"Es geht nicht um die Reaktivierung!" Iris Gleicke, Bundestagsabgeordnete der SPD aus Schleusingen und früher Staatssekretärin im Verkehrsministerium, nennt das Problem beim Namen: Der Widerstand gegen einen Schienenlückenschluss zwischen Coburg und Eisfeld ist groß, weil damit immer noch die alte Werrabahnstrecke in Verbindung gebracht wird. Doch inzwischen gebe es ja eine Streckenvariante mit Tunneln bei Lautertal, die alle Häuser und Baugebiete an der alten Trasse dort unangetastet lasse. Erarbeitet hat diese Trasse das Karlsruher Büro TTK im Auftrag der beiden Industrie- und Handelskammern Coburg und Südthüringen.

Das Gutachten der TTK hatte einen Sturm der Entrüstung erregt, da in der ersten Variante Gebäude und Baugebiete in Lautertal und Dörfles-Esbach schlicht übersehen wurden. Die im Nachgang vorgelegte Streckenvariante verfüge immer noch über eine gute Kosten-Nutzen-Relation, sagt Gleicke.
Nun gehe es darum, den "Lückenschluss" zwischen Coburg und Südthüringen im Bundesverkehrswegeplan zu verankern.

Die beiden Bundesländer Bayern und Thüringen haben den Lückenschluss auf ihre Vorschlagslisten für den Bund gesetzt. "Wir wollen die Freistaaten bei ihren Bemühungen unterstützen", sagt Gleicke bewusst diplomatisch. Patricia Leistner-Hofmann von der IHK zu Coburg erläutert, warum: "Wir wollen den ICE-Systemhalt in Coburg." Die Gleichung lautet so: Den Systemhalt gibt es nur bei ausreichend hohem Fahrgastpotenzial, und das steht nur dann zur Verfügung,wenn auch die Südthüringer aus dem Raum Eisfeld-Hildburghausen bis nach Suhl und Oberhof mit dem Zug zum ICE fahren können. Das wiederum setzt freilich voraus, dass es nicht nur eine Schienentrasse von Eisfeld nach Coburg gibt, sondern auch einen entsprechend vertakteten Zugverkehr auf den Zubringerstrecken. Darauf wies gestern eindringlich Bernd Schlosser hin, der Vorsitzende von Pro Bahn in Thüringen.

In Coburg ist - eben wegen der Problematik in Lautertal - bislang nur von einem "Lückenschluss" die Rede, der genauso gut über Bad Rodach nach Hildburghausen führen könnte. Diese Variante wiederum will Sven Gregor verhindern, seit Juli 2012 Bürgermeister in Eisfeld (Freie Wähler). Denn diese Strecke sei wirtschaftlich gesehen gar nicht sinnvoll. Letztlich gehe es auch um eine langfristige Investition in die Zukunft. Denn bei steigenden Spritpreisen und alternder Bevölkerung brauche die Region ein gutes öffentliches Nahverkehrsangebot, sagt er. Beim nächsten Treffen Anfang Oktober soll dann auch Bürgermeister Hermann Bühling aus Lautertal mit am Tisch sitzen.