"I am what I am." Ich bin, was ich bin. Männlich, weiblich, im fließenden Übergang, in glitzernder Show-Welt, als Welthit, privat, in der Familie. Aufklärerisch, gar provokant ist Jerry Hermanns 1983 uraufgeführtes Musical "Ein Käfig voller Narren" um das langjährige Homosexuellen-Paar George und Albin, das Georges Sohn Jean-Michel zum Liebesglück mit der Tochter eines erzkonservativen Politikers verhelfen will, nicht mehr, zumindest in Deutschland. Hier, sagt der Regisseur Holger Hauer, wirkt es vor allem als "tiefes Familienstück mit dem Plädoyer: Liebt eure Kinder, kümmert euch um sie."

Als solches will zumindest er es auf die bewährten Musical-Bretter des Landestheaters Coburg bringen. Premiere ist am Samstag.
Aber sicher doch, bei aller Betonung des Menschlichen selbstverständlich mit prächtiger Showbühne, auf der Albin, genannt Zaza, seine Transvestiten-Nummern gibt, und hoffentlich mit bestens getimten Gags.

Holger Hauer, selbst renommierter Musical-Darsteller und bekannt aus diversen Fernsehrollen, wurde jetzt bereits zum zweiten Mal zu Hilfe nach Coburg gerufen. Musste er anfangs der Saison schon kurzfristig die Herausforderung "Me and My Girl" stemmen, so kam auch für "La Cache aux Folles", so der Titel des 1978 zunächst als italienisch-französische Filmkomödie erschienenen Welterfolges, der vorgesehene Inszenator abhanden, die Leipziger Operndirektorin Franziska Severin. Das nächste Mal wird er aber dann zur Abwechslung mal von vorne herein eingeplant, hat ihm Intendant Bodo Busse in Aussicht gestellt.

Doch zunächst zu George und Zaza, die ihr etwas unkonventionelles Heim für den Antrittsbesuch von Jean-Michels Schwiegervater in spe zur Trutzburg bürgerlicher Moral gestalten müssen, einschließlich treusorgender Mama. Sollte das etwa ein Problem sein für Zaza?

Nicht nur der Tuntenspaß

Holger Hauer musste in ein bereits bestehendes Konzept springen, konnte aber noch so weit Einfluss auf die Bühnengestaltung von Thomas Gabriel und die Kostümentwürfe von Sven Bindseil nehmen, dass er das Musical so umsetzen kann, wie er es sich erträumt. "Wir bleiben im ursprünglichen Umfeld, in St. Tropez." Der Spaß bei den Proben hat sich mittlerweile so weit verselbständigt, dass Roland Fister, der musikalische Leiter der Produktion, nur noch französelnd "Roló" gerufen wird.

"Bei aller Leichtigkeit und Farbenpracht der Show, bei aller Comedy, auf deren Präzision ich großen Wert lege", betont Holger Hauer, verfolge er vor allem "die Fragen, was ist normal, was ist unnormal, wo muss das Andere akzeptiert werden, worum geht es tatsächlich im Leben." Er will das Lachen wie das Weinen, Hauer möchte Komödientheater, das über allem Gelächter, über den Tuntenspaß hinaus, tief berührt.

Und eben das stecke in Jerry Hermanns sehr stimmiger Musical-Partitur. "Er hat es verstanden, das Leichte und Schöne, das Humoreske gepaart mit Liebe und Sehnsucht nach Zusammengehörigkeit in Noten zu packen".
Wieder einmal ist für diese Produktion das Haus am Schlossplatz intensiv gefordert, von den Werkstätten, die in Bühne, Kostüm und Maske schillernde Farbenpracht hervorbringen müssen, über das Ballett, dem vier Gäste tanzend, singend und choreografierend (Jörg Ortmann mit einer eigenen Steppnummer) beispringen, bis zu den eigentlichen Darstellern aus dem Schauspielensemble, die wieder einmal unter Beweis stellen dürfen, was sie auch gesanglich auf dem Kasten haben: allen voran Stephan Mertl als ganz normaler Homo George und: Niklaus Scheibli als Zaza. Es spielt das Philharmonische Orchester des Landestheaters.

Zaza in ihrer zentralen Rolle als Mutter