Führungswechsel bei der CSU in Coburg: Kurt Knoch ist am Dienstagabend zum neuen Vorsitzenden des Kreisverbands Coburg-Stadt gewählt worden. Der 37-Jährige tritt die Nachfolge von René Boldt an.

Zur mit Spannung erwarteten Kampfabstimmung zwischen Knoch und Boldt kam es aber gar nicht: Boldt hatte in der Versammlung überraschend angekündigt, sich nicht mehr zur Wahl zu stellen.

"Faule Sau"

"Ich mag nicht mehr", sagte René Boldt in einer emotionalen Rede und zeigte sich maßlos enttäuscht von allerlei Vorkommnissen in der jüngeren Vergangenheit. So sei er etwa von eigenen Parteifreunden als "faule Sau" beschimpft worden, weil er ja angeblich nur "der Kohle wegen" in den Bundestag wollte.

Boldt spricht von "Heckenschützen"

Boldt berichtete außerdem von diversen Intrigen gegen ihn und sprach wörtlich gar von "Heckenschützen". Mit seinem Rückzug wolle er der CSU eine "Entscheidungsschlacht" ersparen, die die Gräben weiter vertieft hätte - und er wolle damit auch sich und seine Familie schützen: "Ich will einfach wieder einmal unbeschwert lachen können." Ein kleiner Teil der im Kongresshaus versammelten CSU-Mitglieder erhob sich nach Boldts Rede von den Plätzen und applaudierte.

Solo für Kurt Knoch

Kurz später wurde gewählt - mit Kurt Knoch als einzigem Kandidaten.

Auf Knoch entfielen 63 Ja-Stimmen. Es gab 21 Gegenstimmen.

In seiner Bewerbungsrede hatte Kurt Knoch zuvor für einen "Neuanfang" in der Coburger CSU geworben.

Hintergrund: Wer ist wer?

Kurt Knoch Der heute 37-Jährige wurde 2005 zum stellvertretenden Vorsitzenden des CSU-Ortsverbands Coburg-Nord gewählt. Seit 2014 gehört Knoch dem Stadtrat an, und zwar für die "Jungen Coburger", die mittlerweile eine Fraktionsgemeinschaft mit der CSU eingegangen sind. 2021 übernahm Kurt Knoch den Vorsitz in Coburg-Nord.

René Boldt Der langjährige Büroleiter des Bundestagsabgeordneten Hans Michelbach war seit 2017 Vorsitzender des CSU-Kreisverbands Coburg-Stadt. 2020 schaffte er die Rückkehr in den Stadtrat, dem er bereits von 2008 bis 2014 angehört hatte (damals noch für die "Jungen Coburger", die zu einem Großteil aus Mitgliedern der CSU-Nachwuchsorganisation Junge Union besteht). Im Mai 2021 musste Boldt eine schmerzhafte Niederlage einstecken: Bei der Wahl eines neuen CSU-Direktkandidaten im Bundestagswahlkreis Coburg/Kronach unterlag er Jonas Geissler. Jetzt zieht sich Boldt vom CSU-Kreisvorsitz zurück. Den Vorsitz im Ortsverband Coburg-Süd will er behalten.