Als erste haben Elternbeirat und Lehrerkonferenz der Lutherschule Nein gesagt. "Wir sehen in der Umbenennung keine Notwendigkeit", kommentierte Schulleiterin Barbara Hannweber auf Anfrage des Tageblatts die Entscheidung. Sie bezieht sich auf ein Schreiben des Elternbeirats an die Schulleitung, formuliert vom stellvertretenden Vorsitzenden, Christian Müller, das auch den Mitgliedern des Kultur- und Schulsenats vorlag. "Wir schließen uns dem an, was er als Gründe für eine Ablehnung anführt", erläuterte Barbara Hannweber.


Bezeichnung entspricht gesetzlichen Vorschriften


Christian Müller verweist auf den Artikel 29, Absatz 1, Satz 1 des bayerischen Gesetzes über das Erziehungs- und Unterrichtswesen (BayEUG). Danach entspricht die Bezeichnung "Luther-Volksschule Coburg (Grundschule)" den gesetzlichen Vorschriften.



Einheitliche Benennung


Die Regierung von Oberfranken hingegen will daraus die "Luther-Grundschule Coburg" machen. Der Hintergrund: Mit der Änderung des BayEUG und der Einführung der Mittelschulen soll der Begriff "Volksschule" abgeschafft werden. Denn diese Bezeichnung impliziert, dass auch höhere Klassenstufen dort unterrichtet werden, was in der Praxis nicht mehr der Fall ist. Schulen, die Klassen bis zur vierten Jahrgangsstufe haben, sollen zukünftig nur noch als Grundschulen bezeichnet werden - und zwar einheitlich.


Ungeahnte Kosten


Eltern und Lehrer der Lutherschule finden das unnötig, weil ihrer Ansicht nach der Begriff "Volksschule" in den Namen integriert und der Zusatz "Grundschule" in Klammern eine weitere Modifizierung ist. Außerdem sei der identitätsstiftende Charakter des Schulnamens für die gesamte Schulfamilie von Bedeutung.
Doch nicht allein die Umbenennung sei das Problem, ergänzte Barbara Hannweber. "Unser großes Türschild muss neu gemacht, Briefköpfe und Siegel umgestaltet und unsere Homepage überarbeitet werden. Da kommen ungeahnte Kosten auf die Stadt als Sachaufwandsträger zu. Und wozu das Ganze?"


Nur Alibi-Funktion?


Das fragten sich auch die Mitglieder des Kultur- und Schulsenats, nachdem Schulamtsleiter Klaus Anderlik nur ein paar Kosten der Umbenennung genannt hatte. Demnach sind allein für ein neues Dienstsiegel 160 bis 180 Euro zu zahlen. Für neue Türschilder um die 400 Euro. Dennoch hatte die Verwaltung vorgeschlagen, eine Stellungnahme pro Regierungsvorschlag abzugeben. Denn um nicht mehr und nicht weniger als eine Stellungnahme ging es in der Senatssitzung. Gerhard Amend (CSB) wollte den Tagesordnungspunkt gar vollständig von der Tagesordnung streichen, weil seiner Ansicht nach die Stadt keine Entscheidungsgewalt und die Stellungnahme nur Alibi-Funktion hat.


Umbenennung völlig sinnlos


Ulrich Herbert (FDP) hält die Umbenennung für völlig sinnlos. "Auch Grundschulen sind Schulen für das Volk." Martin Lücke (SPD) regte an, bei Personennamen auch den Vornamen mit zu integrieren, wenn es schon mal ans Neubenennen geht. Obwohl Zweiter Bürgermeister Norbert Tessmer (SPD) betonte, dass die Umbenennung keine Idee der Verwaltung ist, stimmte er als einziger für die Beschlussvorlage.
"Was die Regierung von Oberfranken jetzt mit der Ablehnung macht, wissen wir nicht", sagte Klaus Anderlik zum Abschluss.



class="artZwischenzeile">
Neue Namen nach dem Willen der Regierung von Oberfranken

Alt
Volksschule Coburg-Am Heimatring

Volksschule Coburg-Creidlitz (Grundschule)

Jean-Paul-Volksschule Coburg (Grundschule)

Volksschule Coburg-Ketschendorf (Grundschule)

Luther-Volksschule Coburg (Grundschule)

Melchior-Franck-Volksschule Coburg (Grundschule)

Volksschule Coburg-Neuses (Grundschule)

Pestalozzi-Volksschule Coburg (Grundschule)

Neu
Grundschule Coburg-Am Heimatring

Grundschule Coburg-Creidlitz

Jean-Paul-Grundschule Coburg

Grundschule Coburg-Ketschendorf

Luther-Grundschule Coburg

Melchior-Franck-Grundschule Coburg

Grundschule Coburg-Neuses

Pestalozzi-Grundschule Coburg