Er wollte den Rückstand auf das rettende Ufer verkürzen und kassierte einen herben Rückschlag im Kampf um den Klassenerhalt. Handball-Bundesligist HSC Coburg kam beim direkten Konkurrenten HBW Balingen-Weilstetten mächtig unter die Räder - obwohl es in den ersten 30 Minuten gut aussah.

Bundesliga

HBW Balingen-Weilstetten - HSC Coburg 34:26 (14:13)

14 Tore in 15 Minuten, wenige technische Fehler und mancher Trick in die Zauberkiste: Vor dem Spiel zwischen dem HBW Balingen-Weilstetten gegen den HSC 2000 Coburg wurde ein Abwehrkampf erwartet. Die Realität sah anders aus. Zwar fanden die beiden Torhüter - Balingens Meik Jensen und Coburgs Konstantin Poltrum - gut in die Partie, doch danach dominierten die Angriffsreihen. Während sich die Gäste vor allem aus dem Rückraum und über den Kreis versuchten, baute Balingen auf seinen Rückraum-Kanonier Zlatan Lipovina und den pfeilschnellen Linksaußen Tim Nothdurft.

Vier der ersten sechs Balinger Treffer gingen auf das HBW-Duo, beim HSC waren der nach wie vor überragende Tobias Varvne und Kreisläufer Stepan Zeman die Taktgeber. Nach 25 Minuten war Coburgs schwedischer Regisseur bei fünf Versuchen fünf Mal erfolgreich und maßgeblich dafür verantwortlich, dass die Mannschaft von Trainer Alois Mraz den besseren Eindruck hinterließ.

Bis Minute 18 verlief die Begegnung meist im Rhythmus "Tor Coburg - Tor Balingen".

Keine der beiden Mannschaften setzte sich zunächst ab - weil beide Teams verhältnismäßig wenig Fehler machten. Bis kurz vor der Halbzeit ließ der HSC nur drei freie Würfe liegen: Linksaußen Milos Grozdanic scheiterte bei einem Gegenstoß, wenig später bei einem Siebenmeter an Jensen und Kreisläufer Dominic Kelm scheiterte nach guten Zuspiel von Pontus Zetterman ebenfalls am HBW-Torwart.

HSC mit zwei Toren vorne

Auf der Gegenseite parierte HSC-Torwart Konstantin Poltrum zwei Siebenmeter und den sehenswerten Kempa-Versuch von Nothdurft. Die Folge: Beim 10:8 durch Florian Billek führten die Gäste erstmals mit zwei Treffern (18.), zwei Minuten später traf Coburgs Torjäger mit einem Wurf ins leere Tor zum 11:9 (20.) - Auszeit HBW. "Wir müssen das Zentrum besser verteidigen", forderte Balingens Trainer Jens Bürkle. Zu viele Tore kassierten die Hausherren vom Kreis und aus dem Rückraum, monierte Bürkle.

Seine Mannschaft hatte offensichtlich gut zugehört. Denn: Langsam kamen die "Gallier" besser ins Spiel. Jonas Schoch stellte beim 13:13 den Ausgleich her (28.), und Kristian Beciri brachte den HBW kurz vor dem Seitenwechsel erstmals nach dem 3:2 (6.) wieder mit 14:13 in Führung (30.). Eine nach dem Spielverlauf etwas überraschende Halbzeitführung. Doch aus Sicht der Gastgeber sollte es noch besser kommen.

HBW mit Dampf aus der Kabine

Bürkle hatte in der Kabine scheinbar die richtigen Worte gefunden. Der HBW kam mit mächtig Dampf aus der Kabine, während der HSC völlig von der Rolle war. Mit einem 7:2-Lauf in knapp acht Minuten gaben die Balinger dem Spiel eine irre Wende - 21:15 nach acht Minuten. HSC-Trainer Alois Mraz reagierte sofort und wollte den Balinger Sturmlauf mit einer Auszeit unterbrechen. Von Erfolg gekrönt war Mraz" Maßnahme aber nicht - im Gegenteil.

Die "Gallier" fegten weiterhin über den HSC hinweg, feuerten in 17 Minuten den Ball 13 Mal ins Coburger Tor. Tor um Tor bauten die Hausherren ihren Vorsprung aus. 23:17, 25:18, 27:19, 29:20 - für den Aufsteiger deutete sich eine wahre Klatsche an. Und das in einem "Vier-Punkte-Spiel" um den Klassenerhalt. "Wir haben in der ersten Halbzeit so gut gespielt und in der zweiten Hälfte Kopf und Geduld verloren", sagte nach dem Spiel Coburgs bester Mann, Tobias Varvne, am "Sky"-Mikrofon. Statt auf zwei Punkte an die Balinger heranzukommen, haben die Coburger sechs Punkte Rückstand. Der Klassenerhalt rückt in weite Ferne.

HSC Coburg: Kulhanek (12 Gegentore/1 Parade), Poltrum (24 Gegentore/7 Paraden); Sproß (1), Kelm, Nenadic (2), Billek (8/5), Mustafic, Zetterman (4), Varvne (7), Schikora, Dettenthaler, Zeman (3), Grozdanic, Schröder (1), Neuhold