Hanni Nemmert lebt im BRK-Haus für Betreuung und Pflege. Dort fühlt sie sich wohl und sehr gut aufgehoben. Wie viele Bewohner, die gut zu Fuß sind, freut sich die Seniorin, wenn in der Einrichtung etwas los ist. Sie meint: "Es ist schön, dabei zu sein."

Da sie allerdings kein Gefühl mehr in den Beinen hat und obendrein eine Schiene am Bein trägt, ist ihr das Gehen, auch mit Hilfsmitteln, nicht möglich. Dadurch war ihr die Teilhabe am vielfältigen Leben der Einrichtung nur bedingt möglich.


Streitfrage: Wer profitiert von dem Hilfsmittel? Der Heimbewohner oder die Einrichtung?

Sie beantragte deshalb bei ihrer Krankenkasse einen sogenannten Multifunktionsrollstuhl. Diese Stühle haben die Krankenkassen bis 2014 problemlos bewilligt. Sie werden individuell auf den Nutzer eingestellt und können auch in Liegeposition gebracht werden.
Die Krankenkasse von Hanni Nemmert lehnte allerdings im November 2015 die Kostenübernahme ab, obwohl andere Krankenkassen die Anschaffung nach wie vor übernehmen. Im Fall der Ebersdorferin hat die Krankenkasse zwar festgestellt, dass aufgrund der kognitiven Einschränkungen die Gefahr einer Vereinsamung der pflegebedürftigen Seniorin bestehe und eine Versorgung mit diesem Multifunktionsstuhl durch die passive Teilnahme am Leben in der Gruppe anderer Pflegebedürftiger ausgeglichen werden könne. Allerdings sieht die Krankenkasse die soziale Betreuung als Bestandteil der stationären Pflege an und ordnet den Einsatz eines solchen Hilfsmittels als Erleichterung für das Pflegepersonal ein.

Diese Entscheidung kann der Leiter des BRK-Hauses für Betreuung und Pflege, Gunter Weiß, nicht nachvollziehen. "Unsere Bewohner schätzen es, gemeinsam mit anderen am Tisch zu sitzen, Unterhaltungen zuzuhören oder von ihren Angehörigen durch das Haus oder auf das Areal gefahren zu werden. Von einem solchen Multifunktionsrollstuhl profitiert auf jeden Fall der Nutzer."


In einem besonderen Sessel die Sommerluft genießen

Selbst Senioren, die an Demenz leiden, ist anzusehen, wie sehr sie es genießen, in Gesellschaft zu sein oder sich auch draußen aufhalten zu können, anstatt im Bett liegen zu müssen. Aus der Rechtsprechung des BSG (Bundessozialgericht) geht hervor, dass Rollstühle, die überwiegend einem Behinderungsausgleich oder der Möglichkeit dienen, eine soziale Teilhabe am Leben zu schaffen, unter die Kostenübernahmepflicht der Krankenkasse fallen. Befremdlich ist, dass manche Krankenkassen die Kostenbewilligung beispielsweise auch für bewegungseingeschränkte Demenzkranke ablehnen, die sie als "Objekt der Pflege" einstufen. Um Bewohnern wie Hanni Nemmert dieselbe Teilhabe zu ermöglichen wie Senioren, die keine Bewegungseinschränkungen haben, hat nun der BRK-Marienverein Ebersdorf dem BRK-Haus für Betreuung und Pflege zwei sogenannte Cosy Chairs gespendet. Damit ist es auch der bewegungseingeschränkten Seniorin möglich, in diesem besonderen Sessel beispielsweise die herrliche Sommerluft unter freiem Himmel zu genießen oder bei den geselligen Veranstaltungen wie Sommer- oder Weinfest dabei zu sein. "Bei uns gibt es gleich mehrere Bewohnerinnen, die nun die beiden Cosy Chairs nutzen können und so mit anderen Bewohnerinnen und Bewohnern zusammenzusitzen oder wenigstens dabei zu sein", führt Gunter Weiß aus.

Der mobile Sessel erinnert an eine Sitzschale für Babys und ist gleichzeitig auch ein Tagesbett. Um diesen zu nutzen, muss Hanni Nemmert nicht umständlich aus dem Bett steigen, sondern kann mittels eines Tragetuchs, das an ihrem Lifter über dem Bett befestigt wird, sicher in den mobilen Sessel "Cosy Chair" gelegt werden.
"Die Spende des Marienvereins ist sehr gut angelegt, denn diese besonderen Pflege- und Therapiestühle sind bedienerfreundlich und selbst auf engstem Raum nutzbar, weil sie äußerst wendig sind", betont Gunter Weiß.
Er freut sich über die unbürokratische Hilfe des örtlichen Marienvereins, der in der Vergangenheit immer wieder sinnvolle Anschaffungen für die Einrichtung getätigt habe. Dass die Stühle in die Einrichtung geliefert wurden, auch dafür hätten die Mitglieder des Marienvereins gesorgt.

Für so viel Einsatz und Unterstützung dankt er dem Verein mit Gabi Friedel als Vorsitzender an der Spitze. Dass die Spende des Marienvereins ein wahrer Segen ist, sieht man Hanni Nemmert an, der ein breites Lächeln ins Gesicht tritt, als ihre Tochter Renate Butz sie zu einem besonders sonnigen Plätzchen am Fester schiebt, bevor es für eine kurze Tour nach draußen geht. "Ohne diesen Sessel wäre das nicht möglich. Es ist schön, dass ich jetzt mit meiner Mutter an die frische Luft fahren kann", schwärmt Renate Butz.

Hanni Nemmert ist ebenfalls begeistert und meint: "Das Liegen ist sehr angenehm." Das glaubt man der Seniorin sofort, denn schon allein die flauschige Auflage verheißt, dass sich die Ebersdorferin wohlig hineinkuscheln kann. Sie blickt mit einem verschmitzten Lächeln der nächsten Unternehmung im Cosy Chair entgegen.