Rödental liegt beim Wasser- und Abwasserpreis über dem bayernweiten Durchschnitt. So zahlen die Verbraucher im laufenden Jahr für Trinkwasser 2,57 Euro/m³, für das Abwasser schlagen 3,48 Euro/m³ zu Buche. Laut Statistischem Landesamt betrugen die durchschnittlichen Kosten Freistaat im Jahr 2016 1,55 Euro/m³ für Trinkwasser und 1,96 Euro für den Kubikmeter Abwasser. Nachdem die Rödentaler Bürger im kommenden Jahr noch tiefer in die Tasche greifen müssen (3,00 Euro/m³ Trinkwasser, 3,78 Euro/m³ Abwasser), war es nicht verwunderlich, dass dieser Umstand ein wesentliches Thema bei der jüngsten Bürgerversammlung war.

Horst Broscheit aus dem Stadtteil Einberg wollte die hohen Preise nicht unkommentiert hinnehmen. In seinen Worten schwang der Vorwurf durch, bei den Stadtwerken werde nicht optimal gearbeitet. Auch warf er den Verantwortlichen vor, sie hätten einen Investitionsstau verursacht, den jetzt die Bürger auszubaden hätten. Bürgermeister Marco Steiner (FW) machte deutlich, dass er auch mit
dem Ziel angetreten sei, die Schulden der Stadt und der Stadtwerke zu senken. Steiner rechnete vor: Mussten die Stadtwerke im Jahr 2013 noch Verbindlichkeiten von 27,2 Millionen Euro verzeichnen, sank dieser Wert im laufenden Jahr um 11,3 Prozent auf 24,1 Millionen Euro. "Vielleicht war es falsch, die Schulden zu senken", meinte Marco Steiner vielsagend. Über die Stadtwerke meinte er: "Personell sind wir hier nicht zu breit aufgestellt". Der Geschäftsführer der Stadtwerke, Michael Eckardt, versuchte mit stoischer Ruhe und fundierten Aussagen, klar zu machen, warum man die derzeitigen Preise verlangen müsse. Nach seinen Worten müssen die Investitions- und Betriebskosten über die
Verbrauchsgebühren wieder eingenommen werden. "Wir müssen kostendeckend, aber nicht gewinnorientiert arbeiten", verdeutlichte Eckardt. Den zahlreichen Anwesenden führte er vor Augen, dass es eine Alternative wäre, die Investitionen über Beiträge abzurechnen. "Da kämen bestimmt Summen zwischen 2000 Euro und 50 000 Euro zusammen, die dann die jeweiligen Verbraucher zu
zahlen hätten", beschrieb er dieses mögliche Szenario. Der Stadtrat habe sich deshalb einstimmig dafür ausgesprochen, die Kosten für Trinkwasser und Abwasser über den Verbrauch zu decken. Dem Argument von Horst Broscheit, in der Landeshauptstadt sei das Trinkwasser viel billiger, hielt Marco
Steiner entgegen, dass man vergleichen müsse, wie viele Abnehmer in München an einem Kilometer Wasserleitung hingen und wie viele in Rödental.

Broscheit wechselte das Thema. Er kritisierte, dass ein Leserbrief von ihm nicht im Rödentaler Mittteilungsblatt "Albert" veröffentlicht worden sei. Bürgermeister Steiner machte klar, dass der "Albert" keine Zeitung sei und grundsätzlich nicht für Leserbriefe zur Verfügung stehe. Den Vorwurf, dass die Pressefreiheit beeinträchtigt werde, wies Steiner entschieden zurück. Borscheit sagte weiterhin, es ärgere ihn, dass er vor der Bürgerversammlung nicht wie gefordert den Rechenschaftsbericht der Stadtwerke für das Jahr 2016 bekommen habe. Michale Eckardt betonte, dass bis zur Veröffentlichung der Jahresrechnung gewisse Regeln einzuhalten seien. "Erst wenn die Jahresrechnung festgestellt ist, steht diese zur Einsicht zur Verfügung", betonte Eckardt und verwies auf die Vorgehensweise aus den Jahren 2014 und 2015 dürften. Michael Eckardt betonte, dass die Stadtwerke ein Qualitätsprodukt lieferten, das er als ein "Gottesgeschenk" bezeichnete. "Ich kann ihnen keinen Billigpreis bieten", erklärte Michael Eckardt ruhig und mit fester Stimme der Versammlung. Horst Brotscheit konnte der Geschäftsführer der Stadtwerke mit dieser Argumentation offenbar nicht zufriedenstellen.

Ein weiteres fast abendfüllendes Thema war die Straßenausbaubeitragssatzung (Strabs). Dieser Punkt treibt Peter Lippmann um. Bürgermeister Marco Steiner erläuterte, dass die Stadt Rödental schon seit 2007 eine "Strabs" habe, diese aber bisher nicht anwenden musste. Unverblümt machte er
deutlich, dass irgendwann die Möglichkeiten einer beitragsfreien Straßenausbesserung erschöpft seien und man nicht umherkommen werde, die Satzung anzuwenden und damit auch die Bürger wohl oder übel zur Kasse bitten müsse. Wichtig ist für ihn, dass man in einem solchen Fall mit den
Betroffen spricht und die Situation erläutert. Aus Gesprächen mit Bürgermeisterkollegen konnte er berichten, dass bei vielen Gemeinden, die diese Satzung haben, die Anwendung von den Bürgern akzeptiert werde. "Es ist hier alles eine Frage der Kommunikation", stellte Steiner fest. Deutlich
machte er auch, dass die Strabs Grundlage dafür gewesen sei, dass die Stadt vom Freistaat Bayern Stabilisierungshilfen in Höhe von über drei Millionen Euro erhalten habe. "Diese haben uns richtig gutgetan", betonte Steiner. Auch für ihn steht fest, dass es bei der Strabs keine hundertprozentige Gerechtigkeit geben wird. "Aber der Gesetzgeber hat uns aufgegeben, diese umzusetzen", fasste Marco Steiner die ausführliche Darlegung der Dinge zusammen.


Daten und Zahlen

Der Bürgermeister nahm sich 75 Minuten Zeit, um die zahlreichen Anwesenden über das Jahr 2017 aus Sicht der Stadtverwaltung zu informieren. Besonders hob er hervor, dass Rödental mit seinen 13 233 Einwohnern seinen Schuldenstand von 13,3 Millionen Euro (2010) um 41 Prozent auf 7,8 Millionen Euro senken konnte. Einher ging damit auch Zinsbelastung, die 2017 noch 305 000 Euro beträgt. Sieben Jahre zuvor musste die Stadt noch 639 000 Euro "locker machen". Die Bruttoinvestitionssumme im laufenden Jahr bezifferte er mit 6,5 Millionen Euro. Auch wenn Marco Steiner ein durchaus positives Resümee zog, wird es im kommenden Jahr sicher nicht langweilig in Rödental. Hierfür stehen große Herausforderungen an, wie Investitionen im Tiefbau, der Zustand der kommunalen Gebäude, Leerstände (hier vor allem Gewerbeimmobilien), die viel zitierte "380-Kilovolt-Leitung" und auch das Spannungsfeld vom sparsamen Umgang mit Flächen und der
Ausweisung von Wohn- und Gewerbeflächen. Vor allem die Schulen werden im kommenden Jahr die Stadt finanziell herausfordern. So werden allein für die Renovierungen der Mittelschule Oeslau und der Grundschule Einberg mehr als zehn Millionen Euro fällig werden. Noch nicht beziffern lassen sich die Kosten für die Grundschule Mönchröden. Relativ gering fällt dagegen das Feuerwehrgeräthaus Froschgrund mit 750 000 Euro aus. Die Stadt hofft bei allen Maßnahmen auf eine hohe staatliche Förderung. Hinter der Summe steht allerdings derzeit noch ein großes Fragezeichen.


Bürgerversammlung in Kürze

Fast natürlich ist es, dass bei Bürgerversammlungen verkehrstechnische Probleme zur Sprache kommen. So wurde die Parksituation in der Schalkauer Straße angesprochen. Matthias Krichner meinte, dass in der Thüringer Straße zu schnell gefahren wird. Hermann Schmidt machte auf das gleiche Problem in der Ostlandstraße aufmerksam. Dr. Ulrich Bayer bat darum die Königsberger
Straße bezüglich Reparaturmaßnahmen in Augenschein zu nehmen. Moniert wurde, dass der Gargenhof gegenüber der Mittelschule öfters von Jugendlichen verunreinigt wird. Andreas Feustel machte darauf aufmerksam, dass es seit dem Neubau des Einkaufsmarktes in der Oeslauer Straße bei Starkregen immer wieder zu Überschwemmungen in der Unteren Eigartenstraße kommt. "Wir werden langsam zum Sumpfgebiet", beschrieb er die Situation.



BU

Auch in Unterwohlsbach investierten die Rödentaler Stadtwerke nicht
unerheblich n die Wasserver- und entsorgung. Noch vor Wintereinbruch soll
nach Worten von Bürgermeister Steiner die Ortsdurchfahrt nach neunmonatiger
Sperre wieder möglich sein. Foto: Martin Rebhan