"Sie war ein Kind der empfindsamen Biedermeierzeit, die ,Grünethal-Gesellschaft‘. Heimat- und Naturliebe, Freude an Musik und Theater, angenehme Unterhaltung und Geselligkeit hat die ersten Mitglieder droben im ,Grünen Tal‘ zusammengeführt." So beschreibt es der Neustadter Heimatschriftsteller Emil Herold in seinem Beitrag für die "Festschrift zur Hundertjahr-Feier am 19. Dezember 1919", die "wegen allerlei widriger Verhältnisse" erst im Februar 1927 erschienen ist. Auch ein Rückblick in die Zeit des 75-jährigen Bestehens (2. November 1895) zeigt, dass die Mitglieder der Grüntal-Gesellschaft es sehr gut verstanden, das gesellschaftliche Leben im Grüntal stets hochzuhalten und zu fördern. Theaterabende, italienische Nächte, Künstlerkonzerte, Faschingsfeste und andere Geselligkeiten zogen nicht nur die Mitglieder an. So erzählt uns die Festschrift zur Hundertjahrfeier, dass auch eine Anzahl feuchtfröhlicher Sonneberger zwei bis drei Mal wöchentlich Gäste waren. Selbst aus Coburg kamen fast jeden Samstag Freunde des Grüntals, die die "Sonnabendskneipe" mit verschönten, von der sie gewöhnlich erst am Sonntag früh wieder zurückfuhren.

Jetzt, im Jahr 2019, steht das 200. Gründungsjubiläum dieser Gesellschaft an. Zwar hat sie derzeit nur 32 Mitglieder, aber die Grüntal-Gesellschaft behauptet sich immer noch als ein lebendiger Verein. Wöchentliche Herrenabende, monatliche Damenkränzchen, jährliches Stammtischjubiläum, Fischessen, Stiftungsfest und Ausflüge gehören nach wie vor traditionell zum Jahresprogramm. Die Jubiläumsveranstaltung soll am 8. November mit einem gemütlichen Beisammensein, das mit Filmbeiträgen früherer Veranstaltungen aufgelockert werden soll, sowie einem Festabend am darauffolgenden Samstag, 9. November, im Gesellschaftshaus Grüntal würdig begangen werden.

Wenn auch das Jahr 1819 als Gründungsjahr der "Grünetalgesellschaft" herangezogen wird, kann mit Sicherheit davon ausgegangen werden, dass sich schon viele Jahrzehnte vorher Neustadter Bürger am und im Muppberg zusammengefunden haben, um Geselligkeit zu pflegen, zu essen, zu trinken und bei allerlei Gesprächen ihr Pfeifchen Tabak zu schmauchen. Der Neustadter Chronist und Pfarrer Albert Greiner (1868 - 1945) berichtet jedenfalls in seinem II. Band der "Geschichte der Stadt und Pfarrei Neustadt - Herzogtum Coburg -" davon, dass solche Begebenheiten schon in den 1730er Jahren stattgefunden haben. Allerdings schlossen sich vor allem im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts Männer und Frauen der "gebildeten Stände" Neustadts zu einer Vereinigung zusammen, welche am Fuße des Muppbergs im Grünental (im hinteren Bereich des heutigen Schützenplatzes) an den Sonntagen im kühlen Schatten der Buchen und Eichen ihre Nachmittage und Abende verbrachten. Schriftführer Rudolf Künast berichtet in seinem Beitrag über die Geschichte des Grüntals in der Festschrift zum 100. Jubiläum unter anderem, dass das Lob des "grünen Tales" hinaus in die Nachbarstädte Coburg und Sonneberg drang, so dass es sich bald des Rufes einer angenehmen und vornehmen Erholungsstätte erfreute. Und weiter: "Besondere Wertschätzung genoss die Gesellschaft bei dem erlauchten Coburger Fürstenhause. Sie fand ihren Ausdruck in öfteren Besuchen des regierenden Herzogs Ernst I. und der Mitglieder seiner Familie. Vor allem erzeigte die Herzogin Augusta dem ,grünen Tale‘ ihre fürstliche Huld. Fast allwöchentlich kam sie nach Neustadt und veranstaltete Kaffeeunterhaltungen."

Zum Schutze gegen Unwetter und als Aufenthaltsort bei kühlerem Wetter diente ein einfaches Holzhäuschen. Dies entsprach aber im Laufe der Zeit nicht mehr den Bedürfnissen. Außerdem hatte man "von diesem Ort aus keine Aussicht auf das kleine Städtchen und die umgebende liebliche Landschaft". Der Kaufmann Gottlieb Friedrich Holzhey, der in den Jahren 1819/1820 als erster Vorsitzender in den Vereinsannalen geführt wird, bat daher am 9. August 1819 im Namen der "Gesellschaft im grünen Thal" den Coburger Herzog Ernst I. um ein Grundstück "auf dem sandigen Hügel oberhalb des Grünentals, um ein leichtes, hölzernes Gebäude aufführen zu können, in welchem Tanz und Scheibenschießen abgehalten werden könne". Nachdem das Herzogliche Forstamt eine befürwortende Stellungnahme abgegeben hatte, stimmte auch die Herzogliche Landesregierung am 3. Februar 1820 dem Gesuch zu.

Grunderwerb und Erweiterungen

Somit galt das Jahr 1819, in welches die ersten Grundstücksverhandlungen mit der Herzoglichen Staatsregierung fallen, in der Folgezeit als das Geburtsjahr der heutigen "Grüntal-Gesellschaft". Weitere Grunderwerbe zur Anlage eines Gartens sowie zur Erweiterung erfolgten 1822 und 1835. In der Überlassungsurkunde aus dem Jahre 1835 taucht anstatt "Gesellschaft im grünen Tal" der Name "Eintracht" auf. Diese Bezeichnung änderte sich am 30. Oktober 1836 in "Casinogesellschaft", aus der sich in der Folgezeit eine "Vereinsgesellschaft" bildete. Zum 1. Juli 1849 wurde diese aufgelöst mit der Folge, dass das Grüntalgebäude am 7. Juli 1849 zum Verstrich kam. Hofadvokat Eichhorn erwarb es für 755 Gulden. Bereits am 25. Juli 1849 verkaufte er es an die neugegründete "Grüntalgesellschaft".

Das 50. Jubiläum bereiteten der Förster A. Florschütz, der Kaufmann Ferdinand Köhler und der Assessor A. Florschütz vor. Es wurde am 8. Juli 1869 begangen und bildete einen glanzvollen Höhepunkt in der Geschichte der "Grüntal-Gesellschaft". Vorher waren so manche Schwierigkeiten zu überwinden. Die Gesellschaftslokalitäten befanden sich in einem "höchst defektem Zustand". Da die Kasse den für die erforderliche Restaurierung benötigten Betrag nicht aufbringen konnte, wurden unter den damals 42 Mitgliedern freiwillige Gaben gesammelt. Ein humorvolles, aber sinniges Mitgliederanschreiben, verfasst vom Vorbereitungskomitee, bewirkte das stattliche Sammlungsergebnis von 50 Gulden und 45 Kreuzer. Dennoch wurde durch das Jubiläum ein großes Loch in die Vereinskasse gerissen.

Umbau und 75. Stiftungsfest

Erneut erfolgte 1895 ein Umbau, da sich die Räume nicht mehr als zeitgemäß erwiesen. Mit der Einweihung am 2. November 1895 wurde zugleich auch das 75. Stiftungsfest gefeiert. Unter dem Vorsitz von Max Oscar Arnold nahm es einen glänzenden Verlauf. Im selben Jahr wurde eine neue Satzung beschlossen und die Grüntal-Gesellschaft erhielt den Status einer "Juristischen Person Herzoglichen Rechts". Nachdem 1898 weitere Grundflächen erworben werden konnten, wurde das Haus erneut umgebaut. Weitere bauliche Maßnahmen erfolgten in den Jahren 1906 und 1907.

Einen herben Rückschlag erlitt die Grüntal-Gesellschaft, als durch einen Brand am 14. September 1908 das Haus bis auf die Grundmauern niederbrannte. Aber schon zum 90. Stiftungsfest am 7. November 1909 konnte der Neubau an gleicher Stelle eingeweiht werden.

Ein absoluter Höhepunkt ist die Feier "Hundert Jahre Grüntal" am 29. Dezember mit einem Konzertabend, und am 30. Dezember 1919 mit einem "Hauptfesttag" gewesen. Unter den Mitgliedern muss seinerzeit eine schier unbeschreibliche Begeisterung und Vereinsfreude zur Grüntal-Gesellschaft vorhanden gewesen sein. Ein besonderer Glanzpunkt des Konzertabendes war die Teilnahme des Coburger Herzogspaares, Herzog Carl Eduard und Herzogin Viktoria Adelheid.

Festmenü

Am darauffolgenden Hauptfesttag gab es für zwölf Mark ein Festmenü, bestehend aus Jubiläumssuppe, Karpfen blau mit Meerrettich, Butter und Kartoffeln, Rehbraten mit rohen Klößen und Krautsalat, Butterbrot mit Käse und Äpfel zum Nachtisch. Das war nach der schwierigen Zeit nach Ende des Ersten Weltkrieges durchaus nicht selbstverständlich, wie aus dem Festbericht von Rudolf Künast hervorgeht: "Ein goldener Lobstrich aber gebührt unserem Ökonomen und Kassierer, dem Kaufmann Christian Stolle, der, immer in treuer Kameradschaft mit dem Schriftführer, weder Zeit noch Mühe scheute, um die notwendigen Lebensmittel rechtzeitig zur Stelle zu bringen."

Die Folgen des Ersten Weltkrieges, die Weltwirtschaftskrise zum Ende der 1920er und im Verlauf der 1930er Jahre, der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegszeit brachten auch das gesellschaftliche Leben der Grüntal-Gesellschaft mitunter fast zum Erliegen. Während die traditionellen Herrenabende weiterhin Bestand hatten, entfielen auch diese ab 1944. In diesem Kriegsjahr belegte die Deutsche Wehrmacht das Grüntal und nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde es von der amerikanischen Armee genutzt.

14 Pächterwechsel

Erst mit der ersten offiziellen Veranstaltung der Grüntal-Gesellschaft nach dem Krieg am 14. Juni 1949 flammte das Vereinsleben wieder auf. Mit 17 Neuaufnahmen schnellte der Mitgliederstand auf 39, der im Jahre 1980 mit 65 Grüntalern seinen Höhepunkt erreichte. Nun fanden wieder regelmäßig fröhliche Feste, Herrenabende, Damenkränzchen und gemeinsame Ausflüge statt. Problematisch und finanziell schwierig waren für die Grüntal-Gesellschaft 14 Pächterwechsel zwischen 1970 und 2008, die Erhaltung der Bausubstanz, die Umgestaltung des Gesellschaftshauses mit Gast- und Wirtschaftsräumen einschließlich der Pächterwohnung.

Wie aus Gesellschaftskreisen zu hören ist, steht im 200. Jubiläumsjahr eine intensive Mitgliederwerbung im Vordergrund. Vorsitzender Jürgen Engelhardt und seine Vorstandskollegen Jürgen Knorr, Andreas Grosch und Peter Dietz haben sich dies jedenfalls "auf die Fahnen geschrieben". Grundsätzlich können alle, die Interesse am Vereinsgeschehen sowie an einer guten und gepflegten Unterhaltung haben, aufgenommen werden. Eine Besonderheit bei den "Grüntalern" laut Satzung ist, dass die Beschlussfassung über die Aufnahme im Wege der "Kugelung" erfolgt. Zu diesem Zwecke werden jedem in der Hauptversammlung anwesenden ordentlichen Mitglied eine weiße und eine schwarze Kugel ausgehändigt. Die Abgabe erfolgt in eine verdeckte Urne. Als aufgenommen gilt, wenn mindestens drei Viertel der in die Urne gelegten Kugeln weiße sind.

Quellen:

• Festschrift zur Hundertjahr-Feier der Grünthal-Gesellschaft Neustadt b. Coburg am 19. Dezember 1919

• Geschichte der Stadt und Pfarrei Neustadt - Herzogthum Coburg - II. Band

• Chronik der Jahre 1900 bis 2000