Für die Risse im Sims hätte Martin Schweizer nicht in den Hubsteiger klettern müssen. Die sind vom Boden aus ganz gut zu sehen, denn das Sims verläuft über dem Seiteneingang im Ostflügel der Ehrenburg. "Das ist noch keine große Gefahr" sagt Schweizer über die etwa einen Zentimeter breiten Spalten im Sandstein. Der Restaurator und Steinmetzmeister begutachtet im Auftrag des staatlichen Bauamts die Fassade der früheren Stadtresidenz.

Steinreihe für Steinreihe fährt Helmut Holl von der Staatlichen Schlösserverwaltung in Bayreuth den Korb des Hubsteigers hinauf und hinunter. Martin Schweizer schaut, fühlt und nimmt gelegentlich einen Meißel zur Hand, um zu prüfen, wie fest der Stein noch sitzt. Zumindest das Stückchen, das er gerade in der Hand hat, sieht schon etwas bröselig aus: Sand staubt, als Schweizer darüber streicht. "Der Stein verliert das Bindemittel - das ist ein ganz normaler Prozess", erklärt er.


Ein Hubsteiger für Franken


Die Ostseite des Innenhofs sehe etwas besser aus als die Westseite, erläutert er. Denn auf der Westseite ist es schattiger, da trocknet der Stein schlechter ab und verwittert schneller. Doch ganz wird Schweizer zunächst nicht ums Schloss herum kommen: Der Hubsteiger steht nur noch am heutigen Donnerstagvormittag zur Verfügung. Die Maschine ist in Bayreuth stationiert und wurde eigentlich angeschafft, um Bäume auszusägen erzählt Holl. Davon zeugt auch die machetenförmige Säge im Steigekorb. "Wir haben aber auch schon Dächer gedeckt, und für die Fassadenbegutachtung sind wir in ganz Nordbayern unterwegs."

Bevor er die Ehrenburg abfuhr, war Holl mit dem Hubsteiger schon auf der Veste, am Naturkundemuseum und bei Schloss Rosenau.
Einmal im Jahr lässt das staatliche Bauamt die Sandsteinfassade untersuchen, weil sie "schon etwas in die Jahre gekommen ist", wie Baudirektorin Angelika Peetz erläutert, die Leiterin der Außenstelle in Coburg. Es hätten sich auch schon Teile aus der Fassade gelöst, die aber bislang zum Glück keine Passanten getroffen haben.


Sand in den Vasen


Innen hat Kastellan Willy Oberender zwei wachsame Augen auf die Ehrenburg. Es sind nicht nur Wind, Wetter und Luftverschmutzung, die ihr zusetzen. "Bei den Open-Airs vibrieren die Kronleuchter und klirren die Scheiben bei den extremen Bässsen", erzählt Oberender. Die Vasen würden schon mit Sand gefüllt, damit sie stehenbleiben. Inwieweit der Lärm auch der Fassade schadet, lässt sich freilich nicht sagen.

Dafür kennt Oberender einen anderen Angreifer: Taubenkot. Deshalb wird demnächst ein Teil der Ehrenburg eingerüstet, weil der Taubenschutz erneuert werden muss. "Sonst liegt dort der ganze Bürgersteig voll Taubendreck."

Für das Äußere des Schlosses ist das staatliche Bauamt zuständig, für das Innere die staatliche Schlösserverwaltung. Bauamt und Schlösserverwaltung arbeiten in Coburg eng zusammen, auch wenn sie bei unterschiedlichen Ministerien angesiedelt sind: Das Bauamt gehört zum Innen-, die Schlösserverwaltung zum Finanzministerium.

Die Schlösserverwaltung in Coburg "ist vier Dienststellen in einer", erläutert deren Leiter Manfred Fischer: Er und seine sechs Mitarbeiter verwalten die Coburger Landesstiftung, die Niederfüllbacher und die Scheref-Zieritz-Stiftung, die notleidende Senioren unterstützt. Was Liegenschaften angeht, ist die Außenstelle der Schlösserverwaltung zuständig fürVeste, Naturkundemuseum, Ehrenburg, Schlossbesitz Rosenau und das Staatsarchiv.