Nach dem Essen ins Konzert und vielleicht sogar noch ein bisschen tanzen? Beim "Kochen für Weltbürger" am Samstag, 16. März, im Jugendzentrum Domino ist das möglich, denn Organisatorin Anne Ammer hat die Formation "Strom und Wasser feat. the refugees" eingeladen. Das ist keine Band wie viele andere, sondern ein Projekt des Musikers, Autors und politischen Provokateurs Heinz Ratz. "Der bayerische Flüchtlingsrat hat mir empfohlen, mal nach Coburg zu gehen, weil es da so viele engagierte Leute gibt", erzählt er.

Heinz Ratz ist selbst ein Weltbürger, hat schon in Saudi-Arabien, Peru, Lima, Argentinien, Großbritannien, in der Schweiz und in verschiedenen deutschen Städten, unter anderem in Kronach, gelebt. 2011 machte er sich mit dem Fahrrad auf und besuchte 80 Flüchtlingslager in Deutschland.
Dort traf er auf hervorragende Musiker und war erschüttert über die zum Teil menschenunwürdigen Verhältnissen, unter denen sie leben müssen. Er wollte etwas tun und hatte die Idee zu einem musikalischen Projekt.

Er lud Musiker aus Gambia, von der Elfenbeinküste, aus Afghanistan, Griechenland, Russland, aus dem Kosovo und anderen Ländern ein, zusammen mit seiner Band "Strom und Wasser" zu musizieren. Daraus entwickelte sich das Projekt - das den Bandnamen mit dem Zusatz "featuring the refugees" (mit den Flüchtlingen) bekam. Im Oktober 2012 wurde Heinz Ratz dafür mit der Integ rationsmedaille der Bundesregierung ausgezeichnet - auf Vorschlag der Grünen-Politiker Renate Künast und Jürgen Trittin. Derzeit ist Heinz Ratz mit seiner Formation auf "1000-Brücken-Tour" durch ganz Deutschland. Konstantin Wecker sagt über sie: "Was für hochbegabte, feinfühlige Sänger und Instrumentalisten!"

Am 16. März ist die Band also in Coburg zu Gast. "Wir werden afrikanische und russische Musik, Hip-Hop, Reggae, eben Weltmusik, spielen", sagt Heinz Ratz. Der Eintritt zum Konzert kostet fünf Euro, Asylbewerber zahlen nichts. "Das Geld wird nach Abzug der Kosten gespendet. Außerdem werden Musikinstrumente gesammelt, die man einfach mitbringen kann", sagt Anne Ammer. Um 21 Uhr beginnt das Konzert.


Gerichte aus Weißrussland

Vorher aber wird im Domino gekocht und gegessen. Diesmal stehen Gerichte aus Weißrussland auf dem Speiseplan. Es gibt Ei, gefüllt mit Zwiebeln und Champignons, Tomaten mit Knoblauch und Käse, Pfannkuchen mit Quark, Vanillinzucker und Rosinen, Pastete mit Fleisch, Reis, Ei und Zwiebeln und zum Nachtisch Apfelkuchen. Verantwortlich für die Rezepte ist eine Familie aus Weißrussland, die seit ein paar Monaten im Asylbewerberheim in der Uferstraße lebt.

"Interessant ist an dieser Stelle, dass Anna Herashehanka, unsere Chefköchin, in ihrer Heimat professionelle Musiklehrerin an einer Universität war. Sie hat dort acht Jahre lang Violoncello unterrichtet und beherrscht das Instrument sehr gut." Ihr Mann sei als Musiklehrer tätig gewesen. Er hat das Zymbal gespielt, eine Art Zither, die in Osteuropa sehr verbreitet ist. Und weil Anna Herashehanka gern wieder auf dem Cello musizieren würde, hat Anne Ammer eine ungewöhnlich Bitte: "Wer ein Cello abzugeben hat oder weiß, wo man günstig eines bekommen kann, möge sich bitte mit uns in Verbindung setzen."

Das Kochen beginnt wie immer um 12 Uhr, das Essen um 18 Uhr. Um den Bedarf an Lebensmitteln besser kalkulieren zu können, bitten die Organisatorin und die "Köche" darum, sich unter Telefon 09561/819771 oder juz@domino-coburg.de anzumelden. Spontan vorbeizukommen, ist aber auch möglich. Weitere Informationen gibt es unter www.facebook.com/kochenfuerweltbuerger.


Wer möchte helfen?

Geld
Wer das Projekt von Heinz Ratz unterstützen möchte, kann das mit einer Geldspende auf das Konto 91054684, BLZ 21050170, bei der Förde Sparkasse, Kennwort "Flüchtlings-CD".

Instrumente Die Musiker sind auch immer dankbar für Musikinstrumente, die sie sich selbst nicht leisten können - egal ob Gitarre, Flöte oder Schlagzeug. Sie können einfach zum Konzert mitgebracht werden.