Die Frau, die am Mittwochvormittag im Pilgramsroth in die Stadtbuslinie 5 einsteigt, nimmt es mit Humor: "Heute hab' ich ja Zeit, deshalb fahre ich mit dem Bus - ansonsten wäre ich in die Stadt gelaufen!" Sagt's, setzt sich und genießt eine kleine Rundfahrt über die Veste.

Die seit Dienstag geltende XXL-Umleitung in Coburg hat viele kuriose Folgen. Zum Beispiel auch für einige Stadtbuslinien. Die 7 und die 5 können nicht mehr wie gewohnt in die Innenstadt fahren, weil ja die Seidmannsdorfer Straße gesperrt und die Leopoldstraße zur Einbahnstraße stadtauswärts geworden ist. Während die Linie 7 deshalb nun den steilen Krankenhausberg (Gustav-Hirschfeld-Ring) hinunterfahren muss, bleibt für die Linie 5 nur der Umweg über die Veste. Und Fahrgäste, die stadteinwärts wollen, müssen stadtauswärts einsteigen.
Michael Volkmann nimmt diese Herausforderung ebenso gelassen wie routiniert an. "Ja, es ist schon etwas stressiger jetzt", sagt der 51-Jährige, der seit inzwischen 24 Jahren Stadtbusfahrer in Coburg ist. Die scharfe Kurve auf dem Schlossplatz hinauf zur Reithalle erachtet er dabei noch als das kleinste Problem. "Der Gustav-Freytag-Weg", so erzählt er mit einem Seufzer, "der hat es in sich!"

Die Straße, die sich von der Veste den Festungsberg hinunterschlängelt, ist ohnehin schon schmal. Aber wenn auch noch viele Autos am Fahrbahnrand parken, dann wird das Fahren eines gut zwölf Meter langen Busses zur Zentimeterarbeit. Erschwerend kommt in diesen Tagen eine Baustelle hinzu."Da muss man schon aufpassen", weiß Michael Volkmann, "denn wenn wir Busfahrer irgendwo ranpuffern, kostet das gleich richtig viel Geld!"

Banger Blick aufs Ferienende


Doch Michael Volkmann puffert bei unserer Testfahrt am Mittwoch nirgends ran. Er kann es sich aber auch leisten, relativ langsam zu fahren. Denn die 5 ist nicht so stark frequentiert wie etwa die 6 und die 7. Sobald an jeder Haltestelle viele Menschen ein- und aussteigen, kostet das Zeit - und dadurch steigt der Zeitdruck auf der Strecke.

"Nächste Woche wird aber sowieso alles schwieriger", prophezeit Michael Volkmann, "dann sind die Schulferien vorbei." Das bedeutet zusätzlichen (Schul-) Busverkehr als auch ein zusätzliches Verkehrsaufkommen durch Eltern, die ihre Kinder zur Schule chauffieren. Und im Umkreis der gesperrten Seidmannsdorfer Straße befinden sich ja gleich vier Schulen: Ernestinum, Alexandrinum, die CO I und die Pestalozzischule.

Michael Volkmann sagt aber auch: "Eine andere Umleitung ist nun mal nicht möglich, wenn die Seidmannsdorfer Straße gesperrt werden muss." Und anstrengend ist der Job eines Stadtbusfahrers eigentlich immer. Das wissen wir jetzt nach der Testfahrt auch - und haben viel Respekt vor diesem Beruf.