Gegen die HSG Nordhorn-Lingen verspielte der HSC Coburg den ersten Saisonsieg. Gegen den SC Magdeburg schnupperte er lange an seinen ersten Zählern. In einigen weiteren Begegnungen, wie etwa bei der TSV Hannover-Burgdorf, hielt der Aufsteiger bis in die Schlussphase mit. Nun war es so weit. Am elften Spieltag hatte der HSC zum ersten Mal Grund zum Jubeln. Bei der MT Melsungen zeigten die Coburger eine überzeugende Vorstellung (32:25) und sendeten im Abstiegskampf ein Lebenszeichen.

Das Gefühl, dass in Kassel die Durststrecke enden könnte, hatte HSC-Geschäftsführer Jan Gorr schon zu einem frühen Zeitpunkt. Der HSC war von Beginn an gut im Spiel und legte, wie zuvor beim Bergischen HC, einen starken 4:1-Start hin. "Es war über 60 Minuten eine stabile Leistung. In solchen Spielen kommt es ja immer wieder vor, dass man irgendwann Angst vor dem Gewinnen und Nervenflattern bekommt. Das war bei uns nicht der Fall", sagte Gorr. Mit welcher Ruhe und Abgeklärtheit die Mannschaft von Trainer Alois Mraz bei der MT Melsungen auftrat, imponierte. Selbst als die mit Nationalspielern und internationaler Erfahrung gespickte MT nach der Pause ausglich, wendete sich das Blatt nicht. Die Oberfranken spielten so, wie man es eher von den Nordhessen erwartet hätte. Doch die enttäuschten auf ganzer Linie.

Coburg kämpft, Melsungen nicht

"Ich habe die richtige Einstellung, das Feuer und die Leidenschaft nicht gesehen heute", kritisierte MT-Trainer Gudmundur Gudmundsson die Vorstellung seiner Mannschaft. Der Däne bestätigte den Eindruck, den der Zuschauer an den Bildschirmen bekam. Auf der einen Seite eine aufopferungsvoll kämpfende Mannschaft, auf der anderen Seite ein hoch gehandeltes Team, das alles schuldig blieb. Dass die Coburger Einstellung eine bessere als die der Melsunger war, ist aber nur ein Grund für den Auswärts-Coup.

Der Hauptgrund lag im deutlich verbesserten Positionsspiel des HSC. Mraz fand gegen die groß gewachsene MT-Abwehr, bei der Finn Lemke wegen Corona-Nachwirkungen fehlte, die richtigen Mittel. Der agile Rückraum hebelte die "Melsunger Riesen" immer wieder aus. Viel wichtiger war aber die verbesserte Abschlussquote. Der HSC kam auf eine Trefferquote von 66,7 Prozent. In den zehn Spielen zuvor kamen die Coburger im Durchschnitt nur auf 54 Prozent. "Der Angriff war diesmal so effektiv, dass mancher Schnitzer in der Abwehr nicht ins Gewicht fiel", sagte Gorr.

Nicht alles war gut

So überzeugend die Coburger beim ersten Saisonsieg spielten, in Teilbereichen müssen sie sich in den "Wochen der Wahrheit" steigern. Vor allem mit dem von Linksaußen einlaufenden Yves Kunkel hatte die HSC-Abwehr Probleme. Schwächen, die Coburg abstellen muss, wenn es vor Weihnachten weiter punkten will. Es geht gegen Frisch Auf Göppingen (8.), die direkten Konkurrenten TuSEM Essen (19.), Eulen Ludwigshafen (18.) und Tabellenführer Rhein-Neckar Löwen. Zwei Spiele davon muss der HSC gewinnen.