Eine knappe Woche vor dem mit Spannung erwarteten fränkischen Handball-Derby in der 1. Bundesliga hat der HSC 2000 Coburg personelle Weichen für die Zukunft gestellt - unter anderem mit einem Erlanger Spieler. Am Dienstag berichtete das Tageblatt bereits über das Coburger Interesse an Jan Schäffer, am Freitagmittag machte der Klub die Verpflichtung des 30-jährigen Kreisläufers für die neue Saison perfekt. Ein Wechsel, der die "Tradition" der vielen Wechsel zwischen den rivalisierenden Mittel- und Oberfranken fortsetzt. Schäffer ist nach Kapitän Andreas Schröder der zweite Ex-Erlanger in der Vestestadt, beim HCE stehen mit Nico Büdel, Benedikt Kellner und Max Jaeger drei ehemalige Coburger im Kader.

Neun Jahre jünger ist die zweite Neuerwerbung, U21-Nationalspieler Merlin Fuß, der nach der Saison vom Zweitligisten TV Hüttenberg nach Coburg wechseln wird. Mit Jakob Knauer wird der 21-Jährige ein junges, dynamisches Duo auf der rechten Rückraumposition bilden. Der Schwede Pontus Zetterman wird den HSC 2000 dagegen nach drei Spielzeiten im Sommer verlassen.

Zweitbester Scorer beim TV Hüttenberg

Die guten Kontakte von Geschäftsführer Jan Gorr und Trainer Alois Mraz nach Hüttenberg dürften sicher einer der Gründe gewesen sein, warum sich der talentierte Fuß, auf den unlängst U21-Bundestrainer Martin Heuberger aufmerksam geworden ist, für das Coburger Programm entschieden hat. "Ich hoffe darauf, dass ich mich sportlich, aber auch persönlich weiterentwickeln kann.Gleichzeitig danke ich Hüttenberg für die letzten fünfeinhalb Jahre und das in mich gesetzte Vertrauen", sagt Fuß und ergänzt: "Die Aussicht, nun nach den tollen Hüttenberger Fans auch die Coburger Anhänger in der HUK-Arena kennenzulernen, ist eine große Motivation für mich."

Mit 46 Toren und 22 Assists in 14 Partien ist der 21-Jährige aktuell zweitbester Scorer des Tabellen-15. der 2. Liga. "Ich freue mich, dass wir Merlin von unserem Coburger Weg überzeugen zu konnten und im nächsten Jahr ein total junges und hungriges Duo auf Rückraum Rechts haben werden", sagt Geschäftsführer Gorr. Den Weg mit zwei jungen Spielern auf der rechten Rückraumposition geht auch Trainer Mraz gerne mit: "Merlin ist als Junioren-Nationalspieler ein sehr ehrgeiziger Spieler, der sich bei uns weiterentwickeln möchte. Er hat seine Stärken in der Abwehr im Eins-gegen-Eins, im Angriff verfügt er bereits über einen guten Wurf, auch mit Abwehrkontakt."

Platz machen für den 21-jährigen Deutschen wird im Sommer der 27-jährige Schwede Pontus Zetterman. "Ich danke Pontus sehr für seinen Einsatz für uns, gerade in dieser Saison ist er nach dem Ausfall von Jakob Knauer extrem belastet und gibt in jedem Spiel alles. Ich wünsche ihm und seiner Familie jetzt schon von Herzen alles Gute für die Zukunft und freue mich auf die restliche Saison mit ihm."

Ein waschechter Franke

Hochbelastet ist aktuell nicht nur Zetterman im Rückraum, sondern aufgrund des noch coronabedingten Ausfalls von Justin Kurch auch die Coburger Kreisläufer. Für Stepan Zeman, der den HSC nach der Saison Richtung Gummersbach verlassen wird, ist nun ein Nachfolger gefunden. Schäffer ist in der Region nach seinen Stationen in Rimpar und Erlangen kein Unbekannter. Schon oft kreuzten sich die Wege in vielen Derbys.

Gorr freut sich sehr als Zeman-Ersatz einen waschechten Franken verpflichten zu können: "Jan ist ein Spieler, der mit wahnsinnig viel Engagement und Leidenschaft zur Sache geht. Ich erhoffe mir damit neben seinen sportlichen Qualitäten in Abwehr und Angriff auch einen emotionalen Input, der unserem Team gut tun wird. In der Deckung besticht er zudem durch seine Flexibilität, durch die er sowohl auf Halb als auch im Abwehr-Mittelblock einsetzbar ist."

Der HC Erlangen hatte den Abgang von Schäffer bereits vor knapp drei Wochen kommuniziert. Unter anderem mit der Begründung, dass für Schäffer Erstliga-Handball und sein Beruf nicht mehr in Einklang gebracht werden können. Erstliga-Handball haben die Coburger für die nächste Saison noch nicht aufgegeben, aber Schäffer anscheinend eine interessante Perspektive gegeben. "Die Möglichkeit, die mir der HSC und die Firma Wöhner bieten, nämlich Handball und meinen späteren Beruf als Ingenieur miteinander zu verknüpfen, macht das Projekt für mich ideal", so der 30-Jährige. Auch sportlich hat Schäffer klare Vorstellungen. "Kämpfen bis zum Schluss und Willenseinsatz sind dabei Eigenschaften, die mir auf den Leib geschneidert sind, und mit denen ich meinen Teil zum Erfolg beitragen möchte." Eigenschaften, die Coach Mraz nur bestätigen kann. "Jan ist ein Kämpfer mit viel Erfahrung. Er hat am Kreis eine sehr gute Technik und kann uns in der Abwehr auch emotional sehr helfen."