"Der Junge im Bus" hat Suzanne van Lohuizen ihr "Stück für Menschen ab zehn Jahren" genannt. Wer sich für den didaktischen Ansatz interessiert, landet bei einem medizinischen Fachbegriff für das seltsame Verhalten Richards: posttraumatische Belastungsstörung.


Alles eine Frage der Perspektive


Verrückt oder normal - manchmal ist das einfach nur eine Frage der Perspektive. Coburgs Theaterpädagogin Yvonne Schwartz hat dieses Stück von Suzanne van Lohuizen am passenden Ort inszeniert - in einem ausrangierten SÜC-Bus. Als Regisseurin hütet sie sich klugerweise davor, die Aufführung zum theatralischen Unterricht in Sachen Krankheit zu machen. Vor- und Nachbereitung mit den Schülern zählt zum Programm bei dieser mobilen Produktion.
Das Stück freilich wirkt auch aus sich selbst heraus intensiv.


Flucht vor der Welt


Das liegt an der räumlichen Nähe zwischen Zuschauern und Darstellern, die sich allein durch den Aufführungsort Bus ergibt, den Christina Hueners Ausstattung mit klug platzierten Details in eine Bühne verwandelt hat. Das liegt aber vor allem am intensiven Spiel der Darsteller. Mathias Renneisen spielt diesen Richard mit großer Natürlichkeit, mit Nachdruck und immer wieder mit berührenden Nuancen. Seine scheinbare Verrücktheit ist eine Flucht vor der Welt, vor den quälenden Erinnerungen. Das ahnt auch seine Betreuerin Karolien, von Sandrina Nitschke einfühlsam und mit präzisen Akzenten gespielt.


,Von jetzt an werde ich leben'


In Rückblenden erfährt das Publikum Richards Geschichte - erfährt vom Vater, den der Junge nie kennengelernt hat, erlebt die Mutter (Anna-Maria Wasserberg), die den Sohn streng und ohne Liebe erzielt. Richards Verhalten ist letztlich ein einziger Schrei nach Liebe. Das Ende? Ein Funken Hoffnung bleibt. "Ich bin aus dem Bus ausgestiegen. Von jetzt an werde ich leben", sagt Richard.


Theater-Tipp


Der Junge im Bus Schauspiel von Suzanne van Lohuizen für "Menschen ab zehn Jahren". Diese mobile Produktion kann gebucht werden über das "Junge Landestheater" (Telefon: 0   95   61/ 89   89   97 oder per Mail unter yvonne.schwartz@landestheater-coburg.de)