Zu den zahlreichen Kunstschaffenden, die in Neustadt die Kulturlandschaft prägten und bereicherten, zählt zweifellos auch die Malerin Gerda von Freymann-Knispel. Selbst noch 40 Jahre nach ihrem Tod am 29. März 1981 ist es für viele, die sie kannten und schätzten, ein Anliegen, an ihr Leben und Wirken zu erinnern.

Die Künstlerin Gerda von Freymann-Knispel fand nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 in Neustadt bei Coburg ihre zweite Heimat. Hier frönte sie auch weiterhin der Malerei. Dabei war sie immer bestrebt, in ihren Werken das Schöne darzustellen. Durch eine farbige Harmonie wollte und konnte sie stets die Wirkung noch verstärken. Ihre Bilder, vor allem Aquarelle, waren regelmäßig in den Weihnachtsausstellungen des Coburger Kunstvereins sowie in den Ausstellungen des Berufsverbandes Bildender Künstler von Oberfranken und der Freien Gruppe Bayreuth zu sehen.

Ein Christkind

Gertrutha Christina von Freymann wurde an Heiligabend 1905 in Fellin in Livland (heute Viljandi/Estland) geboren. Ihre Eltern waren Georg Sylvester von Freymann, ein Jurist in der dortigen Stadtverwaltung, und Mia Margarethe Körber. Die "von Freymanns" waren ein livländisches Adelsgeschlecht. Die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges brachten es mit sich, dass die Familie 1919 nach Neustrelitz in Mecklenburg übersiedelte. Im Oktober 1922 nahm sie an der Staatlichen Kunsthochschule zu Berlin-Schöneberg ihr Studium auf, wo sie ihren Studienkollegen und späteren Mann, den Maler Alfred Knispel, kennenlernte. Am 1. Oktober 1926 trat sie eine Stelle als Zeichenlehrerin am Mariannen-Gymnasium in Berlin an.

Die Hochzeit mit Alfred Knispel war am 24. Februar 1934. Knispel war ein hochbegabter impressionistischer Maler, der 1935 den "Rom-Preis", eine begehrte künstlerische Auszeichnung, verliehen bekam. Damit verbunden war ein einjähriger Aufenthalt in der "Villa Massimo". Gerda von Freymann-Knispel, wie sie sich nun nannte, lernte so die Landschaften Italiens kennen. Sie begeisterte sich für dieses Land, seine Sonne, Meerlandschaften und seine Menschen. Die gewonnenen Eindrücke beeinflussten ihre Entwicklung als Künstlerin. Außerdem reiste sie mit ihrem Mann, der finanziell unabhängig war, malend durch Europa. Das ihr Werk durchziehende Thema "Zeit und Ewigkeit" fand gerade hier die besondere Prägung. 1937 wurde Sohn Alexander geboren. Das Künstlerpaar verlegte den Lebensmittelpunkt nach Schwiebus (heute Swiebodzin in Polen), den Geburtsort Knispels.

Mehrere Schicksalsschläge

Wenige Monate vor Kriegsende, im Januar 1945, fiel Alfred Knispel, drei Tage nachdem er zum Volkssturm eingezogen worden war. Gerda von Freymann-Knis­pel flüchtete mit ihrem Sohn aus Schwiebus und fand eine neue Heimat in Neustadt bei Coburg. Ihre ersten Bilder, die sie in Neustadt malte - so ist es in der "Scheuerich-Chronik" überliefert - waren Blumenstillleben von starker, fast harter Farbigkeit. Sie wurde bald zum geistigen Mittelpunkt eines kleinen Künstlerkreises.

Bei mehreren Reisen an die Ostsee entstanden Strandbilder, die hell, lebensbejahend und heiter leuchteten. Wegen einer beginnenden Krankheit und der damit verbundenen Beschwerden suchte die Künstlerin zur Linderung ihres Leidens Heilbäder in Mittelitalien auf. Von diesen Reisen brachte sie übervolle Skizzenbücher mit nach Hause. Diese waren die Grundlage für weitere Bilder.

Ein Schicksalsschlag traf sie am 17. Mai 1967. Ihr Sohn Alexander, der gerade sein akademisches Studium beendet hatte, verunglückte tödlich. Von nun an spiegelte sich die Trauer in ihren Bildern wider: absterbende Bäume mit verwirrtem Gestrüpp, verfallendes Gemäuer in Grau, Braun oder Schwarz anstelle der leuchtenden Farben von einst.

Ihr Gesundheitszustand erforderte weitere Kuren, die sie nach Baden bei Wien führten. Sie wollte dem Ort nahe sein, wo ihr Sohn studiert hatte. Dies gab ihr wieder innere Ruhe und seelische Ausgeglichenheit. Auf ihren letzten Reisen hatte sie wieder Italien als Ziel. Trotz ihres bedrohlichen Gesundheitszustandes brachte sie zahlreiche Entwürfe mit nach Hause. In ihren Bildern ersetzten nun wieder leuchtende Farben das düstere Farbenspiel.

Am 29. März 1981 starb Gerda von Freymann-Knispel in Neustadt.

Nach ihrem Tod wurden ihre Bilder unter Freunden und Familie verteilt, so dass sich der größte Teil in verschiedenem Privatbesitz befindet. Große Anerkennung fand ihr künstlerisches Wirken dadurch, dass die Städte Berlin, Schwiebus, Nürnberg, Bayreuth, Coburg und Neustadt sowie die Kunstsammlungen der Veste Coburg Bilder von ihr erwarben.

Traute Rudolph, von 1955 bis 1980 Kunsterzieherin am Neustadter Arnold-Gymnasium, schrieb in einem Nachruf auf Gerda von Freymann-Knispel unter anderem: "Nur selten findet sich ein abgeschlossenes künstlerisches Werk, das so eindringlich die Höhen und Tiefen eines Schicksals widerspiegelt."

Quellen:

Geschichte der Stadt Neustadt b. Coburg im 20. Jahrhundert (Band 1) von Helmut Scheuerich