"Wir haben uns bisher etwas im Hintergrund gehalten, aber gegründet hat sich der Ethik-Beirat schon am 25. April 2012", erinnerte sich Margit Welscher, die Leiterin des Neustadter Seniorenwohnheimes, beim jüngsten Treffen des Beirates im Awo-Heim an der Sonneberger Straße.

"In Zukunft werden wir uns öfter zusammentun, einfach weil der Wille der Betroffenen immer mehr in den Vordergrund rückt", betonte Welscher. Es könne immer wieder Situationen geben, in denen zum Wohle eines Betroffenen diskutiert und entschieden werden müsste, beispielsweise über den Einsatz künstlicher Ernährung, über operative Eingriffe oder andere medizinische Behandlungen. Denn hier Patienten und Angehörigen zur Seite zu stehen, dafür ist der Beirat da.
Dazu sagte Gerhard Beyer, Notarzt und Neustadter Seniorenbeauftragter: "Vieles ist heute in der Medizin machbar und wir wollen bei ethischen Fragen weder die Patienten noch die Angehörigen alleine stehen lassen."

Viele Professionen vertreten

Für Roland Dietrich, Richter am Amtsgericht, ebenfalls Mitglied des Ethik-Beirates, ist es besonders wichtig, "dass im Beirat viele Professionen vertreten sind." Da gebe es dementsprechend verschiedene Sichtweisen, die zusammengeführt und im Sinne des Patienten bewertet werden würden. Wie schon Beyer zuvor, wies auch der Richter darauf hin, dass es medizinisch viele Möglichkeiten gibt, "aber es muss nicht alles gemacht werden." Ein Umdenken in der Ärzteschaft sei im Gange und zum Teil, vor allem bei den jüngeren Ärzten schon erfolgt. Demnach sei "immer der Wille des Patienten maßgebend".

Es gehe dem Ethikbeirat darum, ethische, medizinische, pflegerische, psychosoziale, spirituelle und rechtliche Gesichtspunkte zu besprechen, um eine tragbare Entscheidung zu ermöglichen. Selbstverständlich unterliegen alle Beteiligten der Schweigepflicht. Grundsätzlich wollen die Mitglieder des Beirates nicht nur für die Bewohner der Senioreneinrichtungen, sondern für alle Neustadter Ansprechpartner sein, wenn es um entsprechende Fragestellungen geht.

So läuft die Ethikberatung ab: Je nach Situation können sich Angehörige oder Betroffene über die Kontaktstelle an den Ethik-Beirat wenden. Ein Ort und Zeitpunkt eines Treffens werden vereinbart. Am Treffen werden möglichst alle an der Behandlung und Pflege beteiligten Personen anwesend sein. Ein Mitglied des Beirates wird die Unterhaltung moderieren. Dabei oder danach werden mögliche Wege aufgezeigt. Der Ethik-Beirat erstellt ein Protokoll mit Absprache der Beteiligten.

An insgesamt zehn Grundsätzen werden sich die Damen und Herren des Beirates orientieren. So heißt es etwa im zweiten Satz: "Grundlage ist das Wohl und der Wille, gegebenenfalls der mutmaßliche Wille des Bewohners beziehungsweise des Patienten." In diesem Zusammenhang erinnerte Roland Dietrich daran, dass es dringend geraten sei, eine Patientenverfügung vorliegen zu haben. Denn den "mutmaßlichen Willen" zu erkunden sei in der Regel nicht sehr einfach. Im vierten Satz heißt es: "Ethische Fallbesprechungen können kurzfristig auf Antrag der Betroffenen, ihrer Angehörigen sowie ihrer Therapeuten und Pflegekräfte im Awo-Seniorenzentrum oder im Familienzentrum schriftlich oder telefonisch angemeldet werden.

"Selbstverständlich ist der Einsatz aller Mitglieder des Ethik-Beirates ehrenamtlich. Deshalb werden auch keine Kosten für diese Fallbesprechungen entstehen", bemerkte Margit Welscher abschließend.

Sie sind der Ethik-Beirat

Mitglieder Dem Ethik-Beirat gehören an:
Thomas Altscher, Palliativmediziner, Gehard Beyer, Notarzt und Seniorenbeauftragter, Roland Dietrich, Richter am Amtsgericht, Hermann Götz, Betreuer, Klaus Grossmann, Seniorenbeirat der Stadt, Carmencita Hartwig, Hospizfachfrau, Elke Köhn, leitende Pflegekraft, Carmen Müller, Sozialpädagogin, Andre Oestreich, Palliativpflegefachkraft, Andreas Pöpperl, Palliativmediziner, Margit Welscher, Einrichtungsleiterin, sowie bei Bedarf Vertreter einer Glaubensrichtung.

Kontakt Erreichen kann man Mitglieder des Ethik-Beirats im Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt, Sonneberger Straße 27, Telefonnummer 09568/9421-0, e-Mail Anschrift awo.seniorenzentrum@awo-ofr-mfr.de
Oder über das Familienzentrum der Stadt Neustadt, Schützenplatz 1, Telefonnummer 09568/8918870, e-Mail Anschrift amilienzentrum@neustadt-bei-coburg.de