Ein kommunales Ökokonzept zur "Biodiversität auf Gemeindeflächen" hat der Gemeinderat in seiner Sitzung am Donnerstag beschlossen. Es wurde von Frank Reißenweber im Auftrag des Arbeitskreises "Klima- und umweltfreundliches Lautertal" erarbeitet. Damit will die Gemeinde noch mehr ihrer Vorbildfunktion im Zuge der Umsetzung des neuen Bayerischen Naturschutzgesetzes bei der Bewirtschaftung ihrer kommunalen Flächen Rechnung tragen.

Wie Diplom-Biologe Reißenweber erläuterte, sind die Kommunen verpflichtet, ihre Flächen im Sinn der Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege ökologisch und artenschonend zu bewirtschaften. Das Konzept für die Kommune soll dazu beitragen, Zeichen zu setzen und die gesetzlichen Vorgaben als Mindeststandards anzusehen. Reißenweber wies auf die guten Ausgangspositionen im Coburger Land durch die schon seit langem bestehende erfolgreiche Arbeit des Landschaftspflegeverbandes hin. Es gelte, bereits Erreichtes zu optimieren, weiter auf möglichst extensive Landwirtschaft zu achten und unter anderem das Verbundsystem von Naturwäldern mit besonderer Artenvielfalt noch mehr zu entwickeln. Ränder an Feld-, Rad- und Wanderwegen sollten ebenso bewusst naturnaher gestaltet werden wie innerörtliche Grünanlagen und Wege. "Hier sollte man durchaus den Mut haben, geeignete Areale mal etwas wilder und naturnaher zu gestalten", empfahl der Diplom-Biologe.

Ein wichtiger Aspekt sei auch die Einbeziehung von Flächen zur Förderung über das Vertragsnaturschutzprogramm. Das Konzept enthält eine Vielzahl von konkreten Empfehlungen in den Fluren der einzelnen Gemeindeteile einschließlich des kommunalen Waldes und von Flächen zur Entwicklung des Ökolandbaues. Die Mitglieder des Gemeinderates zollten Frank Reißenweber hohe Anerkennung für seine umfangreiche und akribische Arbeit bei der Erstellung.

Der Gemeinderat Lautertal unterstützt - bei einer Gegenstimme - den Antrag des Tier- und Naturschutzvereines für Coburg und Umgebung, eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für freilaufende Katzen einzuführen. Die Verwaltung wurde mit der Erarbeitung eines Verordnungsentwurfes für die Gemeinde beauftragt.

Räte werden umgestimmt

Ursprünglich war im Beschlussvorschlag eine Ablehnung des Antrages formuliert. Doch das war vor der Wortmeldung des Gemeinderates und Tierarztes Bernd Wicklein, der die Situation des gesamten Problems aus seiner fachlichen Sicht erörterte. "Die ganze Diskussion rund um dieses Thema ist natürlich sehr emotionsgeladen", gab er zu verstehen. Während die meisten Katzen in großen Städten kastriert und gekennzeichnet (gechippt) seien, stelle sich der Sachverhalt im ländlichen Raum etwas anders dar. Viele Katzen lebten in Nebengebäuden und streunten umher. Daraus ergebe sich die Gefahr unkontrollierter Vermehrung und leider auch das Problem der Verwilderung von Hauskatzen mit den entsprechenden Konsequenzen. Ein unkastrierter Kater beanspruche beispielsweise ein rund zehnmal so großes Revier wie ein kastrierter. So komme es unter anderem zu Kämpfen mit gefährlichen Bissverletzungen und Infektionen. "Die Naturbelastungen durch verwilderte Katzen sind enorm", sagte der Veterinär. Man vermute in Deutschland etwa zwei Millionen verwilderte Katzen. So entstehe nicht nur ein gesundheitliches Problem bei Kontakten mit anderen Tieren. Zwischen 20 und 200 Millionen Singvögel würden von ihnen getötet oder verletzt. Es müsse etwas dagegen getan werden und zwar im Sinne aktiven Tierschutzes, so Wicklein weiter. Mit einem Chip ließen sich Tiere dem jeweiligen Besitzer zuordnen, und Ordnungsämter hätten eine ganz andere Handhabe. Somit empfahl Bernd Wicklein: "Wir sollten auf den Hilfeschrei des mit diesem Problem alleine völlig überlasteten Tierheimes und des Tierschutzvereines Coburg reagieren und einer Chip- und Kastrationspflicht für freilaufende Katzen zustimmen." Dem folgte der Gemeinderat in der Abstimmung.

Beraten und modifiziert wurde ein Vorentwurf für eine zweite Änderung des Flächennutzungsplanes von Lautertal. Wie Gemeindegeschäftsführer Hans Frieß erläuterte, bestehe der Bedarf, den Plan anzupassen. So würden beispielsweise Flächen für nicht störendes Gewerbe, aber auch für neue Baurechte freigegeben, andere für die Nutzung als Landwirtschaftsflächen zurückgesetzt, weil Eigentümer von Grundstücken nicht bereit gewesen seien, sie zu verkaufen. Die Verwaltung erhielt vom Gemeinderat den Auftrag, die weitere Entwurfsplanung zu erstellen.

Gemeinderätin Renate Kotschenreuther erinnerte daran, dass der Gemeinderat schon vor längerer Zeit die Beseitigung des Rondells an der Alten Schule Oberlauter beschlossen habe. Dazu sagte Hans Frieß, dass dies auch eine finanzielle Frage sei. Die Verwaltung werde eine Grobplanung erarbeiten und dem Gemeinderat vorlegen. Eine Lösung der Situation sei aber erst mittelfristig machbar.

Norbert Seitz bemängelte wieder einmal, dass sich an der Mobilfunk-Erreichbarkeit noch immer nichts geändert habe. "Wir haben schlechten oder gar keinen Empfang. Das gilt für Ober- und Unterlauter genauso wie für Tiefenlauter. Und das, obwohl wir wieder den Bau und die Inbetriebnahme eines Mobilfunkmastes zur Kenntnis nehmen mussten. Hier muss endlich beim Betreiber mal richtig Druck gemacht werden", forderte er. Bürgermeister Karl Kolb sicherte eine entsprechende Kontaktaufnahme mit dem Anbieter zu.

Martin Flohrschütz machte auf erhebliche Aktivitäten der Biber aufmerksam. Im gesamten Revier falle enorm viel Totholz an, das beseitigt werden müsse. Die Gemeinde werde sich im Rahmen der Festlegungen über den Biberbeauftragten des Landratsamtes darum kümmern, erklärte Bauamtsleiter Peter Welz. Ortssprecher Udo Oppel empfahl, am Mehrgenerationenspielplatz einen Trinkwasserbrunnen aufzustellen. Bürgermeister Karl Kolb dankte für den Vorschlag.

Dritter Bürgermeister Hans Rauscher erinnerte an den Gemeinderatsbeschluss zum Bau eines Gehweges von der Apotheke bis zum Kreisel Unterlauter und fragte nach dem Stand der Planungen. Die seien in Vorbereitung, sagte Bürgermeister Karl Kolb. Eine Umsetzung sei erst 2021 machbar, zumal die Regierung erst für diesen Zeitraum die Fördergelder von 60 Prozent in Aussicht gestellt hatte. Bauamtsleiter Peter Welz gab zu verstehen, dass die entsprechenden Anträge zeitnah gestellt würden.