Catrin Streubel-Ohlsen, Schneiderin aus Wohlbach, spricht aus Erfahrung, wenn sie sagt: "Die Kleider sind bequemer als jede Hose." In ihrem Atelier entwirft und näht die Modemacherin Kleidungsstücke für die unterschiedlichsten Anlässe. Ihr Hauptgeschäft sind mittelalterliche Gewänder und Hochzeitskleider, die Sie in ganz Deutschland und auch ins Ausland verkauft.

"Faschingskostüme sind einfach nicht so gefragt", sagt Streubel-Ohlsen. Das hat verschiedene Gründe. "Die Massenware in den Supermärkten ist einfach zu günstig. Für den Preis bekomme ich nicht mal den Stoff."

Nicht jeder kann es sich leisten

Ein anderer Grund: Nicht jeder kann sich Jahr für Jahr ein aufwendiges und maßgeschneidertes Kostüm leisten.
Nur selten kann sie, wie im vergangenen Jahr, einen Kunden aus Köln für ein Karnevalskostüm begeistern.
Ihre Kinder gehen aber nur mit den Unikaten der Mutter zum Schulfasching. "Meine Tochter war schon Prinzessin oder Robina Hood. In diesem Jahr geht sie als Cleopatra", sagt sie. Ihr sechsjähriger Sohn geht als Schlumpf. Schon in ihrer Lehrzeit hat die Schneiderin für Firmen Produkte entworfen, bis sie ihr Talent in einem Spielzeugdesign-Studium in Sonneberg ausleben konnte.

Obwohl sie ihre Kleidung schon früh selbst herstellte, dauerte es einige Zeit, bis sie das Schneidern zum Beruf machte. "Vor etwa zehn Jahren war ich mit Freunden auf einem Mittelalterfestival und bewunderte die Gewänder der anderen Besucher. Schon auf meinem nächsten Fest hatte ich selbstentworfene Kleider an und jeder fragte mich, wo ich diese her hatte", erinnert sich Streubel-Ohlsen.

Da ist es nicht verwunderlich, dass es sich bei den meisten ihrer Aufträge um Gewänder im Stil des Mittelalters handelt. Besonders bei Hochzeiten im Stile des dunklen Zeitalters, sind die Kleidungsstücke der Designerin sehr gefragt. Sie stattete sogar schon die Band "Feuerschwanz" mit Kleidung für ein Musikvideo aus. "Jeden Sommer findet auf der Lauterburg ein Mittelalterfest statt. Dort habe ich auch einen Stand und verkaufe etwa Rittergewänder für Jungs", sagt Streubel-Ohlsen.

Eine Hose dauert 15 Stunden

"An einer ausgefallenen Hose arbeite ich schon einmal zehn bis 15 Stunden. Für das ägyptische Kleid meiner Tochter zum Fasching habe ich etwa ein bis zwei Vormittage gebraucht", sagt die Designerin. Sie zeichnet ihre Entwürfe stets selbst und stellt die Kleidungsstücke anschließend an der Nähmaschine her. Lediglich kleine Details werden von Hand gestickt.

So berechnet sich der Preis ihrer Mode nach der Arbeitszeit, wobei das Material der Stoffe natürlich auch eine Rolle spielt. Die Schneiderin arbeitet auch mit "Brokatstoff". Das Gewebe ist sehr schwer zu bearbeiten und wird etwa in Museen für historische Gardinen genutzt.
Selbstverständlich ist es dann auch, dass die Modemacherin zum Fasching in diesem Jahr wieder ihr eigenes mittelalterlichen Kleid trägt. Zum Einsatz kommt das Designerstück beim Schulfasching ihrer Kinder.