Coburg
Konzert

Nice Ferreira als Bossa Nova-Sängerin im Contakt

Die in Oberfranken längst beheimatete Brasilianerin Nice Ferreira umarmte im voll besetzten Contakt liebevoll ihr Coburg.
Nice Ferrreira im Bossa Nova-Feeling beim stimmungsvollen Konzert im Contakt. Foto: Carolin Herrmann
Nice Ferrreira im Bossa Nova-Feeling beim stimmungsvollen Konzert im Contakt. Foto: Carolin Herrmann
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Brasilien und die Vestestadt - da werden Verbindungen behauptet, erspürt, gelebt, die man nicht ohne weiteres erwarten würde. Eine dieser ungewöhnlichen Beziehungen ist die von Nice Ferreira/Nini Beyersdorf, die hier seit 2003 lebt. Rund ums Sambafestival, da ist ihre stimmungsprägende Rolle bekannt und geschätzt. Dass die "temperamentvolle Brasilianerin" - Brasilianerinnen haben zwanghaft temperamentvoll zu sein - auch ein Leben als anerkannte Bossa Nova-Sängerin hat, demonstrierte sie am Sonntag in der Reihe Kultur im Contakt, das erwartungsgemäß gestopft voll war.

Ähnlich wie bei ihrem Auftritt auf der Waldbühne Heldritt vor gut anderthalb Jahren nutzte sie die Gelegenheit, auf die weit umfassendere Kultur ihres Landes zu verweisen, die nicht nur aus wippenden Federbüschen, Fußball und Caipirinha besteht.
Ihr Streifzug durch die Geschichte des Bossa Nova seit den 50er Jahren brachte die politisch-gesellschaftliche Entwicklung Südamerikas ins Bewusstsein, vor allem aber auch den Einfluss dieser untergründiger pulsierenden musikalischen Stilrichtung auf den Jazz der letzten fünfzig Jahre.

Entstanden aus dem langsameren Samba in Kombination mit jazzigen Experimenten widmet sich der Bossa Nova eher den zartbitteren Lebensstimmungen über nach wie vor unwiderstehlich davon tragenden Rhythmen.

Ein anderes Lebensgefühl

Dem huldigend, ließ Nice Ferreira ihre drei versierten brasilianischen Begleiter und sich selbst in Stimme und Körper - denn der Tanz gehört ja unmittelbar dazu - mit befreiender Lässigkeit musikalisch atmen. Ihr zunehmend entspannteres Publikum zog sie erst singend, dann auch choreografisch animiert mit sich, etwa in Jorge Ben Jors weltberühmtem "Mas que nada", was so viel wie "was soll's" bedeutet.

Nice Ferreiras dunkle, dabei klar und in gleicher Intensität wirkende Stimme nimmt anstrengungslos weiten Raum ein, trägt schon nach kurzer Zeit über die oberfränkisch nasskalter Winterdüsternis hinaus in wärmere Gefilde. Im Duett mit ihrem souveränen Gitarristen, einmal auch unterstützt von Sohn Noah auf der Cajón, besingt sie das Lebensgefühl der "gut gemischten" brasilianischen Bevölkerung jenseits des tobenden Karnevals.

Einmal lässt sie sich zum großen jubelnden Überschlag hinreißen, zusammen mit der hier im Raum als Sängerin und Gesangspädagogin gut bekannten Alina Friedrich, als Gast an den Flügel gebeten. Die beiden sind ein fulminantes Duo mit dem Police- und Sting-Hit "Every Breath You Take".

Wie sehr Nice Ferreira Kontinente übergreifend in Coburg Heimat gewonnen hat, wird auch an diesem mitreißenden Beitrag deutlich. Jedenfalls gibt Ferreira mehrmals ihr Liebesbekenntnis ab zur Vestestadt, singt "für mich, für euch". - Servus, Coburg. Man glaubt es ihr und lächelt.