Drossenhausen
Autobahn

Raststätte: Muss es wirklich Drossenhausen sein?

Gegen die bei bei Drossenhausen (Landkreis Coburg) geplante Raststätte regt sich immer mehr Widerstand. Was für und gegen die Raststätte spricht.
Kritischer Blick: Auf den Langen Bergen, mit Blick auf die Veste Coburg, ist die Autobahnraststätte  "Coburger Land" geplant. Gerd Weibelzahl (Bild), Sprecher des ökologischen Verkehrsverbandes VCD, findet, dass  es deutlich bessere Standorte für die Raststätte gibt.
Kritischer Blick: Auf den Langen Bergen, mit Blick auf die Veste Coburg, ist die Autobahnraststätte "Coburger Land" geplant. Gerd Weibelzahl (Bild), Sprecher des ökologischen Verkehrsverbandes VCD, findet, dass es deutlich bessere Standorte für die Raststätte gibt.
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Die technischen Daten der geplanten Raststätte auf den Langen Bergen stehen schon seit Jahren im Raum: knapp 20 Millionen Euro Baukosten, 181 Pkw- und 64 Lkw-Stellplätze und rund 14 Hektar Flächenbedarf bei sechs Hektar komplett versiegelter Fläche. Doch über 13 Jahre nach der kompletten Freigabe der Thüringer-Wald-Autobahn für den Verkehr und sieben Jahre nach Abschluss eines Gestaltungswettbewerbs für die Raststätte "Coburger Land" hat sich noch nichts getan - wenn auch schon sämtliche für den Bau benötigten Flächen in der Hand des Bundes als Bauherr sind.

Während sich das Planfeststellungsverfahren seit einem Jahr in einem unveränderten Status einer Warteschleife befindet, formiert sich zunehmender Widerstand gegen den Bau der Tank- und Rastanlage. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten rund um die Raststätte.

Warum soll die Raststätte überhaupt gebaut werden? Nach den Grundsätzen für die Standortwahl von Serviceeinrichtungen an Autobahnen liegen die angestrebten Abstände von Tank- und Rastanlagen zwischen 50 und 80 Kilometern, Parkplätze mit WC-Anlagen sollen alle 15 bis 20 Kilometer erreichbar sein. Der etwa 15 Kilometer von Drossenhausen entfernte Parkplatz "Coburger Forst" wurde 2007 eröffnet. In Fahrtrichtung Suhl liegt der nächste Parkplatz von Drossenhausen aus 11 Kilometer nördlich von Eisfeld. Die Tank- und Rastanlage "Geraberg" an der A 71 ist etwa 62 Kilometer entfernt, in Fahrtrichtung Nürnberg gibt es auf 125 Kilometern keine Raststätte. Zudem verweisen die Planer auf fehlende Parkplätze für Lkw entlang der gesamten A73.

Wie ist der Stand der Planungen für die Raststätte bei Drossenhausen? Vor fast genau einem Jahr ist die Online-Konsultation zum laufenden Planfeststellungsverfahren zu Ende gegangen. Seitdem: Funkstille. Auf Nachfrage hat die Regierung von Oberfranken bestätigt, dass es zu einigen Punkten der Planungen noch Klärungsbedarf gibt. Derzeit prüfe der Bauherr, die Autobahndirektion Nordbayern, die eingegangenen Einwendungen und Stellungnahmen. Es ist nicht auszuschließen, dass bei der Prüfung und der Abstimmung mit den Fachbehörden die Pläne noch einmal überarbeitet werden. Die Regierung hat bestätigt, dass eine Verbesserung des Hochwasserschutzes geprüft wird.

Was sind die Probleme beim Hochwasserschutz? Geplant ist die Entwässerung der Anlage über den Oertelsgraben. Der schmale Graben Richtung Lautertal bietet allerdings nur eingeschränkte Kapazitäten, um Wasser aus einem Starkregenereignis abzuleiten. Darauf hat unlängst auch der Lautertaler Bürgermeister verwiesen. "Wir haben von dieser Raststätte sehr wenig außer einer großen Menge Oberflächenwasser", sagte Karl Kolb im Kreistag. Infolge der Hochwasserereignisse im Sommer rund um Lautertal hat es bereits Gespräche zwischen der Autobahndirektion Nordbayern, der Gemeinde und dem Wasserwirtschaftsamt Kronach gegeben. Das hat die Autobahndirektion auf Anfrage bestätigt.

Was spricht noch gegen die Raststätte bei Drossenhausen? Umweltschützer kritisieren den exponierten Standort auf den Langen Bergen, weil es dort bislang nur wenige stark von Infrastrukturprojekten belastete Flächen gibt. Anwohner warnen insbesondere vor der Lichtverschmutzung durch eine Raststätte. Deshalb wurde der Ruf nach einer Simulation laut, bei der dargestellt wird, wie weit die Lichteinwirkung durch eine in Betrieb befindliche Raststätte geht.

Gibt es Alternativstandorte für eine Raststätte? "Auf jeden Fall", sagt Gerd Weibelzahl, Sprecher des Verkehrsclubs Deutschland (VCD). Aus Sicht der Wirtschaftlichkeit kann die Raststätte nach Ansicht des VCD jedenfalls nicht geplant worden sein. Denn wäre das der Fall gewesen, würde eine Raststation zwischen Nürnberg und Lichtenfels im Gespräch sein. Nach dem Obermaintal sinkt die Zahl der Fahrzeuge auf der Autobahn nach VCD-Angaben von rund 60000 auf etwa 30000. Nach dem Kreuz Lichtenfels werde es noch einmal weniger, da sich die Nachfrage nach Kronach, Coburg (über Untersiemau) und Coburg (über Ebersdorf) teilt. Zwischen Coburg und Eisfeld sind an normalen Tagen nur 15000 Fahrzeuge unterwegs - da haben viele Bundesstraßen in der Region eine höhere Belastung. Allerdings: Rund um Lichtenfels dürfte es schwer werden, eine geeignete Fläche für eine Raststätte zu finden.

Könnte die Raststätte an anderer Stelle im Landkreis Coburg entstehen? VCD-Sprecher Gerd Weibelzahl nennt zwei Stellen: den jetzigen Parkplatz "Coburger Forst" und die Gewerbeflächen nördlich der A 73 in Ebersdorf bei Coburg. Ganz problemlos sind aber beide nicht. Die Bevölkerung im Coburger Osten wäre grundsätzlich nicht glücklich mit einem Bau, weil dort die Lebensqualität mit der Autobahn und der Einflugschneise für die Brandensteinsebene eh schon eingeschränkt ist. Auf den ersten Blick machbarer scheint ein Standort bei Ebersdorf, wo auch die Landschaft durch diverse Bauwerke und Verkehrsinfrastrukturprojekte ziemlich belastet ist.

Im Internet existiert eine Petition gegen die Autobahn, die an Landrat Sebastian Straubel gerichtet ist. Was hat der Landkreis mit der Raststätte zu tun? Nichts. "Wir sind der falsche Ansprechpartner", sagt der Landrat und verweist darauf, dass der Landkreis nicht entscheiden könne, ob und wo die Raststätte gebaut wird. Hintergrund der Ausrichtung der Petition ist eher dieser: Auf der Plattform "Open petition" wird über die politischen Ebenen definiert, wie viele Unterschriften erreicht werden sollen: Gemeinde, Landkreis, Bezirk, Land oder gar Bund. Dennoch findet Gerd Weibelzahl im Falle der Raststätte die Herangehensweise als richtig: "Da es ein regionales Thema ist, erscheint es sinnvoll, wenn man zunächst auf Landkreisebene das dort gegebene Quorum erreichen will." Fachlich gesehen wäre die Bundesrepublik Deutschland der richtige Ansprechpartner, weil diese immer noch Eigentümer der Autobahn GmbH ist.

So schaut es mit der Petition aus

Online Die Petition gegen die Tank- und Rastanlage ist im Internet unter www.openpetition.de mit dem Suchbegriff "Drossenhausen" leicht zu finden.