"Es gibt in der Politik keinen Ersatz für Lebenspraxis" - das ist nach den Worten von Horst Seehofer (CSU) der Grund für seine "Zukunftsreise" durch alle bayerischen Landkreise. Er wolle lieber mit den Menschen sprechen als unzählige Akten zu wälzen.

Vom Coburger Landrat Michael Busch (SPD) bekam Horst Seehofer gleich mehrere Sorgen mitgeteilt: Zum einen bereite der Wirtschaft im Coburger Land das Fördergefälle nach Thüringen große Probleme. Zum anderen beklagte Busch, dass das staatliche Personal im Landratsamt immer weniger werde, während vom Landratsamt aber immer mehr staatliche Aufgaben übernommen werden müssten. Außerdem bat Busch um eine bessere finanzielle Ausstattung der Kommunen und um unbürokratische Hilfe beim ins Stocken geratenen Grundstückskauf für eine Erweiterung der Realschule CO II.

Horst Seehofer gab einige ganz erfreuliche Antworten aus Coburger Sicht: Für eine
bessere finanzielle Ausstattung der Kommunen werde es bereits am morgigen Freitag ein weiteres Spitzengespräch in München geben. Sein Ziel sei es, vor allem die Städte und Gemeinden "spürbar" zu entlasten, die mit den Folgen des demografischen Wandels besonders konfrontiert sein.

Zum Thema Fördergefälle: Seehofer gab zu bedenken, dass 2014 sogar noch eine Verschlechterung drohe. Dann nämlich, wenn die EU-Förderung nur noch für das tschechische Grenzgebiet gelte, nicht mehr aber für das fränkische. Er kündigte an, sich mit ganzer Kraft gegen ein solches Szenario einzusetzen. Die Stimme Bayerns werde aber wohl nur dann erhört, wenn es ein parteiübergreifendes Miteinander gibt - "sonst lässt sich Merkel nicht beeindrucken!" Und er betonte: "Wir zahlen jährlich 3,7 Milliarden Euro in den Länderfinanzausgleich - dann wollen wir auch bei der Verteilung mitreden!"

Kaum Hoffnung machte Seehofer bei der personellen Ausstattung des Landratsamts. "Wir müssen beim Personal Prioritäten setzen", sagte er. In den vergangenen drei Jahren habe der Freistaat deshalb 6000 neue Lehrer, 3000 neue Mitarbeiter für Hochschulen und Universitäten sowie mehrere hundert zusätzliche Sicherheitsbeamte eingestellt - aktuell seien zudem noch 1700 zusätzliche Polizisten geplant.

Mehr zum Seehofer-Besuch lesen Sie am Freitag im Coburger Tageblatt (Printausgabe)