Wegen Körperverletzung und Beihilfe zu schwerem Raub wurde einer der vier Männer, ein 27 Jahre alter Coburger, jetzt zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Mittelfinger vollkommen zertrümmert

Die vier Männer hatten ihr Opfer zunächst auf einen Parkplatz und dann auf ein leerstehendes Betriebsgelände in Coburg gelockt. Dort schlug ihm der Angeklagte mit der Faust ins Gesicht. Anschließend fuhr das rabiate Quartett mit dem jungen Coburger in die Wohnung des Angeklagten und drohte ihm mit Gewalt, wenn er das Geld nicht beschaffe. Tatsächlich schlug einer der vier Täter dem Jungen, der sich nackt ausziehen und auf den Fußboden legen musste, mit einem Hammer derart heftig auf den Mittelfinger der linken Hand, dass dieser vollkommen zertrümmert wurde.

Seit April 2013 sitzt der 27 Jahre alte Angeklagte bereits in Untersuchungshaft. Zwei weitere Mitglieder der Viererbande warten noch auf ihren Prozess in dieser Sache, stehen jedoch derzeit in Erfurt vor Gericht. Der vierte Mann ist noch nicht gefasst.

Angst vor den eigenen Freunden

In dem Prozess gegen den 27-Jährigen ging es auch am zweiten Verhandlungstag um dessen Rolle bei dem Überfall, der Körperverletzung und dem schweren Raub. Noch einmal wurden Zeugen zum Geschehen vernommen, darunter auch der Untersuchungsrichter. Er bestätigte, dass der Angeklagte offensichtlich selbst sehr große Angst vor seinen Kumpels gehabt hatte. "Er hat den Hammer geholt und einem der anderen Täter gegeben. Dass es zu so einem Exzess kommen würde, ahnte er selbst nicht", meinte der Richter. Dennoch sei für ihn klar gewesen, dass Geld von dem Opfer als "Schadensersatz" erpresst werden sollte.

Körperverletzung und Beihilfe zu schwerem Raub

Für Staatsanwalt Matthias Huber ergab sich ein eindeutiges Bild: Der Angeklagte sei der Körperverletzung und der Beihilfe zu schwerem Raub schuldig. Zwar habe er nicht selbst den Finger des Geschädigten zertrümmert, aber es sei klar gewesen, dass diese Aktion als eine Art Schadensersatzforderung diente. Selbst wenn er von dem Geld nichts gewollt habe, habe er doch dazu beigetragen, dass der Mann so schwer verletzt wurde.

Huber forderte zwei Jahre und zehn Monate. Im Sinne einer Generalprävention forderte er, keinesfalls eine Bewährungsstrafe auszusprechen. Huber: "Wenn sich herumspricht, dass man hier Dealer abziehen kann und dafür nur eine Bewährungsstrafe bekommt, haben wir in Coburg bald Verhältnisse, die wir garantiert nicht wollen."

Verteidiger Ralf Dobrama hingegen gab zu Bedenken, dass sein Mandant nie von einer räuberischen Erpressung ausging. "Er wollte kein Geld und hätte auch gar nichts bekommen", sagte er. Seiner Meinung nach ist der 27 Jährige, der bisher nicht vorbestraft war, "da hineingerutscht". Die Schläge auf dem Parkplatz habe er eingeräumt. Der Verteidiger forderte eine Bewährungsstrafe unter zwei Jahren.

Aktiv mitgewirkt an der Körperverletzung

Die Kammer folgte im Wesentlichen den Ausführungen des Staatsanwaltes. Der Angeklagte hätte fragen müssen: "Was soll hier geschehen?", sagte Vorsitzender Richter Gerhard Amend. Er habe gewusst, dass ein Dealer ausgeraubt werden solle, dass die drei anderen Täter aus dem Drogenmilieu kommen, er habe bei der Körperverletzung des "Verräters" aktiv mitgewirkt und er habe in der Wohnung den Hammer hingereicht. Amend: "Bei dieser Vorsituation hätte er davon ausgehen müssen, dass sein Kumpel auch zuschlägt."