Räumlich trennen Coburg und Kiel knapp 600 Kilometer. Sportlich trennen den HSC und den THW Kiel Welten. Am Samstagabend war das mehr als offensichtlich. Der Rekordmeister siegte gegen den Aufsteiger mühelos mit 41:26 (22:13) und fügte dem HSC nach dem 27:42 im Dezember 2016 gegen den SC Magdeburg die höchste Niederlage seiner Bundesliga-Geschichte zu.

Die Mannschaft von Trainer Filip Jicha spielte 48 Stunden zuvor noch in der Champions-League gegen den FC Barcelona und kassierte eine empfindliche 26:32-Niederlage. Vielleicht hatten die Kieler Wut im Bauch und waren zusätzlich motiviert. Auf der Gegenseite hatte der HSC nach we vor Personalsorgen und musste neben Drasko Nenadic, Jakob Knauer und Max Preller auch auf Pouya Nezhad Noruzi verzichten.

Die Gäste um Trainer Alois Mraz hielten eine Viertelstunde mit, dann entwickelte sich ein besseres Trainingsspiel für die Hausherren. Nach einem 2:4-Rückstand (6.) hielt Coburg beim 4:4, 6:6 und 7:7 (11.) die Begegnung ausgeglichen. Mit einem 4:0-Lauf zog der THW erstmals auf vier Treffer davon (11:7) und Mraz reagierte mit der ersten Auszeit - gebracht hat die aber nichts.

Kiel drehte nun auf, nutzte jeden Coburger Fehler zu schnellen Toren und schraubte das Ergebnis Stück für Stück in die Höhe. Über 14:9 (18.) und 18:9 (20.) führte der amtierende Meister beim 20:10 (27.) bereits im ersten Durchgang mit zehn Treffern. Der HSC, der nach wie vor ersatzgeschwächt ist, hatte im Angriff eine schwache Quote und traf im ersten Abschnitt nur 12 von 29 Versuchen.

Und die Abwehr? Die machte es dem Kieler Starensemble in vielen Situationen zu einfach. Mit einem 13:22-Rückstand ging es in die Kabinen. Besser wurde es nach der Halbzeitpause aber nur bedingt. Coburg rieb sich im Angriff - meist erfolglos - auf und kassierte Gegentor um Gegentor. Beim 34:18 durch Rune Dahme (48.) sah es gar nach einer historischen Klatsche aus.

Und so musste sich der Aufsteiger an Kleinigkeiten erfreuen: das zweite Saisontor von Youngster Felix Dettenthaler etwa oder die drei Paraden des dritten Torwarts, Fabian Apfel. Mraz nutzte das klare Resultat, um etwa Sproß auf der Mitte und Billek, weil sich mit Pontus Zetterman der nächste Spieler verletzte, auf der Halbrechten zu probieren. Immerhin: Der HSC entging der höchsten Niederlage seiner Bundesliga-Geschichte, das dürfte die Stimmung aber kaum aufhellen.

HSC Coburg: Apfel, Kulhanek, Poltrum - Nezhad, Sproß (1), Billek (6), Zetterman (1), Varvne (4), Schikora (4), Dettenthaler (1), Kurch (1), Zeman (5), Schröder (2), Neuhold (1)