Der "Prinzregententurm" auf dem Muppberg ist weit über die Grenzen des Coburger Landes hinaus bekannt. Dieser 28 Meter hohe Aussichtsturm ist nicht nur das weithin sichtbare Wahrzeichen der Bayerischen Puppenstadt, sondern in Verbindung mit der Arnoldhütte (derzeit leider unbewirtschaftet) auch ein beliebtes Ausflugsziel auf dem 515,7 Meter hohen Hausberg der Neustadter. Bereits in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde er als einer der "schönsten Aussichtstürme Deutschlands" beschrieben.

Viele Wandergruppen und Einzelpersonen sind schon die 138 schweißtreibenden Turmstufen hinaufgestiegen, um von der Plattform aus die herrliche Rundumsicht ins fränkische und Thüringer Land zu genießen. 110 Jahre hat er "auf dem Buckel", manch wirre Zeiten miterlebt und schon viele Unwetter, vor allem auch den verheerenden Gewittersturm in der Nacht zum Himmelfahrtstag am 15. Mai 1958 überstanden.

Ein Turm als Markstein

Eigentlich hätte der Turm "Kaiser-Wilhelm-Turm" heißen sollen. So jedenfalls waren die Gedanken einiger Neustadter, die schon im August 1897 zum Gedächtnis an Kaiser Wilhelm I., an dessen 100. Geburtstag die Bevölkerung in jenem Jahr erinnert wurde, einen "Kaiser-Wilhelm-Turm" errichten wollten. Bei einer Feier zur 50. Wiederkehr der Verleihung einer volkstümlichen Verfassung durch Herzog Ernst II. verfestigte sich der Plan, einen Aussichtsturm zu errichten. Oberpfarrer Wilhelm Johnsen war es, der in einer Vorbesprechung zur Verfassungsfeier am 8. April 1902 den Vorschlag machte, zur ständigen Erinnerung einen Markstein in Form eines Aussichtsturmes auf dem Muppberg zu setzen. Geheimrat Max Oscar Arnold, langjähriger Vorsitzender des Verschönerungsvereins, griff diesen Gedanken auf und regte zugleich an, zum Gedächtnis an die gesegnete Zeit der Regierung des Erbprinzen Ernst zu Hohenlohe-Langenburg, dem Vormund des noch minderjährigen Herzogs Carl Eduard, das Bauwerk "Prinzregententurm" zu nennen.

Die erste Skizze für das Bauwerk fertigte der Regierungs- und Baurat Philibert aus Coburg. Der eigentliche Entwurf stammt allerdings von dem Architekten Julius Bosecker. Dessen Vater, Maurermeister Bernhard Bosecker, wurde durch Vertrag vom 19. Mai 1904 mit der Errichtung des Turmes beauftragt. Als ersten Schritt ließen Forstrat Keller und der Herzogliche Oberförster Graf von Keller, beide aus Neustadt, einen fahrbaren Weg von Neustadt aus hinauf zur Baustelle auf dem Muppberg legen, der den Namen "Prinzregentenweg" erhielt. An den vier Seiten des Turmes wurden Reliefs der Coburger Herzöge angebracht, die nach den Modellen von Max Derra von Steinbildhauer Emil Bunzel geschaffen wurden. Im Einzelnen handelt es sich dabei um den Prinzregenten Ernst zu Hohenlohe-Langenburg (über dem Eingang im Westen), Herzog Ernst II. (im Osten), Herzog Alfred (im Norden) und Herzog Carl Eduard (im Süden).

Grundsteinlegung mit Lied

Zur Grundsteinlegung am 5. Juni 1904 verfasste der Vorsitzende des Verschönerungsvereins, Geheimrat Max Oscar Arnold, ein drei Strophen umfassendes Lied, das von den anwesenden Gästen gemeinsam gesungen wurde. Die erste Strophe lautet:

"Lasst tönen im vereinten Chor ein hohes Jubellied,

Zu Gott dem Herrn dring`es empor aus dankbarem Gemüt.

Denn seine Macht ja nur allein und seine Wunderkraft

Bringt Segen uns und lässt gedeih`n, was Menschenhand erschafft.

Drum soll der Wunsch jetzt laut erklingen:

Hipp, hipp Hurrah:

Gut mög`das Turmbauwerk gelingen

Hipp, hipp Hurrah."

Anlässlich der Einweihung am 4. Juni 1905, bei der Geheimrat Max Oscar Arnold eine denkwürdige Festansprache hielt, waren sämtliche Honorationen der Stadt, aber auch die Handwerker und Maurer vertreten, durch deren Hände Fleiß der Turm nach nur einjähriger Bauzeit fertiggestellt werden konnte. Bei dieser Gelegenheit erhielten Maurermeister Bernhard Bosecker aus der Hand des Prinzregenten die goldene sowie Steinbildhauer Emil Bunzel und der 2. Vorsitzende des Verschönerungsvereins, Emil Patzschke, die silberne Verdienstmedaille. Max Derra, der die Entwürfe für die Fürstenmedaillons an den vier Seiten des Sockels fertigte, wurde der Titel "Professor" verliehen.

Ein Festzug zur Einweihung

Die Kosten für das Bauwerk betrugen 12.500 Mark, die aus Spenden, dem Verkauf von Bausteinen und durch Garantiesummen der Mitglieder des Verschönerungsvereins aufgebracht wurden. Zur Einweihungsfeier wurde ein prachtvoll ausgestatteter Festzug zusammengestellt. Den sprichwörtlichen "Neustadter Humor" vertraten die drei Herolde auf den Pferden. Durch sie kam es zu dem "epochemachenden Ausspruch". Als nämlich Prinzregent Ernst die drei biederen Neustadter ansprach und auf ihre dicke Kleidung bei der sommerlichen Hitze hinwies, sprudelten aus den fürstenungewohnten drei Neustadter Herolden einige lustige Sätze, die der Neustadter Mundartdichter und Heimatschriftsteller Albert Arnold in der letzten Strophe seines köstlichen Gedichtes "Von do`Tormweih" wie folgt festgehalten hat:

. . . unn jetzt fengt do aa unn socht

(der Fürst):

"Kinder, wie habt ihr vermocht,

in d e r Kleidung und bei d e r Hitze

stundenlang so forsch im Sitze

auf dem Gaule euch zu halten? . . .

"Dorchlaucht, `s is`a Heidenhitz!",

Socht do`erscht`un`atmet auf;

"Wenn Sa wüssten, wie ich schwitz`",

Äußert sich do`zwätta drauf;

Un`do`dritt`wüscht sich in Schwääß

Mit`m Arm un`socht: "Su hääß

Wor`sch noch nie, ich bin ganz nouß:

Wie war`sch, Dorchlaucht - ? B o z o u h l a M o u ß !"

Der humorvolle Prinzregent nahm diese herzhafte Aufforderung nicht "krumm" und ließ ein Fässchen Bier für die geplagten Herolde in ihren Uniformen auffahren.

Der 4. Juni 2020, 115 Jahre nach der Turmweihe, wäre sicher ein guter Anlass, den Fahrweg vom Grüntal hinauf zum Turm und zur Arnoldhütte als "Prinzregentenweg" auszuschildern, so wie er vor Beginn des Turmbaus schon bezeichnet wurde. Das wäre jedenfalls ein schönerer und klangvollerer Name als der "namenlose Fahrweg".

Ein lohnendes Ziel

Der Prinzregententurm auf dem Muppberg ist nach wie vor ein lohnendes Ziel. Den Schlüssel gibt es normalerweise in der etwa 80 Meter unterhalb des Turmes malerisch gelegenen Arnoldhütte, die derzeit leider unbewirtschaftet ist, ansonsten im Rathaus beim Geschäftsführer des Verschönerungsvereins, Peter Fröber (Telefon: 09568/81 170).

Quellen: "Geschichte der Stadt Neustadt im 20. Jahrhundert" von Helmut Scheuerich, "Max Oscar Arnold - Leben und Wirken für das Coburger Land" von Esther Reinhart, diverse Zeitungsartikel