HSC 2000 Coburg gegen HC Erlangen . Ist das ein richtiges Derby? Vielen Fans kommt bei der Beantwortung dieser Frage vor allem die Tradition zu kurz. Es gebe zu wenig Spiele, die in Erinnerung geblieben sind. Außerdem hinke der Vergleich, weil der HCE eine Nummer zu groß für den HSC sei. Deshalb sprechen Anhänger aus beiden Lagern lieber von einem Prestigeduell - eine Bezeichnung, die diesem Rivalenkampf der beiden einzigen fränkischen Erstligisten wohl eher gerecht wird.

Am Donnerstag um 19 Uhr ist es mal wieder so weit. In der HUK-Arena kommt es in der 1. Handball-Bundesliga zum direkten Duell. Sicher ein ganz besonderes, denn von Rivalität wird auf den Rängen und rund um den Coburger Sporttempel nichts zu spüren sein. Das "Geisterspiel" können die Fans nämlich nur am Bildschirm verfolgen (live bei Sky). Und dass sich eine Handvoll Funktionäre von beiden Seiten auf den nahezu gähnend leeren Rängen Wortgefechte liefert, ist in diesen Corona-Zeiten so unwahrscheinlich wie der erste Saison-Heimsieg der Gelb-Schwarzen. Ganz ohne Emotionen und Erinnerungen an vergangene "Derby-Tage" wäre es aber äußerst langweilig, deshalb blicken wir zurück.

Immer wieder Giftpfeile

Trotz der unterschiedlichen Ligazugehörigkeit beider Teams gab es immer wieder Scharmützel. Es flogen reichlich Giftpfeile von Mittel- nach Oberfranken - und umgekehrt. Egal ob sich die Fans verbale, aber auch handfeste Auseinandersetzungen leisteten, oder ob es beleidigende Wortfetzen auf Funktionärsebene waren - das Verhältnis war nie das beste. Zahlreiche Spielerwechsel von C nach E oder später auch von E nach C taten ihr Übriges.

Toiletten verwüstet

Bei den Duellen reisen die Gästefans größtenteils mit dem Zug an. 2007 verwüsten Erlanger Fans die Coburger Bahnhofstoiletten, bevor sie in Richtung Angerhalle ziehen. Die HSC-Anhänger revanchieren sich nur ein Jahr später, als sie im Umfeld der Karl-Heinz-Hiersemann-Halle in Erlangen Fassaden und andere Gegenstände mit Aufklebern und Graffiti beschmieren.

Rauchbombe gezündet

Am 17. Oktober 2015 droht die Lage zu eskalieren. Das Zweitliga-Spiel ist längst zugunsten des Gastgebers Erlangen entschieden, als einem Teil der über 400 Gästefans , die mit einem Sonderzug aus der Vestestadt angereist waren, die Sicherungen durchbrennen. Acht Minuten vor Schluss stürmen sie in Richtung Heimkurve, versuchen, die Erlanger Zaunfahne zu entwenden und zünden dort eine gelbe Rauchbombe. Eine Zuschauerin wird verletzt, eine Person aus Coburg später verurteilt.

USK-Beamte stoppen Fans

Nur ein Jahr später - am 10. Dezember 2016 - treffen die beiden Mannschaften in der 1. Liga in der Nürnberger Arena aufeinander. Die Coburger Fans versuchen trotz Verbot, eine große Choreo mit knapp 500 Fahnen in die Halle zu schmuggeln - der Versuch misslingt. Sie werden von Polizisten des Unterstützungskommandos (USK) gestoppt. Die Utensilien durften nicht in die Halle. Der Grund: Ein Jahr zuvor hatten HSC-Fans Bengalos im Block gezündet. Der HCE verschärfte deshalb die Einlasskontrollen und fuhr eine "Null-Risiko-Linie".

Schmähplakat an der A73-Ausfahrt

Beim bislang letzten Punktspiel der beiden Kontrahenten am 4. März 2017 werden die Erlanger in Coburg unschön begrüßt: Ein Schmähplakat hängt an der A73-Ausfahrt in Richtung Arena. In der Halle gehen die Sticheleien weiter: Die Coburger Ultras platzieren sich direkt hinter dem Gästeblock - Ordner, Security und Polizei haben größte Mühe, die Fanlager auseinanderzuhalten. Auf dem Feld landen die Coburger ihren bisher größten Sieg in Liga 1 - sie schlagen den Erzrivalen mit 30:28. Nach dem Spiel gehen die Fehden im Arena-Umfeld weiter. Die Polizei ist mit großem Aufgebot vor Ort, Ausschreitungen halten sich in Grenzen.

Wütend waren die Fans öfters auch auf die Hallensprecher, die sich den einen oder anderen Seitenhieb nicht verkneifen konnten. Der größte Fauxpas passierte bei der Anmoderation vor dem Derby am 10. Dezember 2016 in der Nürnberger Arena. Der Erlanger Hallensprecher wies auf die damals herrschenden Steuerprobleme des HSC hin und befeuerte damit die Stimmung vor mehr als 8000 Handballfreunden.

Die Stinkefinger-Affäre

Im Mittelpunkt der Rivalität standen aber nicht nur die Fans, auch Funktionäre zeigten immer wieder reichlich Emotionen und schossen teilweise übers Ziel hinaus. Während der damalige HSC-Geschäftsführer Steffen Ramer aufgrund harter Einlasskontrollen 2016 von einer "Vorverurteilung der HSC-Fans" sprach, schrieb Matthias Dietz , damals Aufsichtsratsvorsitzender der HSC GmbH und Co KG, auf der HSC-Facebook-Seite: "Die überbezahlte Söldnertruppe gewinnt gegen Leidenschaft." Damit nicht genug. Dass das Verhältnis zwischen den beiden fränkischen Erstligisten äußerst angespannt blieb, lag auch daran, dass das damalige HSC-Vorstandsmitglied Hakan Balkan öffentlich den Stinkefinger Richtung HC-Spieler zeigte und Coburgs Fans Leuchtstoff-Raketen in und vor der Nürnberg Arena zündeten.

Bissel-Interview in der Süddeutschen Zeitung

Eine neue öffentliche Dimension erlangte die Rivalität zwei Jahre später. Auslöser war ein Interview in der Süddeutschen Zeitung von Erlangens Aufsichtsratsvorsitzendem Carsten Bissel . Darin kritisierte er den HSC im Zusammenhang mit einer "Etat-Neid-Diskussion" im Allgemeinen und Coburgs Trainer Jan Gorr ganz besonders. Bissel sprach unter anderem von "Gorrs unfassbarem Misserfolg" in Coburg .