Die Mitglieder der Seniorenbeiräte der beiden Partnerstädte Neustadt und Sonneberg nehmen die momentane Corona-Krise zum Anlass, sich dazu gemeinsam zu positionieren. Eine Pandemie in dieser Größenordnung, die die gesamte Welt betreffe und bei der bereits unzählige Tote zu beklagen seien, hätte sich vor einem halben Jahr kaum jemand vorstellen können, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Dass die maßgeblichen Personen in der Bundesregierung und den Landesregierungen so schnell reagiert hätten, sei ein großes Plus gewesen. Aufgrund dessen hätten die Ansteckungen in Deutschland auf einem erträglichen Maß gehalten werden.

Stellung nehmen die Seniorenbeiräte von Neustadt und Sonneberg zu den unterschiedlichen Landesregelungen. Diese irritierten die Menschen zuweilen, heißt es. Das Virus habe auch vor den beiden Städten nicht Halt gemacht. Nur mit einer vereinten Anstrengung in der Region könne die Pandemie eingedämmt werden. Die unterschiedlichen Lockerungen gelte es im gemeinsamen Interesse zu überwinden.

Besorgnis in Bayern

Zur Information: Am Samstag wurden in Thüringen die Kontaktbeschränkungen aufgehoben. Die Landesregierung des Nachbarbundeslandes wolle sich stattdessen mehr auf die Eigenverantwortung der Bürger verlassen, hieß es zur Begründung. Das hat entsprechend auch der Bayerische Rundfunk gemeldet. Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) hatte die Entscheidung Ende Mai bekanntgegeben, was bei vielen Oberbürgermeistern und Landräten in Oberfranken zu Besorgnis geführt hatte. Im Landkreis Coburg setzen die Verantwortlichen jetzt auf einen engen Austausch mit den Kollegen in Thüringen, so auch die Gremien, die sich für die Interessen der älteren Bevölkerung einsetzen.

"Dass die Vorsichtsmaßnahmen der Pandemie zunächst in erster Linie auf die Risikogruppe, also Senioren und Menschen mit Vorerkrankungen abzielte, hat unserer Meinung nach bei Teilen der Bevölkerung zu Missverständnissen geführt", heißt es in der Erklärung der beiden Seniorenbeiräte. Es sollte in erster Linie Rücksicht auf die Risikogruppen genommen werden. Natürlich seien Menschen, die Vorerkrankungen haben, eher in Gefahr, sich anzustecken. Man müsse jedoch den Begriff "Vorerkrankungen" differenzieren: "Wenn jemand jahrelang mit einem Herzschrittmacher, einem Defibrillator, mit Asthma etc. problemlos oder nur mit kleinen Einschränkungen lebt, sich mit Corona ansteckt und daran stirbt, liegt dies mit Si-cherheit nicht an den Vorerkrankungen. Dass das Virus auch junge Menschen und Kinder betrifft, hat sich leider ebenfalls in den letzten Wochen gezeigt", schreiben die Vertreter der Gremien in ihrem Statement.

Die Seniorenbeiräte beider Städte nähmen mit Verwunderung und Sorge die "Spaziergänge" beziehungsweise Demos "gegen die Beschränkung der Grundrechte" wahr. Sie meinen dazu: "Niemand, aber auch gar niemand, hat uns irgendwelche Grundrechte dauerhaft genommen! Die Bevölkerung wurde lediglich aufgefordert und gebeten, gegenseitig Rücksicht auf Mitmenschen zu nehmen!" Natürlich sei ihnen bewusst, mit welchen Schwierigkeiten etliche Berufsgruppen, Gastronomen, Physiotherapeuten, Friseure - um nur einige wenige zu nennen - existenziell zu kämpfen hätten. Natürlich sei ihnen auch bewusst, dass einiges hätte anders laufen müssen.

Sie verstünden sehr gut, dass gerade Eltern, die im Homeoffice arbeiten und ihre Kinder betreuen, beispielsweise nicht einsähen, dass Fußballer wieder spielen, aber Kinder nicht in die Kita oder die Schule gehen dürfen.

Aus dieser Widersprüchlichkeit sollte nicht das vorbildliche Miteinander der Generationen von vielen dem Egoismus von wenigen weichen, meinen Renate Gretzbach für den Seniorenbeirat Neustadt und Johanna Hammerschmidt für den Seniorenbeirat Sonneberg.

Bitte, weiter zusammenzuhalten

Die Seniorenbeiräte der beiden Städte bitten die Menschen in der Region dringend darum, weiter zusammenzuhalten, sich an die Abstandsregeln zu halten und bei Einkäufen einen Mundschutz zu tragen. Die erreichten Erfolge sollten nicht leichtfertig aus Spiel gesetzt werden.

Sie schließen ihren Appell mit den Worten: "Als Neustadter und Sonneberger Seniorenbeiräte stehen wir vereint. Es gilt, die Pandemie gut durchzustehen. Gegenseitige Rücksichtnahme sollte für jeden Menschen selbstverständlich sein! Hieraus abzuleiten, dass uns dauerhaft Grundrechte genommen werden, ist falsch. Die Zukunft unserer beiden Städte lässt sich am besten im generationsübergreifenden Miteinander gestalten. Wir bleiben daran und werden uns weiter mit einbringen: Gemeinsam - Fränkisch - Stark!"