96 reguläre Feuerwehren, zwei Werksfeuerwehren, knapp 3000 Aktive - die Feuerwehren sind die wichtigste ehrenamtlich getragene Stütze für die Sicherheit der Menschen im Landkreis Coburg. Weil sich Manfred Lorenz zum Ende des Jahres aus dem Amt verabschieden wird, ist am Samstag ein neuer Kreisbrandrat gewählt worden. Es ist Stefan Püls (51), bislang Kreisbrandinspektor und stellvertretender Kreisbrandrat.

89 Prozent - da kann man schon zufrieden sein

Das Ergebnis für Stefan Püls konnte sich sehen lassen. Von 82 Kommandanten, die zur Wahl in die die Frohnlacher Kultur- und Sporthalle gekommen waren, schenkten ihm 73 sein Vertrauen. 89 Prozent Zustimmung, die den zuvor leicht angespannten Manfred Lorenz zufrieden stimmten: "Es ist so gekommen, wie ich mir das vorgestellt habe." Denn ein Kreisbrandrat, der brauche die Rückendeckung seiner Führungskräfte draußen bei den Wehren. "Nun können wir die Probleme, die anstehen, gestützt auf einer breiten Basis angehen", sagte Manfred Lorenz. Ein bisschen wird es noch dauern, bis der neue Kreisbrandrat das Kommando übernimmt: Die Amtszeit von Stefan Püls beginnt mit dem 26. Dezember.

Bis dahin will der neue Kreisbrandrat aber nicht warten, um die Weiterentwicklung der Feuerwehren im Coburger Land voranzutreiben. Bei seiner Vorstellungsrede deutete der aus Bad Rodach stammende Kandidat einige Punkte an, die er in Angriff nehmen möchte. So sollen - "noch bis Jahresende", kündigte Püls an - neue Zuständig- und Verantwortlichkeiten in der Feuerwehrführung entwickelt werden. Im Zentrum stehen dabei nicht nur die ICE-Strecke und die Autobahn als einsatztechnische Herausforderungen, sondern auch das Fachwissen der Aktiven in den Feuerwehren. Um da ein hohes Niveau zu sichern, will Stefan Püls den Fachbereich "Ausbildung" neu in die Aufgabenverteilung der Kreisbrandinspektion integrieren. Zudem habe er den Wunsch der Jugendwarte, künftig mehr Unterstützung zu bekommen, vernommen.

Der Nachwuchs lag Lorenz am Herzen

Ist der Wandel der Einsatz-Szenarien weg vom klassischen Brand hin zu technischen Hilfeleistungen schon seit Jahrzehnten wahrnehmbar, so rechnet der künftige Kreisbrand mit rasant sich verändernden Herausforderungen. So werde es im Zuge des Klimawandels künftig ähnlich wie im zurückliegenden Sommer immer wieder Hochwasser-Einsätze geben. Aber auch Waldbrände, sagte Püls. Da müsse man sich technisch darauf einstellen, denn: "Waldbrände finden nicht dort statt, wo wir große Städte und gut ausgerüstete Feuerwehren haben." Dazu komme die E-Mobilität, bei dem der Strom-Ladevorgang für die Autos in den privaten Garagen stattfinde - auch ein Sicherheitsrisiko der Zukunft.

Freitag, 9. Juli: HIER lesen Sie, wie die Feuerwehren im Coburger Land geschuftet haben

Um all das in den Griff zu bekommen, braucht es Personal. Da lag in den vergangenen zwölf Jahren ein Schwerpunkt der Arbeit von Manfred Lorenz. Da waren sich alle einig. "Er hat sich nicht nur darum gekümmert, dass Fahrzeuge angeschafft wurden, sondern auch viele Nachwuchskräfte akquiriert", sagte Landrat Sebastian Straubel (CSU/Landvolk), per Gesetz oberster Dienstherr der ehrenamtlichen Feuerwehren im Landkreis. Er zeigte sich froh, dass sich die Aktiven-Zahl nach einer heftigen Delle in den vergangenen Jahren wieder stabilisiert und der 3000-Marke ganz nah angenähert hat. Das sei wichtig, weil doch die Feuerwehren mit ihrer freiwilligen Struktur ein wichtiger Teil der Gesellschaft seien.

Was die Feuerwehr für die Gesellschaft leistet

Den Wert der Feuerwehren rechnete Sebastian Straubel insbesondere denen vor, die die körperliche Anstrengung und den Verlust an Freizeit beim Feuerwehrdienst unterschätzen: "Das ist eine Leistung, für die die Gesellschaft ansonsten Milliarden ausgeben müsste." Denn grundsätzlich, so steht es in den Gesetzen, ist der Feuerschutz eine Pflichtaufgabe der Kommunen, die für hauptamtlich organisierten Brandschutz auch ihre Bürger bezahlen lassen könnten, wenn diese Aufgabe nicht (mehr) von den Feuerwehren freiwillig übernommen würde.

Aber der Landkreis sowie die Städte und Gemeinden wissen das Engagement der Feuerwehren zu schätzen. Manfred Lorenz hatte es für seine Abschiedsrede extra mal aufgerechnet, was in den vergangenen zwölf Jahren alles angeschafft oder zumindest auf den Weg gebracht wurde. Das waren 71 Neuanschaffungen - von der einfachen Tragkraftspritze bis hin zu den Großtanklöschfahrzeugen, die schon bald im Froschgrund und in Bad Rodach stationiert werden. Insgesamt bezifferte Manfred Lorenz den Wert der Investitionen in die Sicherheit auf rund 13 Millionen Euro.