Nach dem erst noch gelassenen Blick vor die Physiksaal-Tür stand einigen Schülern der Realschule gestern der Schreck ins Gesicht geschrieben. Denn im Flur vor ihrem Unterrichtsraum war die Hand vor Augen nicht mehr zu sehen - so dicht war der Rauch. Dazu kam noch die Daueransage aus dem Lautsprecher, dass die Schule auf eines technischen Problems sofort zu verlassen ist. Wird's jetzt wirklich gefährlich?

Zum Glück nicht. Stadtbrandinspektor Florian Höfner und Lehrerin Christiane Schwab waren die Schuldigen für die Schrecksekunde zum Wochenschluss. Sie hatten sich gemeinsam, passend zum Ende der Feuerwehr-Aktionswoche in der Schule, eine unangekündigte Alarm-Übung ausgedacht. Nur wenige Kollegen und keine Schüler waren eingeweiht, als kurz nach der zweiten Pause der Alarm losging.

Die Gefahr ist allgegenwärtig

Dass mal was passieren kann, ist in einer Schule immer möglich. "Gerade im Chemiesaal geht so was schnell", sagt Schwab, die schon seit über einem Jahrzehnt an der Realschule unterrichtet und - was für den Freitag noch wichtiger war - schon seit Jugendzeiten in diversen Hilfsorganisationen engagiert ist. Deshalb machte sie sich dafür stark, einmal mit einem möglichst realitätsnahen Übungsszenario die Rettungskonzepte für die Schule zu testen. Alleine schon deshalb, weil am Campus an der Feldstraße in den vergangenen Jahren zahlreiche baulichen Veränderungen stattgefunden haben, die vielleicht auch die Feuerwehr vor überraschende Herausforderungen stellen könnten.

Angenommen und von Florian Höfner technisch inszeniert wurde ein Schmorbrand im Technikraum direkt vor dem Physiksaal. Der Stadtbrandinspektor war vor dem Anwerfen der Nebelmaschine gespannt: "Jetzt wird sich zeigen, wie das - was wir alle gemeinsam geplant haben - nah an der Realität funktioniert." Sprich: Verlassen die Schüler wirklich geordnet das Gebäude und gehen zu den vorgegebenen Treffpunkten? Bleiben die Schüler im Physiksaal und laufen nicht hinaus in den Rauch? Wie findet der Fahrer der Drehleiter den Weg durch die herumstehenden Schüler zur Gebäuderückseite,von wo aus die Personen im Physiksaal evakuiert werden können? "Ganz gut", sagte Höfner am Ende, sei die Übung gelaufen - wobei "perfekt" sich auch niemand ernsthaft erwartet hatte.

Darüber wird geredet

Ein paar richtig wichtige Erfahrungen gab es aber auch - angefangen bei der Tatsache, dass die befestigte Zufahrt zu den hinteren Gebäudeteilen zu schmal für das große Drehleiterfahrzeug dimensioniert erscheint. "Interessant", sagte Florian Höfner, sei zudem die Erfahrung gewesen, wie sich der künstliche Nebel im Gebäude verteilte. Deshalb wird es nach der Übung auch eine intensive Nachbereitung geben. Auch unter den Lehrern, wie Christian Schwab versichert. Dafür bietet sich der "pädagogische Tag" an, der für die Lehrkräfte traditionell am Buß- und Bettag ansteht.

Der Stadtbrandinspektor rät: Ruhe bewahren

Wenn's brennt: Die wichtigste Botschaft von Florian Höfner an die Schüler: "Wenn es einen Feueralarm gibt, dann erst einmal Ruhe bewahren". Wobei "Ruhe" das wichtigste Wort ist, weil diese dem Lehrer die Möglichkeit gibt, die ersten Anweisungen zu geben. Unter anderem zum nächsten Rettungsweg.