Voller Euphorie hatte sich die Wefa 2019 aus den vorhandenen Modellen das Coburger Bürglaßschlösschen zur Restaurierung herausgesucht. Von seinen Maßen erschien dieses Projekt händelbar, verglichen mit der Größe und dem Zustand der anderen Modelle wie beispielsweise der Coburger Ehrenburg. Doch recht schnell wurde deutlich, dass nur ein Neubau infrage kommt. Sobald man versuchte, ein Teil des Modells abzunehmen, zerfiel dieses. Außerdem kamen - einmal ins Warme geholt - vor allem Schimmel, aber auch tierische Hinterlassenschaft, zum Vorschein. Einzig und allein das Geländer und die Platten des Balkons - beides aus Metall - konnten erhalten werden, heißt es in einer Pressemitteilung des Regionalmanagements Coburg Stadt und Land aktiv GmbH.

"Die Modelle waren nicht dafür gemacht, draußen zu stehen. Die Frage, warum man sich damals für den Standort auf der Ernstfarm - im Freien - entschieden hat, lohnt es nicht mehr zu stellen. Man kann es nicht rückgängig machen, und zwischenzeitlich ist der Großteil der Arbeit unwiederbringlich zerstört", sagt Florian Eckardt, Projektmanager im Regionalmanagement. "Deshalb wollen wir nicht zurückblicken, sondern heute auf die grandiose Handarbeit schauen, welche aktuell in der Werkstatt der Wefa gemacht wird."

Schon circa 2200 Stunden Arbeit investiert

Bisher wurden von den Mitarbeitern circa 2200 Stunden Arbeit in den Neubau des Objektes Bürglaßschlösschen investiert. Aktuell arbeiten überwiegend drei Männer am Objekt, unterstützt durch die Teamleiter. Außerdem waren auch schon mehrere andere Arbeiter eingebunden, welche sich vor allem am Nachbau des Trausaals versuchen. Dieser soll originalgetreu nachgebaut und dann neben dem Gebäude selbst zu sehen sein.

Matthias Emmer, Zweigstellenleiter der Werkstatt für psychisch behinderte Menschen, betont, dass das Projekt für den Berufsbildungsbereich sehr wertvoll sei, da es die Möglichkeit biete, verschiedenste Arbeiten auszuführen, und so die Stärken und Schwächen ganz anders zutage träten, als das sonst nach üblichen Verfahren eingeschätzt werden könne.

Noch lange nicht fertig - 5000 Dachziegel müssen von Hand bemalt werden

Bis das Modell originalgetreu und in Anlehnung an das erste Modell nachgebaut ist, werden noch circa 1100 bis 1200 weitere Stunden nötig sein. Alleine 5000 Dachziegel müssen von Hand bemalt werden (zwei Anstriche notwendig). Der Dachstuhl wurde, obwohl man ihn, wenn das Dach gedeckt ist, gar nicht mehr sehen wird, originalgetreu nachgestellt - dank des Gruppenleiters Klaus Wunder, der Zimmermann ist. Alle Formen für Fenster und auch andere Teile wurden selbst per Hand geschnitzt und per Dremel gearbeitet und dann die Teile in einer eigenen Anlage in Niederfüllbach aus Verguss-Harz gegossen.

Im Berufsbildungsbereich der Wefa arbeiten aktuell auch wieder Menschen, welche am Originalmodell mitgearbeitet haben. Diesen blutet das Herz, wenn sie sehen, wie die Arbeiten von damals verfallen sind. Matthias Emmer, freut sich dennoch: "Es ist erstaunlich, wie sich das ganze Projekt - seit dem Start vor circa zwei Jahren - entwickelte. Vielen Dank an die Teilnehmer. Sie können sehr stolz auf die geleistete Arbeit sein."

Arbeiten auf ein Ziel hin

Auch Diakon Franz Schön, Geschäftsführer der Wefa GmbH (gemeinnützige Werkstätten für angepasste Arbeit), der es sich nicht nehmen ließ, zum Richtfest zu kommen, unterstreicht die Bedeutung des Modellbaus für die Arbeit der Werkstatt: "Mir ist es wichtig, dass die Menschen bei uns unterschiedliche Sachen machen können. Bei diesem Projekt arbeiten sie zeitlich befristet auf ein Ziel hin. Besonders schön ist es dabei, dass man die eigene Arbeit sehen und anfassen und vielleicht später auch einmal daran vorbeilaufen kann."

Hintergrundinfos zu den Modellen und zum Projekt bei der Coburg Stadt und Land aktiv GmbH gibt es unter https://www.regionalmanagement-coburg.de/regionalmanagement/projekte/coburger-miniaturen.html

Weitere Modelle werden nicht erhalten werden können, da die Witterung diesen zu stark zugesetzt hat. Hinzu kamen zudem Sturmschäden durch einen umgestürzten Baum. Dadurch, dass die Modelle auch fest mit dem Boden verbunden wurden, ließen sie sich nicht mehr beschädigungsfrei entfernen. Die Coburg Stadt und Land aktiv GmbH wird das Projekt nach Fertigstellung der Arbeiten der Wefa deshalb beenden.