Knapp sechs Wochen bleiben also nur, um Ausstattungsentwürfe und Regiekonzept in klangvolle Bühnenwirklichkeit zu verwandeln. Am Anfang aber steht das Wort. Konzeptionsgespräch heißt die verbale Ouvertüre zum Probenauftakt - eine Art Mannschaftsbesprechung, bei der Regisseur und Ausstatter den Darstellern ihre Vorstellungen erläutern. Alessandro Talevi, im südafrikanischen Johannesburg geboren, beginnt mit einer Entschuldigung - der Entschuldigung, dass er dieses Konzeptionsgespräch auf Englisch führt, weil er sich erst wieder an die Kommunikation auf Deutsch gewöhnen müsse.

Worum es ihm beim "Barbier von Bagdad" geht, wird freilich rasch deutlich. "Very charming, but not perfect" - so beschreibt er den im Jahr 1858 in Weimar uraufgeführten Zweiakter, der eine Geschichte aus "Tausendundeiner Nacht" zum Thema genommen hat. Charmant, aber nicht perfekt - dieses amüsante Verwirrspiel um einen schwadronierenden Barbier und zwei verliebte junge Menschen namens Margiana und Nureddin.

Kostümskizzen

Eine Herausforderung nennt Talevi die Inszenierung und verrät, was ihn an diesem Werk mit seinem orientalischen Ambiente dennoch reizt: "It's so charming", sagt Talevi immer wieder. Und Bühnenbildner Tobias Hoheisel (in Coburg durch seine Ausstattung für Glucks "Iphigenie auf Tauris" im Herbst 2010 bereits bestens bekannt), gibt Einblick in sein Bühnenbild- und Kostümkonzept. Kostümskizzen zeigen den Darstellern, wie sie sich diese Figuren vorstellen können. Und für einen kurzen Blick auf die Bühnenbildentwürfe lässt Hoheisel einfach mal sein Smartphone mit einigen Fotos seiner Entwürfe kreisen.

Liebesseufzer mit Ohrwurm-Qualität

Dann geht's ans Kürzen. Anna-Sophie Brüning, musikalische Leiterin der Neuinszenierung, bespricht mit Regisseur Talevi und Korrepetitor Claudio Rizzi die notwendigen Striche - jenen Stellen, an denen auf Wiederholungen verzichtet werden kann im Dienste dramaturgischer Stringenz. Und plötzlich sind Regisseur und Sänger schon mitten in der ersten Probe. "Margiana, o Margiana" - der gesungene Liebesseufzer Nureddins hat eindeutig Ohrwurm-Qualitäten.


Sie bringen den "Barbiert von Bagdad" auf die Bühne des Landestheater


"Der Barbier von Bagdad":
Komische Oper von Peter Cornelius nach der gleichnamigen Erzählung aus "Tausendundeine Nacht"

Mitwirkende


Musikalische Leitung: Anna-Sophie Brüning
Inszenierung: Alessandro Talevi
Bühnenbild: Tobias Hoheisel
Kostüme: Tobias Hoheisel
Choreinstudierung: Lorenzo Da Rio
Dramaturgie: Susanne von Tobien

Der Kalif: N.N.
Baba Mustapha, der Kadi: Karsten Münster
Margiana: Julia Klein
Bostana: Gabriela Künzler
Nureddin: Thomas Volle
Abul Hassan Ali Ebn Bekar, der Barbier: Michael Lion

Termine

Sonntag, 21.04.2013 - 11:00 Matinee zur Premiere
Samstag, 27.04.2013 - 19:30 Premiere

Weitere Aufführungen

3., 9., Mai, 19.30, 14. Mai, 19.30 Uhr (Gastspiel in Fürth), 17., 22., Mai, 19.30 Uhr, 1., 11., 13. Juni, 3. Juli, 19.30 Uhr

Uraufführung

Der Barbier von Bagdad ist eine Oper in zwei Akten von Peter Cornelius. Er selbst verfasste auch das Libretto. Die Uraufführung fand am 15. Dezember 1858 am Hoftheater in Weimar statt. Am Pult stand Franz Liszt, dem Peter Cornelius das Werk zugeeignet hatte.

Hintergrund Textliche Vorlage ist die Geschichte des Schneiders aus der 34. Nacht der Sammlung "Tausendundeine Nacht". Auf dieser Basis entwarf der Kompnist als sein eigener Librettist zunächst einen Opern-Einakter, den er auf Anraten von Liszt zu einem abendfüllenden Zweiakter umarbeitete. Legendär ist der Misserfolg der Uraufführung 1858 unter Leitung von Franz Liszt in Weimar, der sich eigentlich gegen den Dirigenten widmete. Dieser Misserfolg prägte jedoch die Rezeptionsgeschichte nachhaltig negativ. Auch mehrere Bearbeitungsversuche und Neuinstrumentierungen im Stile Wagners (Felix Mottl 1884, Hermann Levi 1885) konnten daran nichts ändern. Erst mit der späten Wiederaufführung der Urfassung (1904 in Weimar) setzte sich das Werk auf den Bühnen durch.

Alessandro Talevi stellte sich im Januar 2012 mit Janáceks "Katja Kabanowa" erstmals in Coburg vor. Der junge Opernregisseur gilt speziell in London längst nicht mehr als unbekanntes Talent. Der im südafrikanischen Johannesburg geborene Künstler hat bereits an hochkarätigen Häusern gearbeitet. Ob Kapstadt, Tel Aviv oder Leeds: die Opernhäuser, an die Alessandro Talevi eingeladen wird, werden immer größer und prominenter. 2007 erhielt Talevi für seine Konzeption der Oper "Rusalka" den Europäischen Opernregie-Preis in Wiesbaden, wo Coburgs Intendant Bodo Busse auf ihn aufmerksam wurde. 2008 fand sich Talevis Inszenierung von "Pelléas et Mélisande" am Londoner Sadler's Wells Theatre auf der Nominierten-Liste für den Royal Philharmonic Society Award.

Tobias Hoheisel Seit 1982 ist Tobias Hoheisel als freier Bühnen- und Kostümbildner für Oper und Schauspiel tätig, Engagements führten ihn beispielsweise an die Opernhäuser in Berlin, Wien, Brüssel, Paris, Chicago, New York, Los Angeles, Rio de Janeiro, Mailand, Barcelona, Glyndebourne, Hamburg, München und zahlreichen internationalen Festivals. Für Hans Werner Henzes "Boulevard Solitude" am Royal Opera House Covent Garden wurde er 2001 mit dem "Laurence Olivier Award" ausgezeichnet. am Landestheater entwarf er die Ausstattung für die Inszenierung von Glucks "Iphigenie auf Tauris" im Herbst 2010.