Fans liegen sich in den Armen. Stimmgewaltig schmettern sie den Evergreen "Sweet Caroline" von Neil Diamond. Sie feiern sich und ihre Mannschaft. Sport verbindet, Sport transportiert Emotionen. Das wollten die Verantwortlichen des HSC 2000 Coburg zeigen, als sie am Ende der Pressekonferenz am Freitag einen kurzen Videoclip abspielten. Und sie wollten sagen: Ohne Fans fehlt dem Sport ein elementarer Bestandteil.

Ganz so ausgelassen wird es in der Coburger HUK-Arena vorerst aber nicht zugehen. Zwar steht die Rückkehr der Zuschauer in die Hallen und Stadien der Profiklubs bevor, allerdings unter strengen Richtlinien und Hygienemaßnahmen. Wie der Spielbetrieb mit Zuschauern beim Bundesliga-Aufsteiger aussehen soll, darüber gaben Geschäftsführer Jan Gorr und Annika Brüning-Wolter,zuständig für die Organisation der Heimspiele, Auskunft. "Für den Profisport ist die Rückkehr der Fans eine gute Nachricht", sagte Gorr. Seit Dienstag ist bekannt, dass für eine sechswöchige Testphase 1000 Zuschauer beziehungsweise 20 Prozent der Kapazität erlaubt werden. Nun stellte der HSC 2000 Coburg sein detailliertes Hygiene- und Betriebskonzept vor.

Die HUK-Arena, die 3500 Zuschauer fasst, wird in vier Zonen unterteilt. Jeder Zone ist eine eigene Parkzone zugewiesen. "Alle Bereiche sind baulich voneinander getrennt. Das erleichtert die Nachverfolgung der Kontakte", erklärt Brüning-Wolter. Damit sich Zuschauerwege nicht kreuzen, wird in der Arena ein Einbahnstraßensystem eingeführt. "Das oberste Schutzziel für unsere Besucher ist, dass Kontakte mit Personen, die nicht aus einem Haushalt sind, minimiert werden", sagt Gorr. Die Verantwortlichen sind von ihrem Konzept, das seit 14 Tagen den Behörden vorliegt, überzeugt. "Wir sind in Vorleistung gegangen." Mit einer endgültigen Freigabe durch das zuständige Gesundheitsamt rechnet der HSC in den nächsten Tagen.

"Wir haben positive Signale bekommen", sagt Gorr. Warum die Coburger so optimistisch sind? In der HUK-Arena ließen sich die Hygienevorschriften sehr gut umsetzen. "Unsere Halle hat viele Vorteile", ergänzt Brüning-Wolter. Neben der Aufteilung in vier voneinander getrennten Zonen, die jeweils über eigene Verpflegungsstationen und Sanitäranlagen verfügen, sei das die gute Belüftungsanlage. "In fünf Minuten können wir für einen kompletten Frischluftaustausch sorgen", sagt Brüning-Wolter. Es gibt aber auch Einschränkungen.

"Wir können nicht versprechen, dass jeder den Platz, den er vielleicht seit Jahren hat, geben können", bittet Gorr um Verständnis. Bei der Ticketvergabe genießen Dauerkartenbesitzer und VIP-Gäste Vorrang, Gäste-Fans sind außen vor und wer Erkältungs-Symptome hat, wird gebeten, nicht in die Halle zu kommen. Eine Abendkasse wird es nicht geben. Am Platz kann der Mund-Nase-Schutz abgenommen werden, ansonsten gilt Maskenpflicht. "Alle Tickets sind personalisiert und werden stichprobenartig überprüft. Dadurch ist eine exakte Nachverfolgung möglich. Wer die Karte an eine andere Personen übertragen will, muss im Vorfeld bei der Geschäftsstelle anrufen", erklärt Gorr. Der HSC-Geschäftsführer ist froh, dass die Zuschauer teilweise in die Hallen zurückkehren können. Er gibt aber zu bedenken: "Auf Dauer lässt sich eine Saison mit 1000 oder 1250 Zuschauern nicht finanzieren." Um die Kosten zu deckeln, sei ein Zuschauerschnitt von 2500 bis 2700 nötig, schließlich würden die Ticketerlöse einen sechsstelligen Betrag im Etat ausmachen. Die Teil-Öffnung sehen die Coburger als ersten Schritt zurück in die alte Normalität. "Wir wollen sukzessive die Zuschauerzahlen steigern", sagt Gorr. In ihrem "dynamischen und flexiblen Konzept" haben die HSC-Verantwortlichen auch Lösungen für die verschiedenen Pandemie-Level präsentiert. Sollte sich das Infektionsgeschehen verschärfen und der kritische Wert über 35 Neuinfektionen pro Woche pro 100 000 Einwohner steigen, plant der HSC dennoch mit 750 Zuschauern in der Arena. "Dann würde nur jede zweite Reihe besetzt werden", sagt Brüning-Wolter, die anhand einer Grafik zeigte, wie die Plätze künftig belegt werden.

Sitzplätze versetzt angeordnet

"Es wird eine versetzte Anordnung an freien und gesperrten Plätzen geben. Die genaue Aufteilung richtet sich nach der Anzahl an Personen aus einem Haushalt." Neben dem Videoclip präsentiert der HSC auch eine Collage an Schlagzeilen der vergangenen Wochen. Der THW Kiel testet vor 999 Zuschauern, Melsungen darf über 2000 Fans begrüßen, war dort zu lesen. Nur in Bayern war das bis zuletzt nicht möglich. "Es geht und funktioniert. Und es soll auch in Coburg funktionieren", sagte Gorr. Was dafür fehlt? Die finale Zustimmung durch die Behörden.