Die kleine Wohnung, in der Jerry J. bis zum April vergangenen Jahres lebte und in der er der 16-jährigen Linda H. die tödlichen Verletzungen zufügte, ist für über eine Stunde zum Gerichtssaal geworden. Der Angeklagte schildert noch einmal bis ins Detail, was an jenem Abend passierte, als Linda mit zu ihm gekommen war und sie beide zu streiten begonnen hatten. Der 21-Jährige läuft von der Küche ins Wohnzimmer. Die kurzen Schritte passen nicht zu dem hochgewachsenen jungen Mann. Aber er trägt Fußfesseln. Die lassen nicht mehr zu. Polizeibeamte stehen dennoch dabei - zur Sicherheit.

Jerry beschreibt, wo er mit Linda gesessen hat, wie er aufgestanden und in die Küche gelaufen ist, als der Streit eskalierte, wo der Hammer lag, mit dem er später zuschlug und wo das Messer, mit dem er zustach. Ist er anfangs noch konzentriert, wird er zusehends erregter, je weiter seine Schilderung des Tathergangs voranschreitet. "Geht's noch?", fragt sein Anwalt Karsten Schieseck zwischendurch einmal. Jerry J. nickt.

Als er zu der Aussage kommt, dass am Tatabend eine große Pappe - die Verpackung für ein neues Bett - am Boden lag, wird Staatsanwältin Ursula Haderlein hellhörig. Das sei ihr neu. Dann fragt sie noch nach den Tatwerkzeugen. "Wann haben Sie die aus der Wohnung gebracht, noch am selben Abend oder erst am nächsten Tag?" Auf die Antwort des Angeklagten, daran könne er sich nicht erinnern, reagiert sie schroff: "Das glaube ich Ihnen nicht."

Die Beleuchtungssituation am Tatabend wird rekonstruiert und Jerry J. soll genau beschreiben, wo er Linda H. die tödlichen Messerstiche versetzt hat und wie er ihre Leiche zum Auto gebracht hat. Es geht in den Garten hinaus, wo der Angeklagte zeigt, an welcher Stelle er zusammen mit seiner Ex-Freundin die Kartons verbrannt hat, die zur Tatzeit noch in der Wohnung standen und an denen vermutlich Blutspritzer waren. Die aber die Hauptzeugin nicht gesehen haben will.

Auch sie wird in der Wohnung vernommen, hat nicht mit angehört, was Jerry J. erzählt hat. Und so kommt es wieder zu Ungereimtheiten.

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