Nicht alltäglichen Besuch hatten die Coburg Cobras, die regelmäßig in der Sonneberger Schlittschuhhalle Eishockey spielen. Beim wöchentlichen Freitagstraining kreuzte die Fußball-Mannschaft des Bezirksligisten FC Coburg auf und wagte sich für zwei Stunden mit auf das ungewohnte Terrain.

Wintersport pur im Trainingslager

In der Heimspielstätte der Cobras durften die Kicker mittrainieren. Im Rahmen ihres Wintertrainingslagers im verschneiten Thüringer Wald organisierten die befreundeten Klubs eine gemeinsame Übungseinheit. "Das war mal was anderes. Die haben sich gar nicht so dumm angestellt", sagt Klaus Langbein. Der Coach der Cobras leitete das etwas andere Training souverän.
Dabei packte der Übungsleiter nicht wie üblich seine kleinen Hartgummischeiben aus, sondern brachte einen Eimer Tennisbälle mit.
"Die Pucks sind für die Fußballer viel zu gefährlich, schließlich war nicht jeder Spieler war für das Eishockeyspielen ausgerüstet.

Tennisbälle statt Pucks

Ganz wichtig vor dem Training wäre nämlich das Anlegen der Schutzkleidung gewesen, zu der neben dem Helm, Schulter-, Brust und Knieschonern auch ein Suspensorium (Schutz des Geschlechtsteils) gehört. Für die Fußballer reichte das Equipment allerdings nicht aus. Ein paar Schienbeinschoner da, ein Ellenbogenschützer dort - das war es aber dann auch schon. Nur gut, dass die Cobras nichts ernst machten.
"Trotzdem machte das ganze Sinn", wie FCC-Kapitän David Reich bemerkte. Es wurde auf dem Eis fleißig gekreuzt und hinterlaufen. Taktische Maßnahmen, die auch auf dem Fußballfeld ihre Daseinsberechtigung haben. Die Cobras kennen ihre Laufwege blind, sind toll aufeinander abgestimmt.

Taktische Raffinesse

Das ist durchaus bemerkenswert, denn immer wieder kommen neue Spieler zum Eishockey. Die Cobras haben einen guten Zulauf. "Viele haben ganz einfach Bock auf die schnellste Mannschaftssportart der Welt. Da kommen Leute zu uns und wollen mitmachen", freut sich der aus Neustadt stammende Langbein, der bereits vor Jahren bei den Neustadter Panthers der Scheibe hinterher jagte und als Jugendlicher mit großer Begeisterung Feldhockey im Neustadter Freizeitzentrum spielte.
Im Team des Eisportverein Coburg spielen aber nicht nur Jungs aus dem Landkreis Coburg, sondern auch einige aus dem Franken- und Thüringerwald. Eishockeyspieler aus den Kreisen Kronach und Sonneberg. Und sogar ein ehemaliger Spieler aus Kasachstan ist mit auf dem Eis:

Top-Scorer aus Kasachstan

Vladimir Klaus, mit 14 Toren und 6 Assists vor Stefan Grau (8/4) und Florian Schneider (7/5) nicht nur der Top-Scorer der Cobras, sondern auch der Verantwortliche für die Eisfläche in der Sonneberger Halle.
Der ehemalige Ligaspieler mit russischen Wurzeln ist einer der ältesten im Team, fegt aber immer noch blitzschnell übers Eis und versenkt den Tennisball im 1,22 auf 1,83 Meter kleinen Kasten nahezu mühelos.
Michael Jakob und Sertan Sener vom FCC haben dagegen Probleme sich überhaupt auf der glatten Oberfläche zu behaupten - von Gegenspielern ist in diesen wackligen Momenten keine Spur. Doch die Kicker aus der Vestestadt haben auch einen Experten dabei: Michael Jocher kann mühelos mit den "Cobras-Profis" mithalten. "Der hat schon öfters gespielt. Der Junge ist klasse", lobt selbst der strenge Langbein an der Bande den "Fremdläufer". Rückwärtsfahren, Slalomkurven und platzierte Abschlüsse - für Jocher alles kein Problem. Neben Torschussübungen und Passkombinationen durften die 16 Gastspieler auch Goalie Kamil Wolny prüfen und überzeugten sich davon, dass der "Hexer" außergewöhnlich gute Reflexe hat. Auch am Bullykreis, sozusagen dem "Anstoß" beim Eishockey, hinterließen die Kicker im abschließenden Acht-gegen-Acht quer über ein Drittel der Spielfläche einen starken Eindruck.
Nur die Fäuste flogen nicht, was beim Eishockey auch nichts Ungewöhnliches wäre. Denn die Atmosphäre zwischen Eishockey- und Fußballspielern war freundschaftlich: "Es war ein unvergesslicher Abend in der Sonneberger Eishalle", hieß es nach der Einheit mit den Fußballern, die sich zum Cool-Down schnell ins Sonneberger Hallenbad verabschiedeten. Schließlich stand am nächsten Tag eine anstrengende, knapp 20 Kilometer lange Langlauftour vom Steinacher Silbersattel ins verschneite Rabenäußig im Hinterland von Mengersgreuth-Hämmern auf dem Programm.

Härtetest endet 4:4

Und auch für die knapp 30 ehrgeizigen Cobras ging es anspruchsvoll weiter: Einen Tag nach dem Treffen mit den Kickern kam es zu einem Härtetest gegen Hütte Ettleben. Das spannende Testspiel endete leistungsgerecht 4:4.
Am Freitag ging es dann selbst ins Trainingslager ins österreichische Silian, wo mehrere Trainingseinheiten und ein Testspiel ausgetragen wurden. Ob es zu einem Gegenbesuch der Cobras im Sommer bei den Fußballern kommt, steht noch nicht fest.