Pünktlich zum Beginn der fünften Jahreszeit haben die Narren im Landkreis gutgelaunt zum Rathaussturm in den Gemeinden angesetzt. Im Handstreich fegten sie die Verteidigungslinien der Verwaltungen beiseite und übernahmen Rathausschlüssel und die Macht über das Narrenvolk.

Der Bürgermeister der Gemeinde Untersiemau, Rolf Rosenbauer, wird in den nächsten Monaten, bis zum Aschermittwoch, als Schafhirte arbeiten und auch das Laub am Galgenberg wegkehren, so will es das Prinzenpaar der Freiwilligen Feuerwehr Untersiemau, ihre Lieblichkeit Paula I. von der Gossenberger Schmiedn (Paula Krempel aus Gossenberg) und seine Tollität Maximilian I. von der sonnigen Galgenhöh (Maximilian Packert aus Untersiemau).

Am Samstag um 11.11 Uhr übernahmen die Tollitäten mit ihrem Elferrat auf dem Rathausplatz die Amtsgeschäfte des Bürgermeisters und holten sich den Schlüssel des Rathauses.
Den sie erst zum Faschingsende wieder zurückgeben wollen. Dabei war des Öfteren der Schlachtruf der Untersiemau Narren ein dreifach kräftiges "Unter-Siemau" zu hören, und es regnete reichlich Konfetti. Der Bürgermeister erhielt einen Kehrbesen vom Prinzen , um das Laub am Galgenberg zu kehren. Sie wollen außerdem 16 Schafe anschaffen, um die drastische Begrünung am Schlossteich einzudämmen.

Dabei soll der Bürgermeister als Hirte die Schafe im Auge behalten. Die 16 Gemeinderäte, die zum Spinnen der Wolle und zum Stricken von Mützen und Socken ausgebildet werden sollen, übernehmen die Patenschaft für die Wolllieferanten. Das Prinzenpaar hat vollstes Vertrauen zum Bürgermeister und hofft, dass das Projekt Teich erfolgreich zu Ende gebracht wird.

Das Prinzenpaar überreichte dem Bürgermeister die traditionelle Wurstkette. Der Bürgermeister gab den Rathausschlüssel freiwillig heraus. In Reimen hofft er darauf , dass das Prinzenpaar in seiner Amtszeit jemand findet , der die umfangreiche Teichsanierung bezahlt. Der Bürgermeister ließ es sich aber nicht nehmen, auf dem Rathausplatz ein Tänzchen mit der Prinzessin zu absolvieren. Hierzu spielte eine Abordnung der Untersiemauer Musikanten auf.


Keine Gegenwehr

Auch die Amtszeit von Bürgermeister Tobias Ehrlicher in Bdd Rodach fand ein jähes Ende. Im Sturmlauf nahmen die Jecken mit Sitzungspräsident Herber Müller an der Spitze das Rathaus und zwangen das bisherige Stadtoberhaupt mit charmanter Unterstützung der Tanzgarde und einem kräftigen "Bommel, Bommel Helau" unmissverständlich mit Herausgabe der Rathausschlüssel.

Da Tobias Ehrlicher dieser Forderung unverzüglich nachkam, war die Übermacht gnädig bereit, dass er Wünsche an die neue Regierung herantragen durfte.

Zunächst stellte Tobias Ehrlicher erschrocken fest: "Ihr werdet immer fauler. Musste ich euch im letzten Jahr noch sagen, was ihr tun sollt, fragt ihr heute mich." Oben auf der Liste der Aufgaben, denen sich die Narren annehmen sollten, war der Gasthof "Goldener Löwe", hier ist nach Worten des ehemaligen Bürgermeisters schnell ein "gscheiter" Pächter zu finden. Aber auch der Ausbau der Staatsstraße 2205 ist ein Ziel, dass die neuen Machthaber verfolgen sollen.

Gern nahm die Bad Rodacher Faschingsgesellschaft die Anliegen in ihre Agenda auf, aber nicht ohne Hintergedanken. "Ganz ungeschoren kommt ihr mir nicht davon", meinte Herbert Müller und forderte die Stadtspitze mitb Zweiter Bürgermeisterin Christina Butterer und Dritter Bürgermeisterin Nina Klett sowie Tobias Ehrlicher auf, sich im fairen Wettstreit zu messen.


Auch nur mit Wasser gekocht

Zunächst galt es für die drei Kommunalpolitiken Wasser mit einem Kochlöffel zu transportieren. Allerdings beim "Pümpelwerfen" (neudeutsch auch Saugglocke genannt) galten keine Ausreden mehr. Schlimm wurde es als Herbert Müller die Protagonisten vor heimatkundliche Fragen stellte.

Hier offenbarten sich dermaßen große Wissenslücken, dass die drei Bürgermeister die Zeit des Ausruhens ruhig dafür nutzen können, im nächsten Jahr ein besseres Bild abzugeben. Neu war, dass die Rathausstürmung vor dem Amtsgebäude stattfand, um möglichsten vielen Bad Rodachern sowie den Gästen die Möglichkeit zu geben, das Spektakel aus der Nähe zu betrachten.