Die nächsten Monate ist Weitramsdorf wieder fest in närrischer Hand. Mit dem traditionellen Rathaussturm und der Schlüsselübergabe hat der Karnevalsverein Weidach (KVW) symbolisch die Führung der Gemeinde übernommen.

Am Freitag um 19.11 Uhr liefen die Gardemädchen des KVW in den Festsaal des Rathauses Weitramsdorf ein. Die nächsten 66 Tage - bis zum Aschermittwoch - regiert in Weidach und Weitramsdorf der KVW.

Das war laut Sitzungspräsident Christian Brettschneider auch höchste Zeit. In seiner Rede machte er deutlich auf die aktuelle Situation in Weitramsdorf aufmerksam. Die neue Regierung sei laut Christian Bretschneider, der das Amt des Sitzungspräsidenten schon im vierten Jahr bekleidet, zu unscheinbar. "Weitramsdorf in der Presse, da tut man sich schwer", brachte es der 34-jährige Weidacher in seiner Festrede auf den Punkt.

Brettschneider ist sich bewusst, dass Veränderungen Zeit brauchen. "Aber irgendwann muss auch etwas passieren." Als Beispiele nannte er die Feuerwehr in Weitramsdorf und die nicht existierenden Einkaufsmöglichkeiten im Ort. So ist von einer Umgestaltung der Tegut-Ruine genauso wenig zu erkennen wie von dem geplanten Dorfladen.

Für Christian Bretschneider ist der Karneval die ideale Zeit, um auf ironische Weise auf die "Unfähigkeit der Politiker" hinzuweisen. "Noch schlimmer als schlechte Entscheidungen zu treffen, ist, sich gar nicht zu entscheiden", sagte er am Rande der Festsitzung. Er räumte aber auch ein, dass es in einem großen Regierungsbezirk mit 5000 Einwohnern nie einfach sei, alle zufriedenzustellen.

Die deutlichen Worte hat sich Christian Brettschneider in den letzten Tagen zu Hause überlegt. "Ich denke mir die Rede kurzfristig aus, damit sie möglichst aktuell ist", erklärte er. Ausnahmsweise ohne Politik soll es am 17. Januar 2016 beim Kinderfasching des KVW zugehen. Er findet genauso wie die Prunksitzungen am 23. Und 30. Januar in der Rudolf-Reisenweber-Schule in Weidach statt.

Auf den Prunksitzungen haben auch die 63 Gardemädchen des KVW wieder ihren großen Auftritt, wenn sie ihre Garde- und Showtänze aufführen, für die sie das ganze Jahr trainieren. Schon ab dem dritten Lebensjahr fangen die Mädchen im Verein an, zu tanzen.

Julia Haug, Mandy und Ailin Freitag, Lisa Funk, Jennifer Höhn und Katja Sollmann trainieren die vier Altersgruppen. Dabei geht es eher um Spaß als um den Wettbewerb. "Karneval hat eine ganz besondere Atmosphäre", erklärt die 23-jährige Julia Haug die Faszination am Fasching. "Und der Zusammenhalt in unseren Tanzgruppen ist super."

Auf den Prunksitzungen werden auch langjährige Mitglieder wie Günther Forkel geehrt. Der 85-Jährige ist seit der Gründung des KVW im Jahr 1976 dabei. Er hofft, dass es den Karnevalsverein noch viele Jahre geben wird. "Manchmal ist es aber gar nicht so leicht, einen Elferrat auf die Beine zu stellen." Deshalb hofft der KVW in den nächsten Jahren auf Freiwillige, die sich dem Amt gewachsen fühlen.