Coburg
Premiere

Schnitzler "Reigen" in Coburg: Wenn sich Liebe auf Lüge reimt

Wie Regisseur Sebastian Pass Arthur Schnitzlers "Reigen" auf die Bühne der Coburger Reithalle bringt.
Das Stubenmädchen und der junge Herr: Anna Staab und Nils Liebscher in Arthur Schnitzlers "Reigen".Fotos: Andrea Kremper
Das Stubenmädchen und der junge Herr: Anna Staab und Nils Liebscher in Arthur Schnitzlers "Reigen".Fotos: Andrea Kremper
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Lust und Langeweile, Erregung und Enttäuschung - wie nahe liegt das doch bisweilen. Die Ekstase - wie oft ist sie ein Balanceakt am Abgrund der Lächerlichkeit. Davon erzählt Arthur Schnitzlers "Reigen". In seinem skandalträchtigen Schauspiel reimt der Dichter Liebe auf Lüge, führt die Spezies Mensch als hoffnungslos triebgeplagte Wesen vor.

Das Coburger Publikum kennt Sebastian Pass seit zweieinhalb Jahren als wandlungsfähigen, stets mit großem Einsatz agierenden Schauspieler am Landestheater . Mit Schnitzlers "Reigen" stellt sich Pass erstmals als Regisseur vor.

Sprechende Gestik

Schnitzlers zehn Dialoge lassen die unterschiedlichsten Deutungen zu - von ironisch-verspielt bis bitterböse und zynisch. Sebastian Pass verbindet entlarvende Prägnanz mit flotter Parodie, kombiniert genaue Textbehandlung mit bisweilen fast pantomimisch sprechender Gestik.
Und gelegentlich lässt er seinem Spaß an grotesker Zuspitzung freien Lauf. Seine Sicht auf Schnitzlers "Reigen" ist gewiss nicht verharmlosend, aber eben auch nicht ausweglos abgründig oder nachtschwarz und moralisierend. Leonhard Cohen liefert dazu den Soundtrack: "Dance Me to the End of Love".

Vor allem aber führt Pass als Regisseur sein Darsteller-Duo mit sicherer Hand durch die Irrungen und Wirrungen dieses Liebesreigens. Im pausenlosen Wechsel der Rollen von Szene zu Szene gelingen Anna Staab und Nils Liebscher mit präzis gesetzten Akzenten pointierte Porträts. Dirne, Stubenmädchen oder Schauspielerin, Soldat, Ehegatte oder Dichter - Staab und Liebscher begeistern das Premierenpublikum mit intensiver Darstellung und spielfreudigem Agieren. Sie entlarven die Verlogenheit der Figuren, zeigen ihre Schwächen und ihre Verführbarkeit, ohne die Figuren freilich zu denunzieren.

Regie und Darsteller-Duo entdecken in diesem "Reigen" immer wieder auch komödiantische Aspekte, lassen einzelne Szenen ironisch umkippen. Bisweilen reicht für dieses Umkippen schon eine einzige kleine Fingerbewegung.

Überzeugende Bühnenbildlösung

Drei Studentinnen der Coburger Hochschule haben das Bühnenbild für diese Reithallen-Produktion entworfen: Mia Hartmann, Vanessa Singer, Bianka Wilk (Leitung des Bühnenbildworkshops: Michael Heinrich, Till Kuhnert). Ihre Lösung ist einfach, aber wirkungsvoll und variabel: Wie auf einer barocken Guckkastenbühne gliedern mehrere Ebenen den Raum - in diesem Fall transparente weiße Gardinen, mit denen sich mühelos verschiedene Räume schaffen lassen. Dazu helfen die prägnant akzentuierten Kostüme von Pia Wessels, die Personen präzis zu charakterisieren.

Das Publikum honoriert mitreißende Schauspielerleistungen und ein gelungenes Regie-Debüt mit ungetrübt ausdauerndem Premierenbeifall.



Sie bringen den "Reigen" in Coburg auf die Bühne


Mitwirkende
Inszenierung: Sebastian Pass
Bühnenbild: Mia Hartmann, Vanessa Singer, Bianka Wilk (Leitung des Bühnenbildworkshops: Michael Heinrich, Till Kuhnert)
Kostüme: Pia Wessels
Dramaturgie: Georg Mellert
Lichtdesign: Michael Götz
Frau: Anna Staab
Mann: Nils Liebscher
Vorstellungen Samstag, 23. Februar, 20 Uhr Premiere, 24., 26., 27. Februar, 17., 21., 22., 23., 24., März, 13., 14. April, 20 Uhr (Theater in der Reithalle Coburg)