Ben Salden ist auf 180. "In der nächsten Woche ist Valentinstag und ich habe Waren für Tausende von Euro bestellt. Und jetzt wollen die ab Montag hier die Straße sperren", schimpft er. Der Blumenhändler hat, wie seine Nachbarn auch, durch Zufall davon erfahren, dass die Webergasse von Montag, 11., bis Mittwoch, 20. Februar, voll gesperrt wird. Eine offizielle Mitteilung gab es nicht - lediglich ein Schreiben der Wohnbau, dass Maßnahmen ergriffen werden, um die Anwohner des Parkhauses Mauer vor dem Lärm zu schützen, der durch die Bauarbeiten dort auftritt. Vor allem eine Saugpumpe strapaziert die Nerven der Nachbarn. Sie wird gegen eine etwas leisere ausgetauscht und Container zwischen Pumpe und Nachbaranwesen als eine Art Schutzwand aufgestellt. Dazu braucht es Platz in der Webergasse. Deshalb die Sperrung.
Aber davon ist in dem Anschreiben nicht die Rede.

"Hätte man uns eher darüber informiert, dann hätten wir uns darauf einstellen können", sagt Ben Salden. Er hat gestern durch einen Arbeiter, der Parkverbotsschilder weggeräumt hat, von der Straßensperrung erfahren. Und ab Freitagmittag sei im Ordnungsamt niemand mehr zu erreichen gewesen. "Der Valentinstag ist der wichtigste Tag im Jahr für uns. Wir haben Werbung gemacht, der Lieferant kommt am Montag. Der große Lkw hat auch unter normalen Umständen schon Schwierigkeiten, in die Webergasse zu kommen." Ben Salden ist ratlos und fürchtet um sein Geschäft.

Vor zwei Monaten gab es schon einmal eine Sperrung - nur für einen Tag. Selbst das sei schon ein großer Verlust gewesen. Aber eine ganze Woche...!
Auch seine Nachbarin, Tanya Fischer, ist aufgebracht. "Wer bei uns Bilder kauft oder rahmen lässt, kann sie nicht durch die halbe Stadt tragen." Und die Türen und Fenster, die sie zur Reparatur da hat, müssen auch transportiert werden. "Wo sollen wir sie einladen, wenn hier gesperrt ist?" Es sei jetzt schon schwierig. Weil die Fahrbahn durch die Baugeräte vor dem Parkhaus stellenweise recht eng geworden ist, führen einige Autos über den Bürgersteig. "Da bleibt kein Mensch mehr vor dem Schaufenster stehen." Aber das ist für das Geschäft von Tanya Fischer von essenzieller Bedeutung.

Michael Hirsch findet, dass die Informationspolitik der Stadt katastrophal ist. Auch er ist darauf angewiesen, dass Kunden vor sein Geschäft fahren können. Für ihn hat das Ganze System: "Wie es uns Einzelhändlern geht, ist denen doch völlig egal."

Verwirrung um exakte Regelung

Stadtpressesprecher Michael Selzer gibt auf Tageblatt-Anfrage Entwarnung. "Die Sperrung betrifft nur den Durchgangsverkehr. Für den Lieferverkehr und die Anlieger bleibt die Einfahrt frei", sagt er. Und Kunden, die zum Blumenladen oder zu den anderen Geschäften fahren wollen, gelten als Anlieger. Die Mitarbeiter des Ordnungsamt seien wohl davon ausgegangen, dass sie deshalb keine gesonderte Mitteilung an die Einzelhändler schicken müssen.

Aber wie kommen Anlieger und Lieferanten aus der Webergasse wieder heraus? Da verweist Michael Selzer auf den Schleichweg durch die Walkmühlgasse. Doch das sollte tatsächlich nur denen vorbehalten bleiben, die dringend in die Webergasse fahren müssen.