So richtig hat sich das wohl keiner gewünscht: Im letzten Spiel vor Weihnachten in der Basketball-Liga ProB Süd erwartet den BBC Coburg bei Tabellennachbar Depant Gießen 46ers Rackelos am Sonntag (18 Uhr/live auf YouTube) eine Wundertüte. Denn bei den Gießenern ging es in dieser Woche turbulent zu: Nachdem die Erstliga-Mannschaft der 46ers am Dienstag gegen Weißenfels verlor, musste Cheftrainer Ingo Freyer einen Tag später gehen und wurde durch Rolf Scholz ersetzt.

Der war bislang Trainer der Rackelos, so dass nun der ProB-Mannschaft der Coach fehlte. Doch schnell war Ersatz gefunden: Für den Polizeibeamten übernehmen Ivica Piljanovic, der bislang die Gießener Mannschaft in der U19-Bundesliga NBBL trainierte, sowie Lutz Mandler.

Der ehemalige Erstliga-Profi war bis zum Sommer Assistenztrainer von Scholz, verließ den Klub dann aber und wurde nun gestern an seinem 44. Geburtstag als Interimscoach seiner alten Truppe vorgestellt.

Es ist die bislang letzte Entscheidung in einer nicht gerade kurzen Sammlung von Personalrochaden in der laufenden Spielzeit bei den Mittelhessen. So war mit Ike Smith ein Rookie vom College als US-Import geholt worden, der aber frühzeitig wieder gehen musste.

Für ihn kam mit Jeril Taylor ein alter Bekannter, der bei seinem letzten Engagement in Gießen sogar den dauerhaften Sprung in die BBL-Mannschaft geschafft hatte. Ebenso allerdings wie der Franzose Alexandre Doche verließ Taylor die 46ers vor zwei Wochen aus persönlichen Gründen wieder.

Nun ist mit dem 33-Jährigen Donte Nicholas ein Zweitliga-erfahrener Profi geholt worden, der zuletzt bei den Rostock Seawolves in der ProA spielte. Als wäre das nicht genug, fehlt auch Ferdinand Zylka. Der Flügelspieler war im Sommer vom Mitteldeutschen BC an die Lahn gekommen, wo er, wie zuvor in Sachsen-Anhalt, in der BBL und der ProB auflaufen sollte.

Zylka zeigt seine Zauberkünste

Doch die neuen Regularien zum Einsatz von Doppellizenzspielern, in Coburg nur zu gut bekannt, sorgten für die Entscheidung: Zukünftig zeigt Zylka seine Zauberkünste am Ball nur noch in der BBL. Dass die Rackelos (das Wort bedeutetet in der manischen Sprache so viel wie Jungs oder Jugendliche) aber dennoch viel Qualität besitzen, ist offenkundig.

Mit Johannes Lischka kann sich Mandler auf einen ehemaligen A-Nationalspieler verlassen, der mit 22,6 Punkten und 10,0 Rebounds pro Spiel ohne Zweifel zum Besten gehört, was die ProB zu bieten hat. Mit Tim Uhlemann, der ebenfalls 22,6 Zähler pro Spiel erzielt und zuletzt beim Sieg über den FC Bayern II mit 33 Punkten eine neue persönliche Bestleistung aufstellte, hat Lischka einen kongenialen Partner unter dem Korb. Beide sind sowohl am Brett als auch aus der Distanz gefährlich.

Auf den kleinen Positionen sind es vor allem Tim Köpple und Sebastian Brach, auf die geachtet werden muss. Die beiden ehemaligen Juniorennationalspieler sind gemeinsam für 16,6 Punkte und 5,2 Assists pro Spiel gut. "Im letzten Jahr haben wir es gut geschafft, die Gießener unter Kontrolle zu halten", erinnert sich Coburgs Cheftrainer Valentino Lott gerne an die beiden Siege in der vergangenen Spielzeit zurück.

"Bei Lischka ist natürlich noch ein Jahr Erfahrung dazu gekommen, und Uhlemann merkt man seine gute Entwicklung an. Es ist wichtig, dass wir gegen beide physisch zu Werke gehen. Am Ende sind wir aber auch zu fünft auf dem Spielfeld, da müssen wir uns gegenseitig helfen." Für den Headcoach der Coburger, der auf seinen kompletten Kader zurückgreifen kann, ist das Bild der Gießener übrigens recht klar: "Man weiß sehr genau, wer bei Gießen dabei sein wird. Das einzige Fragezeichen war der Trainer, aber das ist nun auch geklärt. Wenn es nun also nicht noch irgendwo spontane Ausfälle gibt, wissen wir genau, was uns erwartet."

So ist das Spiel für Lott keine Wundertüte - doch klar ist auch, dass Coburg so kurz vor Weihnachten keine Geschenke verteilen will. Die BBC-Fans können auch dieses Spiel aus der Ferne miterleben: Die Gießener streamen die Partie auf dem YouTube-Kanal der 46ers.mv