), 14:13 - 14:15 (33.), 18:18 (40.), 20:20 (45.), 25:21 (50.), 29:23 (55.), 33:26

Zuschauer: 1000 (ausverkauft)

Siebenmeter: 2/4 - 2/3

Strafminuten: 6 (Carlsbogard, Suton, G. Guardiola) - 6 (Norouzi Nezhad, Zeman, Schröder)

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