Gut leserlich, präzis, aber nicht auf Schönheit bedacht - so sieht sie also aus, die Noten-Handschrift eines Mannes, der als Monarch reichlich Krieg geführt hat: Friedrich der Große. Nun reiht sich auch Coburg ein in den Reigen der Gratulanten, die den 300. Geburtstag des "Alten Fritz" in diesem Jahr nutzen und genutzt haben, um am Ende auch ein wenig für sich selbst zu werben. In diesem Fall werben die Kunstsammlungen der Veste für ihren Bestand an Musikautographen, der lange Zeit ein Schattendasein führte - gleichsam als Anhängsel des Kupferstichkabinetts, dessen reichhaltige grafische Bestände weltweites Ansahen in Fachkreisen genießen.

Drei Sonaten für Querflöte und Cembalo, vom Preußenkönig dermaleinst eigenhändig zu Papier gebracht, wurden jüngst in den Kunstsammlungen entdeckt und von der Musikwissenschaft als authentisch klassifiziert.
Die Nachricht dieser Entdeckung, mit der die Kunstsammlungen vor etwa einer Woche auch überregionales Interesse weckten, darf durchaus als kleine Sensation eingestuft werden, wie auch Helmut Lauterwasser betont. Lauterwasser schließlich muss es wissen.

"Coburger Sonaten"

Der Musikwissenschaftler ist für das Projekt "Répertoire International des Sources Musicales" unterwegs, um autographe Musikalienbestände wissenschaftlich zu dokumentieren. Immerhin sind von den insgesamt 121 Flötensonaten, die dem komponierenden und musizierenden Monarchen zugeschrieben werden, bislang nur zwei Werke in Weimar und Berlin auch als Autograph überliefert.

Nun also gleich drei Sonaten, denen die Kunstsammlungen flugs das Etikett "Coburger Sonaten" angeheftet haben. Wie aber sind jene Sonaten überhaupt in die Coburger Sammlungen gelangt? Die Historikerin Silvia Böcking, die sich seit 2004 der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Autographenbestände widmet und Lauterwasser auf die Notenhandschriften aufmerksam gemacht hatte, liefert dazu eine eigene These. Demnach könnte die insgesamt 14 Seiten umfassende Notenhandschrift von Kronzpinzessin Victoria als Geschenk an ihren Onkel Ernst II. gelangt sein.

Aus Berlin nach Coburg?

Helmut Lauterwasser verfolgt eine andere Spur. Seiner Kenntnis nach waren die Sonaten des komponierenden Monarchen im 19. Jahrhundert in den Besitz des Berliner Kantors und Sammlers August Wilhelm Bach gelangt. Als dessen Sammlung postum 1869 versteigert wurde, seien die Noten für die Coburger Bestände erworben worden. Immerhin findet sich, so Lauterwasser, in den Dokumenten zu jener Versteigerung eine Beschreibung, die sich genau auf die drei "Coburger Sonaten" beziehen ließe.

Zur offiziellen Präsentation des Fundes belässt es Klaus Weschenfelder als Direktor der Kunstsammlungen nicht mit bloßen Worten. Die Flötistin Regina Bußmann und die Musikwissenschaftlerin und Cembalistin Angelika Tasler erwecken die Noten des Preußenkönigs stilistisch einfühlsam und lebendig im Zusammenspiel zu galantem Klangleben. Denn dem sogenannten "galanten Stil" sind auch diese Sonaten des "Alten Fritz" verpflichtet.
"Neben manchen Flötensonaten Telemanns können diese Sonaten durchaus bestehen", lobt Regina Bußmann den komponierenden "Alten Fritz".