Hähnlein hatte in einer privaten E-Mail-Antwort im Zusammenhang mit Ruggaber von der "Vergewaltigung Minderjähriger" gesprochen. Diese Mail war kurz darauf bis zu Ruggaber gelangt, der seinen Anwalt eingeschaltet hatte. Hähnlein betonte, dass er die Formulierung nicht als offizieller Vertreter der Linken oder als Stadtratsmitglied gebraucht habe. Ruggaber hatte im August 2014 eingeräumt, Sex mit einem männlichen Prostituierten gehabt zu haben, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht volljährig war. In diesem Fall spricht das Gesetz von sexuellem Missbrauch. In der Folge hatte er einen Strafbefehl über 90 Tagessätze akzeptiert. Damit gilt Ruggaber nicht als vorbestraft.

Er wollte auch sein Stadtratsmandat behalten, trotz Rücktrittsforderungen - auch aus den eigenen Reihen. Doch offiziell hielt die SPD zu Ruggaber. Dann traten aber am 13. Februar drei SPD-Mitglieder aus der Fraktion aus und schlossen sich mit Hähnlein zusammen, der auch Vorsitzender der neuen Fraktion namens "Sozial und bürgernah für Coburg" (SBC) wurde.

Schon damals habe er der SPD-Faraktion seinen Rücktritt angeboten, schreibt Ruggaber nun. Infranken.de veröffentlicht hier die Erklärung im Wortlaut.

"Mit der heutigen Rücktrittsforderung des "Linken-Stadtrates" René Hähnlein erreichen die öffentlichen Vorwürfe gegen mich ein Ausmaß, das ich in dieser Form nicht weiter unkommentiert lassen kann.

Mein Fehlverhalten habe ich bereits im August vergangenen Jahre eingeräumt, die volle Verantwortung dafür übernommen und mich öffentlich dafür entschuldigt. Den anschließenden Strafbefehl, der eine Geldstrafe beinhaltete, habe ich akzeptiert. Meine Entschuldigung kann ich nur nochmals wiederholen.

Wenn mich Herr Hähnlein heute, nach eigenen Angaben den Unterschied zwischen Missbrauch und Vergewaltigung sehr wohl kennend, weiter kriminalisiert, öffentlich als Vergewaltiger bezeichnet, der nicht zu seiner Verfehlung stehe und dem an einer "Resozialisierung" gelegen sein sollte, dann ist damit der Punkt des persönlich Erträglichen überschritten. Hiergegen werde ich mich juristisch zur Wehr setzen. Ich habe niemanden zu etwas gezwungen oder gar Gewalt angewendet!

Die aktuelle Diskussion macht mir aber deutlich, dass mein Fehlverhalten die Arbeit der SPD-Fraktion für die Stadt Coburg belastet.

Unabhängig von der aktuellen Diskussion hatte ich meiner Fraktion bereits vor drei Wochen meinen Rücktritt angeboten. Um der SPD-Fraktion eine von meinem Verhalten unbeeinflusste weitere Arbeit zu ermöglichen, und den nicht enden wollenden öffentlichen Diffamierungen gegen mich ein Ende zu setzen, werde ich den Stadtrat bitten, mich von meinem Ehrenamt aus persönlichen Gründen zu entbinden.

Ich entschuldige mich bei allen Wählerinnen und Wählern, die mir bei der letzten Wahl ihr Vertrauen geschenkt haben und bedanke mich bei allen, die mich in den zurückliegenden Monaten bei aller Kritik fair behandelt haben."